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Leichtathletik-WM : Absturz der deutschen Stabhochspringer

  • -Aktualisiert am

Frust bei den deutschen Stabhochspringern, die Medaillen holten andere Bild: dpa

Michael Stolle sprang so hoch wie der Silbermedaillengewinner und wurde doch wieder nur Vierter.

          3 Min.

          Die Serie der unheimlichen Platzierungen der vierten Art reißt nicht ab. Zum vierten Mal nacheinander belegte ein deutscher Stabhochspringer bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen nur den undankbaren vierten Platz, und zum zweiten Mal nach Olympia 2000 war Michael Stolle der unglückliche Verlierer.

          „Die Höhe ist klasse, wenn nur der Rattenschwanz nicht wäre“, haderte der mit Galgenhumor gesegnete Stabhochspringer mit seinem Schicksal. Saisonbestleistung von 5 Meter 85 reichten trotz Höhengleichheit mit dem Silbermedaillengewinner Aleksandr Averburgh nicht zu einer Medaille, weil er bei seiner Einstiegshöhe (5,50 m) zwei Mal gepatzt hatte. In Sydney war ihm das gleiche passiert, damals lag er sogar gleichauf mit dem Olympiasieger, und wurde nur Vierter.

          Die Vorkissen fehlten

          „Vor dem Wettkampf lenke ich mich zwei Tage lang völlig ab, denke nicht an Sport, um den Kopf frei zu bekommen“, hatte Michael Stolle Anfang der Woche erklärt. War er beim Einstieg in den Wettkamp mit den Gedanken noch woanders? Die ersten Versuche gingen deutlich daneben. „Nee“, sagte er, „ich war schon voll da. Und auch gut drauf.“

          Es lag an den fehlenden Vorkissen an den Matten. Die ragen normalerweise seitlich rund drei Meter von der Einstichstelle ab und bieten sowohl Sicherheit bei der Landung, wie auch Orientierung beim Anlauf. In Edmonton waren die Vormatten nur ein Meter lang.

          Spiegelburg überzeugte

          „Du denkst, Du bist zu weit weg vom Einstich, machst größere Schritte als normal, bist dann viel zu nah dran, steigst zu steil hoch, reißt die Latte runter und landest da, wo du abgesprungen bist“, erklärte Stolle die Auswirkungen der fehlenden Vormatten anschaulich. „Doch das zumindest nehme ich von hier mit. Ich kann jetzt auch ohne Vormatten springen.“ Der blondgefärbte Draufgänger meisterte aufgrund dieser Probleme erst mit dem dritten Sprung die Höhe von 5,50m. Danach bei 5,65 und 5,75 schaffte er es jeweils locker im ersten Versuch, es sah sehr gut aus.

          Was machten die Kollegen? Der feinmotorisch begabte Richard Spiegelburg zeigte einen großartigen Wettkampf. Die ersten drei Höhen überwand er glatt und stilsicher und erfüllte damit das in ihn gesetzte Vertrauen. Eigentlich hatte er sich in diesem Jahr nur für die Studenten-WM qualifizieren wollen, doch plötzlich war er als deutscher Überraschungs-Meister für die richtige WM nominiert worden.

          Ecker und der Anlauf

          Danny Ecker, das größte Talent und einziger Sechs-Meter-Springer im starken deutschen Team, stieg erst bei 5,65 ein und ließ die nächste Höhe gleich wieder aus. „Ich will möglichst wenig Sprünge machen“, war vorher seine Devise, er sollte leider recht behalten; nur nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte.

          Bei 5,85 begann das große Ausscheidungsspringen. Sechs von elf scheiterten, darunter auch Spiegelburg und Ecker. Der auf mysteriöse Art: Plötzlich war sein Anlauf weg. Zwei mal lief er los, zwei mal stoppte er ab, ging zurück, versuchte es noch mal, die Zeit lief ab, er musste verweigern.

          „Das ist ihm noch nie passiert“, rätselte Bundestrainer Leszek Klima. „Ich nehme an, einer hat meine Anlaufmarke umgeschmissen und falsch aufgestellt“, mutmaßte Ecker. Michael Stolle schaffte die 5,85, doch außer ihm auch drei andere, zwei davon, Olympiasieger Nick Hysong (USA) und Aleksandr Averbukh (Israel), mit weniger Fehlversuchen. 5,90 oder mehr schaffte keiner von ihnen, für Stolle blieb Platz vier.

          Hilft Bubka Stolle?

          Einen Wettkampf der besonderen Art bot der für Australien springende frühere Weißrusse Dmitri Markov. Nach Schwierigkeiten über seine Einstiegshöhe (5,75 im Dritten), stieg er erst bei 5,90 wieder ein, als alle anderen schon ausgeschieden waren. Seine Performance endete erst bei sechs Metern und fünf Zentimetern, der besten jemals bei Meisterschaften erzielten Leistung. „Ich war perfekt“, sagte er und es stimmte.

          Höher hinaus war bisher nur Sergej Bubka gesprungen, der diesmal die Siegerehrung vornahm. Vor dem Wettkampf hatte er die aktiven Springer noch ermahnt, sie sollten nicht seinen Stil kopieren, sondern eine neue Technik entwickeln, wenn sie Weltrekorde springen wollten. An Markovs explosiver Art über der Latte konnte er seine Freude haben.

          Doch auch an Michael Stolle hat der sechsfache Weltmeister gefallen gefunden. Es heißt, Bubka werde ihn in Zukunft gelegentlich trainieren und fit machen für die Medaillenränge. Dazu Stolle: „So manchen Tipp gibt er mir jetzt schon.“

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