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Leichtathletik-WM in Helsinki : Andre Niklaus, ein Wassersportler der Spitzenklasse

Überraschung: Andre Niklaus glänzte mit einem starken Zehnkampf Bild: AP

Am Ende landete Zehnkämpfer Andre Niklaus in Helsinki auf dem undankbaren vierten Platz. Doch mit fünf persönlichen Bestleistungen übertraf der Berliner alle Erwartungen. In spätestens fünf Jahren will der ehrgeizige 23jährige in der Weltspitze stehen.

          3 Min.

          In Sturm und strömendem Regen hat sich der Berliner Andre Niklaus als Wassersportler der Spitzenklasse erwiesen. In stellenweise knöcheltiefem Wasser und bei gewaltigen Sturmböen lieferte der zweimalige U23-Europameister in den beiden Tagen des Zehnkampfs buchstäblich einen Wettkampf aus einem Guß und erreichte auch zu seiner eigenen Überraschung Platz vier. Weltmeister dieser Sturzbach-Meisterschaft im Olympiastadion von Helsinki wurde mit 8.732 Punkten Bryan Clay aus Amerika, Zweiter der Olympischen Spiele von Athen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Olympiasieger Roman Sebrle kam bei seinem fünften vergeblichen Versuch, Weltmeister zu werden, mit 8.521 Punkten auf Platz zwei, vielleicht wegen Aquaplanings. Mit 9.026 Punkten hält der Tscheche den Weltrekord, doch seine Leistungen am zweiten - eigentlich seinem besseren - Tag blieben unter seinen eigenen Ansprüchen. Niklaus, seit Mittwoch nicht nur wegen seines Lächelns der Sonnenschein der deutschen Mannschaft, erreichte 8.316 Punkte. Titelverteidiger Tom Pappas (Vereinigte Staaten) war nicht am Start. Dritter wurde der Ungar Attila Zsivoczky mit 8385 Zählern. Trotz eines furiosen Angriffs im Finale des abschließenden 1500-Meterlaufs am Mittwoch abend konnte Niklaus ihn nicht mehr erreichen - durch ihren Zweikampf allerdings verbesserten sich die beiden von den Plätzen fünf und sechs um zwei Positionen.

          Fünf persönliche Bestleistungen

          Der freche Berliner Niklaus jobbte noch im vergangenen Winter als Hospitant in der Sportredaktion einer Boulevardzeitung. Nun machte der 23jährige Athlet Schlagzeilen, indem er in fünf der zehn Disziplinen persönliche Bestleistungen aufstellte. Ausgerechnet bei Wind und Wetter sprang und lief der Sunnyboy nun mitten in die Weltklasse. Einen Platz unter den besten acht und 8.200 Punkte waren sein Ziel gewesen.

          Auf dem Weg zur Weltspitze
          Auf dem Weg zur Weltspitze : Bild: REUTERS

          Der Sportsoldat Niklaus war am Ende nur 69 Punkte von der Bronzemedaille entfernt. Seine bisherige Bestmarke lag bei 8.193 Punkten, aufgestellt im Juni in Ratingen. Vor zwei Jahren bei der WM in Paris war Niklaus noch Achter geworden. Für seinen vierten Platz erhält der Berliner vom Internationalen Leichathletik-Verband 15.000 Euro Prämie. Und von seinem Trainer Rainer Pöttel ein Abendessen mit Havanna-Zigarre.

          Animieren und animieren lassen

          Clay war der dominierende Zehnkämpfer der Weltmeisterschaft. Schon am Dienstag hatte er die Führung übernommen, am Mittwoch war er in vier der fünf Wettbewerbe besser als sein Freund und Trainingspartner Sebrle. Noch im Mai hatte sich der Amerikaner in Götzis bei einem Sturz zwei Rippen gebrochen.

          Am Mittwoch schien ganz besonders für Niklaus die Sonne. Beim Stabhochsprung blieb er in drei Höhen allein auf der Bühne - und er genoß die Situation nicht nur, sondern nutzte sie auch. Als zuletzt Alexander Pogoreloff aus seiner Gruppe ausgeschieden war, übersprang er erst 5,10 Meter im zweiten Versuch, 5,20 Meter im zweiten und 5,30 Meter im dritten. Er animierte das Publikum und ließ sich von den jubelnden Zuschauern selbst animieren. Sogar an 5,40 Meter versuchte sich der ehrgeizige Berliner. Zwar scheiterte er dreimal, hatte sich aber von Platz neun auf Rang sechs verbessert.

          „Ich will mich jedes Jahr um 100 Punkte steigern“

          Im Kugelstoßen verbesserte er seine Bestleistung um zehn Zentimeter auf 14,24 Meter, im Diskuswerfen um 4,25 auf 46,13 Meter und im Speerwerfen um 1,36 auf 61,74 Meter. Als der Orkan am Dienstag abend den Wettbewerb unterbrach, hatte Niklaus im Hochsprung gerade mit 2,03 Meter seine Bestleistung erreicht. Weitere Versuche unterließ er nach der Pause, um Kraft zu sparen für die Fortsetzung. Nach dem Wolkenbruch lief er die Stadionrunde in 49,42 Sekunden - und kam durch die Unterbrechung des Wettbewerbs doch zwei Stunden später als vorgesehen ins Bett.

          Sein zweiter großer Sprung folgte am Mittwoch abend: In 4:28,39 Minuten wurde er Zweiter des langen Laufes über 1.500 Meter und dafür mit Platz vier belohnt. Niklaus, dies zeigen die beiden Tage von Helsinki, hat das Zeug num neuen deutschen Zehnkampf-Star. „Meine Devise heißt jetzt: Ich will mich jedes Jahr um 100 Punkte steigern. Dann dürfte ich in fünf Jahren vorne mit dabeisein.“

          Beeinflussung durch das Wetter

          Der Wettbewerb wurde nicht nur von den schier unglaublichen Stürmen und Regengüssen am Dienstag- und Mittwoch abend beeinflußt. Als noch die Sonne schien und der Himmel klar war, am Mittwoch vormittag, katapultierte sich Medaillenfavorit Dimitri Karpow aus Kasachstan mit zwei Fehlstarts in den Hundertmeterlauf aus dem Wettbewerb.

          Clay lief in 10,43 Sekunden am schnellsten, Niklaus, im ersten Lauf gestartet, brauchte 11,04 Sekunden. Den Weitsprung entschied Sebrle mit 7,86 Meter für sich; Niklaus kam auf 7,20 Meter. Auch das Kugelstoßen dominiert Sebrle, er kam auf 16,29 Meter.

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