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Leichtathletik : Lars Riedel muss EM verletzt absagen

  • Aktualisiert am

Kann bei der EM in München nur zuschauen: Lars Riedel Bild: dpa

Vier Wochen vor der EM in München verschärft der Startverzicht von Lars Riedel die angespannte Situation bei den deutschen Leichtathleten.

          2 Min.

          Der EM-Verzicht von Diskus-Weltmeister Lars Riedel (Chemnitz) spitzt die durch Verletzungen und Formkrisen von rund zehn Leistungsträgern ohnehin prekäre Situation im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) vier Wochen vor den europäischen Titelkämpfen in München (6. bis 11. August) weiter zu.

          „Er muss sein Leben neu ordnen, bevor er wieder in alter Stärke in den Ring steigt“, machte Riedels Trainer Karlheinz Steinmetz deutlich, dass die Probleme des Titelverteidigers um die Scheidung von der Ehefrau gravierender sind als jene an Rücken und Schulter.

          Riedel: Olympischen Spiele 2004 als Ziel

          „Lars wird die Saison komplett abbrechen“, bestätigte DLV-Cheftrainer Bernd Schubert: „Er will die Verletzung ausheilen und neu angreifen. Lars macht auf jeden Fall weiter bis zu den Olympischen Spielen 2004 in Athen.“ Schubert, der ebenfalls durchblicken ließ, die medizinische Seite sei nur die eine Sache, lehnte jeden Kommentar zur privaten Situation Riedels ab, der in Scheidung lebt und den derzeit offenbar eine Konfrontation der Anwälte wegen der finanziellen Regelung plagt.

          Hinsichtlich des sportlichen Aspekts sagt Schubert, den am Montag auch die Meldung vom Saisonabbruch des Stabhochsprung-Olympiavierten Michael Stolle (Leverkusen) erreichte: „Das ist ein schwerer Verlust für uns. Wir hatten gehofft, in Michael Möllenbeck und Lars Riedel zwei Medaillenkandidaten zu haben.“

          Becker und Schultz betrieben Werbung für die Heim-WM

          Während bei der Bochumer DM die Überflieger Annika Becker (LG Rotenburg-Bebra) mit dem Stabhochsprung-Europarekord von 4,77 m und Ingo Schultz (Dortmund) mit dem Sturmlauf an die europäische 400-m-Spitze (44,97) Werbung für die Heim-EM gemacht hatten, muss der DLV im Kampf um Form und Fitness vieler Leistungsträger auf den Faktor Zeit setzen, wenn vier Jahre nach der „Schokoladen-EM“ von Budapest mit acht Titeln und der Rekordzahl von 23 Medaillen wenigstens die Hälfte dieser Erfolge möglich werden soll.

          Ob am Mittwoch 88 oder 98 Athleten für München nominiert werden, ist am Ende nicht entscheidend. Jene zehn, auf die es ankommt, sind ganz andere. Aus dem Kreis der „Wackelkandidaten“, die nach gesundheitlichen Rückschlägen wieder Tritt fassen wollten, konnte in Bochum der Speerwurf-Olympiavierte Raymond Hecht (Magdeburg/87,23 m) das Fragezeichen am eindrucksvollsten beseitigen.

          Viele Fragezeichen hinter den deutschen Leistungsträgern

          Im Kontrast dazu droht wie im Fall Riedel auch ein EM-Verzicht der erneut verletzt ausgefallenen Tanja Damaske (OSC Berlin) und Diskus-Titelverteidigerin Franka Dietzsch (Neubrandenburg). Entscheidend wird sein, ob die Olympiasieger Heike Drechsler (Karlsruhe) und Nils Schumann (Großengottern), Weltmeister Martin Buß, die Ex-Weltmeister Charles Friedek und Karsten Kobs (alle Leverkusen) sowie Titelverteidigerin Grit Breuer (Magdeburg) noch einmal die Kurve zur Goldform kriegen.

          Drechsler präsentierte zwar beim finalen 6,64-m-Sprung die Norm, aber noch keine Medaillenform. Diese fehlt auch dem über 800 m überraschend geschlagenen Nils Schumann. Hochspringer Buß ist wenigstens bei 2,25 m angelangt, Dreispringer Friedek dagegen mit 16,70 m ins Mittelmaß zurückgefallen. Ähnlich wie Hammerwerfer Kobs, der deutlich unter der 80-m-Marke blieb, die 2002 ebenso wie er bereits 13 europäische Rivalen überboten. Grit Breuer lief ein gutes Staffelrennen, doch ob es noch reicht zu einer Zeit um 50 Sekunden, bleibt fraglich.

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