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Leichtathletik : Ratingen: Deutscher Zehnkampf am Boden

  • Aktualisiert am

Einziger Lichtblick: Sonja Kesselschläger startet in Paris Bild: dpa/dpaweb

Die einstige Vorzeigedisziplin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes ist an einem historischen Tiefpunkt angelangt: Für die kommenden Weltmeisterschaften in Paris schaffte kein deutscher Zehnkämpfer die Qualifikation.

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          Der deutsche Zehnkampf steckt in der größten Krise seit 1945. Erstmals seit die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1983 aus der Taufe gehoben wurden, wird kein deutschen Athlet an diesem Titelkampf teilnehmen. Bei der letzten Qualifikation für die WM in Paris (23. bis 31. August) am Sonntag in Ratingen konnte keiner der Nachfolger des zurückgetretenen Frank Busemann die Norm (8090 Punkte) erreichen.

          „Tiefer geht es nicht mehr“, bilanzierte Zehnkampf-Bundestrainer Claus Marek das Trauerspiel enttäuscht. Wie weit seine Schützlinge von der internationalen Elitespitze entfernt sind, demonstrierte eindrucksvoll Weltrekordler Roman Sebrle (Tschechien), der mit 8606 Punkten aber unter seiner Weltbestleistung (8807) blieb. Im Siebenkampf setzte sich hingegen souverän die Neubrandenburgerin Sonja Kesselschläger durch. Mit 6117 Punkten verfehlte sie zwar ihre persönlichen Bestleistung um 88 Zähler, übertraf aber zum zweiten Mal die WM-Norm (6105) und wird als einzige aus dem Lager der deutschen Mehrkämpfer nach Paris reisen. Die Chemnitzerin Katja Keller wurde mit 5870 Punkten zwar hinter der Australiern Jane Jamieson (5890) Dritte, blieb aber unter den WM-Richtwert.

          „Möchte in Paris 6300 Punkte erreichen“

          „Ich möchte in Paris 6300 Punkte erreichen, doch das ist eine Menge Holz“, hofft Sonja Kesselschläger bei der WM unter die ersten Acht zu kommen. Dagegen ist die Bestürzung über das Desaster der deutschen Zehnkämpfer, die auch bei den Olympischen Spielen nach dem 2. Weltkrieg aus politischen Gründen nur 1948 in London und 1980 in Moskau nicht dabei waren, groß.

          „Es ist keine Bagatelle, da der Zehnkampf einen hohen Stellenwert hat“, erklärte Rüdiger Nickel, Leistungssportchef des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Als bester DLV-Kämpfer konnte Sebastian Knabe zwar den dritten Platz erreichen, blieb aber mit nur 7600 Punkten weit unter der geforderten WM-Norm. Komplettiert wurde das traurige Bild der deutschen Athleten durch den vorzeitigen Ausstieg von Mike Maczey (Kiel), der ein Hoffnungsträger für Paris war, und Matthias Spahn (Köln). Ratlosigkeit herrschte unter Trainern und Funktionären über die Ursachen des rapiden Niedergangs dieser Königsdisziplin in Deutschland, die von Typen wie Kurt Bendlin, Willi Holdorf, Jürgen Hingsen, Siggi Wentz, Paul Meier oder zuletzt Frank Busemann zu einer der populärsten gemacht wurde.

          „Es fehlen einfach die Talente“

          „Ich glaube nicht, dass es ein Systemfehler ist. Es fehlen einfach die Talente“, meinte Paul Meier, der 1993 WM-Dritter war. Und Disziplintrainer Marek ergänzte: „Wir sind davon abhängig, was uns von den Eltern vor 20 Jahre in die Wiege gelegt wurde.“ Bei den Tschechen hat es mit der Biologie besser geklappt. Obwohl sein Landsmann und Weltmeister Tomas Dvorak wegen einer Erkrankung absagen musste, bewies Sebrle im Alleingang seine Weltklasse und gewann acht der zehn Disziplinen. Der 25 Jahre alte Olympia-Zweite feierte einen unangefochtenen Start-Ziel-Sieg und ließ dem zweitplatzierten Schweden Jon Arnar Magnusson (8023) keine Chance.

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