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Leichtathletik-WM : Deutscher Optimismus ist gedämpft

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Fürs Wochenende nur eine Medaille im Blick: Clemens Prokop Bild: AP

In den sieben Entscheidungen des Auftakt-Wochenendes in Edmonton haben die deutschen Leichtathleten mit Astrid Kumbernuss nur ein heißes Eisen im Feuer.

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          Die Stimmung ist gut, die Erfolgsaussicht schlecht. „Eine Medaille wäre super“, formulierte DLV-Präsident Clemens Prokop einen bescheidenen Wunsch. Generalsekretär Frank Hensel glaubt, dass die Mehrzahl der Medaillenchancen in der zweiten Veranstaltungshälfte liegt. Er hofft an den für die Deutschen traditionell schwachen ersten Tagen darauf, dass „sich alle im Rahmen ihrer persönlichen Möglichkeiten gut darstellen“.

          In besonderer Weise gilt dies für die dreimalige Kugelstoß- Weltmeisterin Astrid Kumbernuss. Die Neubrandenburgerin hat in diesem Jahr noch nicht überzeugen können, ließ aber am vergangenen Montag mit der DLV-Jahresbestweite von 19,87 m aufmerken. Die Spritzigkeit vergangener Tage sei verloren gegangen, und „kleinste Fehler in der Technik wirken sich drastisch aus“, hat die 31-jährige Mutter erkannt. Das Potenzial sei zwar immer noch vorhanden, doch im Wettkampf konnte sie dies im bisherigen Saisonverlauf noch nicht abrufen. „Es wird sehr schwer, eine Medaille zu gewinnen“, weiß die Olympiasiegerin von 1996.

          Bisher glanzvolle Saison

          Dieter Kollark sieht die Probleme im mentalen Bereich. „In Stresssituationen ist Astrid nicht mehr so handlungsfähig wie vor der Geburt“, so der Trainer und Lebensgefährte der Titelverteidigerin. Auch Kumbernuss gibt zu, dass ihr Sohn Philipp vieles verändert habe. Dennoch hofft das Erfolgsduo aus Neubrandenburg, dass die Weltmeisterin der Jahre 1995, 1997 und 1999 im Finale am Sonntag ihre volle Leistungsfähigkeit erreicht und der starken Konkurrenz Paroli bieten kann.

          Mit Vorläufen starten Olympiasieger Nils Schumann über 800 m und Europameisterin Grit Breuer über 400 m am Samstag in die WM. Beide verfolgen in Edmonton das gleiche Ziel: Edelmetall. Während Schumann dies offen ausspricht und sogar nach Gold schielt, stapelt Breuer trotz ihrer bisher glanzvollen Saison tief. „Man weiß nie, was passiert. Es wird spannend, denn nicht nur ich kann unter 50 Sekunden laufen.“ Geher Andreas Erm gehört zwar über 20 km zum Favoritenkreis, den Gewinn einer Medaille bezeichnete der Berliner aber als „unrealistisch“.

          Nicht mehr im Schatten

          Als erste von insgesamt 70 deutschen Athleten müssen Oliver-Sven Buder und Ralf Bartels am Samstagmorgen in der Kugelstoß-Qualifikation ran. Buder, 1997 und 1999 jeweils Vize- Weltmeister, hat sich dieses Mal kleinere Ziele gesetzt. „Mal sehen, was ich morgens um halb neun drauf habe. Das Finale möchte ich schon erreichen. Wenn das gelingt, will ich so weit wie möglich vorne landen“, meinte das 35 Jahre alte Schwergewicht im DLV-Team.

          Gesundheitliche Probleme plagen Siebenkämpferin Karin Ertl. Die in dieser Saison regelmäßig aufgetretenen Schmerzen im Sitzbein machen der 27-jährigen Bayerin seit Wochenanfang wieder zu schaffen. „Mein Ziel sind 6400 Punkte und ein Platz unter den ersten Acht“, meinte die Hallen-Weltmeisterin vor der Entscheidung am Wochenende. Dabei steht sie erstmals bei einem Großereignis nicht mehr im Schatten von Sabine Braun. „Das ist sehr angenehm“, stellte Ertl fest. Möglicherweise fehlt die britische Olympiasiegerin Denise Lewis wegen einer schweeren Magenverstimmung.

          Depremierte deutsche Meisterin

          Unsicherheit herrscht bei Speerwerferin Steffi Nerius. Die Leverkusenerin konnte wegen einer chronischen Sehnenentzündung im Ellbogen seit Monaten nicht richtig trainieren und wurde in den letzten Tagen mit Spritzen behandelt. „Ich bin vom Kopf her nicht frei. Ich muss zusehen, dass ich die Qualifikation im ersten Versuch schaffe“, meinte die nach eigener Aussage etwas deprimierte deutsche Meisterin.

          Ohne Selbstvertrauen geht auch Karsten Kobs in die Hammerwurf-Entscheidung am Sonntag. „Ich weiß, dass ich meinen Titel nicht verteidigen kann. Ich bin in einer Scheißform“, sagte der Leverkusener. Ganz anders Sprinter Tim Goebel: „Ich möchte eine Runde weiterkommen. Und das werde ich auch“, erklärte der 19-jährige Kölner vor seiner WM-Premiere.

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