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Leichtathletik : Revolution des Regelwerks

  • -Aktualisiert am

Danny Ecker: „Lieber die Kampfrichter schulen” Bild: dpa-Sportreport

TV-Sender diktieren der Leichtathletik neue Regeln: Werfer und Springer sollen weniger Versuche bekommen. Die Athleten sind empört.

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          „Zwei Versuche = Tempo 100 in der Formel 1" - mit diesem Slogan protestierten die Stabhochspringer vor dem Wettkampf in Hengelo gegen eine neue Praxis. Und sie verzögerten den Start des Wettbewerbs mit einem Sitzstreik auf der Matte, so sehr waren die Sportler über die Regeländerung des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF) verärgert.

          Statt wie bisher drei haben die Springer nur noch zwei Versuche, die Werfer statt sechs nur noch vier Durchgänge und die Sprinter dürfen sich nur einen statt zwei Fehlstarts leisten. Damit möchte die IAAF die Übertragungen für das Fernsehen etwas beschleunigen und attraktiver gestalten, denn die langanhaltenden Wettbewerbe stören die TV-Macher bei ihren Sendungen.

          „Die sollen die Leichtathletik nicht neu erfinden“

          In einem Brief an die IAAF wollen die Athleten ihre Forderungen noch einmal deutlich machen. Aber auch Bayer Leverkusens Geschäftsführer Paul-Heinz Wellmann steht auf Seiten der Sportler. „Die Verbandsordnung ist für die Athleten da und nicht für Funktionäre und TV-Anstalten, die sollen die Leichtathletik nicht neu erfinden."

          Kugelstoßer und Co.: Künftig nur noch vier Versuche?

          Stabhochspringer Danny Ecker, der Sieger von Hengelo, fühlt sich um seinen dritten Versuch betrogen: „Die sollen lieber die Kampfrichter besser schulen, die brauchen doch die längste Zeit, um die Latte wieder aufzulegen." Der Leverkusener gewann nach gut dreimonatiger Verletzungspause mit 5,65 Metern. Dabei hatte der 23-Jährige weniger mit den Folgen seiner Fußoperation als mit den neuen Regeln zu kämpfen. „Mit drei Versuchen hätte Danny heute schon die 5,75 m geschafft", ist sich Bundestrainer Leszek Klima sicher und fügt hinzu: „Beim ersten stimmte der Anlauf nicht, beim zweiten war er zu nah an der Latte, beim dritten hätte er es geschafft."

          Stabhochspringer fühlen den Wettkampf nicht mehr

          Damit hätte Ecker dann schon ein erstes Mal die Qualifikationsnorm für die Weltmeisterschaften im kanadischen Edmonton (3. bis 12. August) geschafft. Denn die Sportler müssen sich mit zunehmender Höhe an die Härte der Stäbe gewöhnen, da ist oft der dritte Versuch notwendig. „Beim Hochsprung geht das mit zwei Versuchen vielleicht noch, bei uns nicht", glaubt Ecker.

          Auch beim Sportfest in Portland (USA) schimpften die Stabhochspringer über die neuen Regeln. Bei den Männern war nach nur 28 Minuten und der Siegeshöhe von 5,35 Metern alles vorbei. Früher waren sie oft die letzten im Stadion. „Wenn sich das nicht ändert, kann man nicht mehr teilnehmen", sagte Hallen-Weltmeister Lawrence Johnson nach seinem „Salto Nullo“.

          Seine Landsfrau Stacy Dragila siegte nach nur 45 Minuten zwar mit 4,51 Metern, war aber ebenfalls sauer: „Es ging so schnell vorbei, ich bin nicht einmal müde. Ich fühle überhaupt nicht, dass ich gesprungen bin. Das ist ein völlig anderer Wettkampf."

          Endgültige Entscheidung fällt vor der WM

          Ähnlich verärgert über die geplanten Änderungen sind die Top-Sprinter, die vor zehn Tagen mit IAAF-Präsident Lamine Diack diskutierten. Dagegen nehmen die Werfer die Regeländerungen gelassen hin. „Man muss sich halt darauf einstellen, dass man weniger Versuche hat", meinte die deutsche Kugelstoßerin Astrid Kumbernuss.

          Angesichts der überwiegend negativen Reaktionen seitens der Sportler ist es fraglich, ob die IAAF die Regeländerungen bei ihrem Kongress vor der WM in Edmonton endgültig verabschieden wird.

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