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Leichtathletik : Weltrekord: Sebrle bricht 9000-Punkte Grenze im Zehnkampf

  • Aktualisiert am

Neuer Zehnkampf-Weltrekordler: Roman Sebrle Bild: AP

Der Tcheche Roman Sebrle hat mit dem sensationellen Weltrekord von 9026 Punkten in Götzis Leichtathletik-Geschichte geschrieben.

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          Nach dem er als erster Zehnkämpfer die magische Grenze von 9000 Punkten übertroffen hatte, vergoss Roman Sebrle Tränen des Glücks. Völlig ausgelaugt lag der Tscheche auf der Tartanbahn und weinte hemmungslos. Mit dem sensationellen Weltrekord von 9026 Punkten schrieb der Olympia-Zweite am Sonntag in Götzis Leichtathletik-Geschichte. Sebrle verbesserte die knapp zwei Jahre alte Top-Marke seines Landsmannes Tomas Dvorak um 32 Punkte. Für seine historische Leistung kassierte er etwa 80 000 Mark.

          Die 27. Meeting-Auflage stand von Beginn an im Zeichen von Sebrle. Bis zum Stabhochsprung lag er auf Weltrekord-Kurs, dann schienen 4,80 m zu wenig, um den 9000er Gipfel bezwingen zu können. Doch mit ausgezeichneten 70,16 m im Speerwerfen, der dritten Bestleistung nach 8,11 m im Weitsprung und 47,92 m im Diskuswerfen, rückte der Rekord auf einmal wieder in Reichweite.

          Historische Chance genutzt

          „Da wusste ich, dass es möglich ist“, erzählte Sebrle im Anschluss. 4:25,93 Minuten musste er über die abschließenden 1500 m laufen, um die Traumgrenze zu übertreffen. Die Uhren blieben bei 4:21,98 stehen. „Lieber sterben, als diese Chance zu vergeben“, schilderte Sebrle überglücklich seine Gefühle.

          „Ich habe schon vor vier Jahren gesagt, dass Roman einmal der beste Zehnkämpfer sein wird“, hatte Dvorak schon vor dem Wettkampf erklärt. Und der bisherige Kronprinz bestätigte die Vorschusslorbeeren. Dabei hatte er zuvor bekannt: „Ich habe an die 9000 Punkte noch nicht gedacht. Wobei die Betonung auf dem Wort noch liegt.“ Nun hat er, und nicht etwa Dvorak oder der Amerikaner Dan O'Brien, die die vergangenen Jahre beherrscht hatten, den Gipfel als erster erklommen.

          Traum-Duo aus Tchechien

          Seit 1995 trainiert Sebrle beim Armeeclub Dukla Prag gemeinsam mit Dvorak bei dessen Schwiegervater Zdenek Vana. Doch das sportliche Traum-Duo aus Tschechien weist gar nicht so viele Gemeinsamkeiten auf, wie man annehmen könnte. Dvorak, der vor zwei Jahren mit 8994 Punkten den Weltrekord in seinen Besitz gebracht hatte, ist der Familienmensch, der auf laute Rockmusik stehende Sebrle eher der unternehmungslustige Typ.

          Und während der 29 Jahre alte Dvorak eine komplexe Grundausbildung in der CSSR genoss, spielte Sebrle bis zu seinem 20. Lebensjahr nebenbei noch Fußball. Seit er sich endgültig auf die Leichtathletik festgelegt hat, ging es dann steil bergauf. „Ich habe mich in den Jahren punktemäßig an Tomas herangeschoben. Darüber bin ich froh“, meinte der 26-Jährige. Am Sonntag hat er ihn mit seinem hervorragenden Auftritt im Mehrkampf-Mekka übertroffen.

          Braun verletzt sich und bangt um WM

          Sabine Braun erlebte dagegen eine schwarze Stunde. Die 36 Jahre alte Wattenscheiderin musste den Siebenkampf nach der sechsten Disziplin wegen einer Verletzung abbrechen. Die zweimalige Weltmeisterin konnte den Wettkampf wegen großer Schmerzen in der Achillessehne nach dem ersten Versuch im Speerwerfen nicht fortsetzen und muss nun sogar um die WM-Teilnahme bangen. „Das ist eine große Enttäuschung für mich, weil ich nur wenige Wettkämpfe aus Verletzungsgründen aufgeben musste. Auch für Ratingen sieht es nicht gut aus“, stellte Braun ihren Start bei der WM-Qualifikation in drei Wochen in Frage.

          Beste Deutsche im Siebenkampf war Karin Ertl (Fürth/München) als Sechste mit 6136 Zählern. Den Sieg sicherte sich wie im Vorjahr Weltmeisterin Eunice Barber mit der Jahresweltbestleistung von 6736 Punkten. Das bemerkenswerteste Resultat aus deutscher Sicht gelang der Chemnitzerin Katja Keller. Die 20-Jährige steigerte ihre persönliche Bestmarke gleich um 308 Zähler und knackte bei ihrem internationalen Debüt als Achte mit 6082 Punkten erstmals die 6000er Marke.



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