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Leichtathletik : Hoffen auf den Generationswechsel

  • Aktualisiert am

Hoffnung für Athen: 400-Meter-Meister Ingo Schultz Bild: dpa/dpaweb

Bei den deutschen Meisterschaften in Braunschweig plagten sich viele Stars mit Verletzungen. Auch Wind und Wetter störten die Athleten, für Athen wird der DLV dennoch mehr als 70 Sportler nominieren.

          3 Min.

          Die deutschen Leichtathleten gehen teilweise am Stock zu den Olympischen Spielen nach Athen, dürfen aber auch auf die heilsame Wirkung eines Generationswechsels hoffen.

          Bei den 104. deutschen Meisterschaften am Wochenende in Braunschweig plagten sich viele Stars mit Verletzungen herum oder ließen das ärztliche Bulletin verkünden. Dennoch wird der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) am Mittwoch mit 77 Sportlern ein umfangreicheres Olympia-Team als vor vier Jahren nominieren.

          Größter Verlierer der letzten Ausscheidung war einer, der gar nicht antreten konnte: Nils Schumann. Zu den Lichtblicken zählte Stabhochsprung-Meister Danny Ecker, den nach zahlreichen Verletzungen viele schon abgeschrieben hatten.

          Ausklang einer großen Karriere: Heike Drechsler mußte verletzt aufgeben

          „Quantität statt Qualität“?

          Für Sydney 2000 hatte der DLV nur 74 Sportlern ein Olympia-Ticket ausgestellt, allerdings fehlte damals die Sprintstaffel der Männer. „Die Quantität lässt keine automatischen Rückschlüsse auf die Ergebnisse in Athen zu“, warnte Rüdiger Nickel, der Vizepräsident Leistungssport, vor steigenden Erwartungen. Zumal die teils spannenden Wettbewerbe nur zwei deutsche Jahres-Bestleistungen nach sich zogen. „Es gibt bis Olympia noch viel zu tun, damit so viele wie möglich ihre Saison-Bestleistung in Athen bringen“, erklärte Nickel.

          Heike Drechslers Abschiedstour endete bereits nach dem ersten Versuch (6,21 m) wegen einer Oberschenkelzerrung. Damit mußte die 39jährige Olympiasiegerin aus Karlsruhe nach dem Olympia-Traum auch den Wunsch vom zehnten nationalen Titel begraben.

          Henry und Ecker glänzen

          Dagegen trumpften die Speerwerfer groß auf: Boris Henry (Saarbrücken) gewann mit 86,36 m vor Christian Nicolay (Wattenscheid/82,77) und Peter Blank (Frankfurt/Main/82,65). Über 200 m siegte Tobias Unger (Kornwestheim) mit der deutschen Jahresbestzeit von 20,42 Sekunden.

          Danny Ecker, der Sohn von Olympiasiegerin Heide Ecker-Rosendahl, gewann den packenden Wettbewerb der Stabartisten und setzte sich vor den Höhen gleichen Lars Börgeling (beide Leverkusen) und Tim Lobinger (Köln/alle 5,70 m) durch. „Im letzten Jahr hatte ich noch den Gedanken, die Leichtathletik an den Nagel zu hängen. Und jetzt habe ich bei schlechten Bedingungen gewonnen - phänomenal“, jubelte Ecker.

          Für die Spiele muß der DLV ohne seine beiden Goldmedaillen- Gewinner von Sydney planen: Heike Drechsler hatte wegen Formschwäche bereits vergangene Woche für Athen abgesagt. 800-m-Läufer Schumann, der zwei Mal an der Achillessehne operiert worden war, erklärte am Samstag deprimiert: „Das Trainingspensum und die Intensität reichen nicht aus, um bei Olympischen Spielen an den Start zu gehen.“

          Breuer zuversichtlich

          Ein halbes Jahr nach ihrer Achillessehnenoperation kehrte Schumanns Trainingspartnerin Grit Breuer auf die Bahn zurück - allerdings nur als Mitglied der Magdeburger Sprintstaffel. Für die Vize-Europameisterin über 400 m wird der DLV beim Nationalen Olympischen Komitee (NOK) eine Ausnahmeregelung beantragen, da sie die Norm noch nicht laufen konnte. Die Staffel-Weltmeisterin von 1997 ist fest für die 4 x 400 m in Athen eingeplant. „Ich bin schmerzfrei, das ist die Hauptsache“, atmete Grit Breuer nach ihrem Test auf.

          Ein ebenfalls verletztes Trio darf mit seiner Nominierung rechnen, muß aber noch einen Gesundheits-Nachweis erbringen: Der fünffache Diskus-Weltmeister Lars Riedel (Chemnitz), der frühere Dreisprung- Weltmeister Charles Friedek und 800-m-Läuferin Claudia Gesell (beide Leverkusen).

          Kumbernuß und Keil qualifiziert

          Symbolisch für das letzte Aufbäumen einer erfolgreichen DDR-Generation stand Astrid Kumbernuß im Kugelstoßring: Immer noch angeschlagen durch eine Fußverletzung, kaum fähig zu einer vernünftigen Technik, aber mit 19,08 zum siebten Mal deutsche Meisterin. Die 34 Jahre alte Neubrandenburgerin weiß jedoch nicht, ob die Zeit bis Athen reicht. „Das wird jetzt eine ganz enge Kiste.“

          Ihre letzte Qualifikations-Chance nutzten unter anderem Hammerwerferin Susanne Keil, die im sechsten Versuch auf 67,77 m kam, die Hürdensprint-Meister Mike Fenner (Wattenscheid/13,54 Sekunden) und Kirsten Bolm (Mannheim/12,82) sowie Dreispringer Andreas Pohle (Ohrdruf/16,99). Falk Balzer (Lobenstein), der Olympia-Halbfinalist von 2000 über 110 m Hürden, zog sich beim Aufwärmen ebenso einen Achillessehnenriss zu wie Stabhochspringerin Yvonne Buschbaum aus Ludwigshafen.

          Für den einzigen Rekord der Titelkämpfe hatte zum Auftakt Melanie Seeger gesorgt. Im 5000-m-Bahngehen gewann die 27- Jährige vom SC Potsdam in 20:18,87 Minuten und drückte die alte Bestmarke von Beate Gummelt (Berlin) von 1996 (20:31,58) deutlich.

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