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Leichtathletik-Kommentar : Air Otto

Ziel erreicht: Björn Otto zählt zur erlesenen Schar des Sechs-Meter-Springer Bild: dpa

Der Stabhochspringer startet im hohen Alter noch einmal zu neuen Höhenflügen: Nun ist der Gewinner der Silbermedaille von London erstmals über sechs Meter hoch gesprungen.

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          Björn Otto fliegt für Deutschland. Mit seinem Sprung von 6,01 Meter ist er so hoch hinaus gekommen, wie kein deutscher Stabhochspringer vor ihm - und in seinem Alter schon gar nicht. 34 Jahre alt ist Otto, und mit seinen Höhenflügen flankiert er mitreißend den demographischen Wandel im Lande. Wer, wenn nicht Otto ist der würdigste Vertreter der silbernen Generation?

          Bei der Hallen-Weltmeisterschaft von Istanbul im März wurde er Zweiter, bei der Europameisterschaft in Helsinki im Juni landete er auf Platz zwei, und auch von den Olympischen Spielen in London hat er die Silbermedaille mitgebracht. Je oller, je doller - Otto mag zwar Staunen und Kopfschütteln auslösen mit Resultaten, die mancher im Endspurt einer so langen Laufbahn nicht mehr erwartet hatte.

          Erster Sechs-Meter-Sprung des Jahres

          Doch der Aufschwung gebietet vor allem Respekt. Um neun Zentimeter hat Otto seine persönliche Bestleistung am Mittwochabend in Aachen gesteigert und damit als erster Stabhochspringer des Jahres sechs Meter gemeistert. Der Athlet aus Dormagen wusste, dass er reif war für dieses Niveau, das auf der ganzen Welt und im Lauf der Zeit erst achtzehn Stabhochspringer erreicht haben. Während der gesamten Saison sprach er davon, dass ihm ein solches Resultat noch fehle, und stets klang mit, dass er mit einem solchen Sprung zufrieden seine Karriere beenden könne.

          London hat die Perspektive verändert. Statt für die immer wieder hinausgeschobene Ausbildung zum Verkehrspiloten den Sport aufzugeben, wird „Air Otto“ auch im kommenden Jahr, mit 35 Jahren noch am Start sein. Das hat selbstverständlich mit seinem gestiegenen Marktwert in dieser spektakulären Disziplin zu tun: Nun geht es für den studierten Biologen darum, seine Erfolge zu versilbern.

          Otto genießt das fragile Glück

          Noch dazu hat der Mann Freude an seinem Broterwerb, der ihn in Höhen trägt, die andere nur mit dem Fahrstuhl in die dritte Etage erreichen. Otto genießt das fragile Glück des sportlichen Aufschwungs ganz besonders, seit ihn vor drei Jahren erst der Riss der einen Achillessehne an den Boden fesselte und ein Jahr drauf der Riss der anderen.

          Otto beließ es nicht beim Modell- und Gleitschirmfliegen, seinen mit Leidenschaft betriebenen Hobbys. Er kämpfte um seine Rückkehr in die Nationalmannschaft. Den schwersten Rückschlag versetzte ihm dabei nicht seine Gesundheit, sondern der Deutsche Leichtathletikverband, als er im vergangenen Jahr Ottos Qualifikation für die WM nicht anerkannte. Vermutlich hat diese Affäre Otto ganz besonders angestachelt zu hartem Training: So wollte er nicht gehen. Was für ein Senior! Otto hob ab, statt sich graue Haare wachsen zu lassen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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