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Welcher Harting ist das? Robert! Aber ein bisschen steckt von beiden drin. Bild: dpa

Leichtathletik-EM in Berlin : Das letzte große Finale des Robert Harting

Extra für die EM in Berlin verlängerte der Diskus-Olympiasieger seine schmerzhafte Karriere noch einmal. Holt er noch eine Medaille? Eines ist schon vor seinem Abgang am Abend sicher.

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          Der eine will abtreten von der großen Bühne. Der andere wird gar nicht erst antreten. Christoph Harting, der Olympiasieger von Rio de Janeiro 2016, fehlt an diesem Mittwoch (20.25 Uhr in der ARD und bei Eurosport), wenn Robert Harting, sein großer Bruder und Olympiasieger von London 2012, bei der Leichtathletik-Europameisterschaft im Olympiastadion von Berlin seinen letzten großen Wettkampf bestreitet. In der Qualifikation am Dienstag war bei Christoph Harting von der Kaltschnäuzigkeit, die ihn sonst auszeichnet, nichts zu sehen. Drei Fehlversuche hatte er, „dreimal zu früh geworfen“, wie Trainer Torsten Lönnfors diagnostizierte, „ein stabiler Fehler. Ich bin sehr überrascht, dass er den nicht korrigieren konnte“. Der 27 Jahre alte Christoph Harting, im Hauptberuf Bundespolizist, nebenbei Psychologie-Student, beschrieb sich im Fernsehen ratlos als Cowboy, der nicht zum Schuss kommt: „Ich stand da mit einer Riesenwaffe, aber ohne Munition.“

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Altmeister Robert Harting, der seine schmerzhafte Karriere für die Titelkämpfe in seiner Heimatstadt um eine Saison verlängert und sein lädiertes Knie dafür nicht fitgespritzt, sondern im Gegenteil eine chronisch entzündete Sehne abgetötet hat rutschte mit 63,29 Meter als Siebter kommod ins Finale. „Es ist, als ob man auf Sandpapier wirft“, hatte der 33-Jährige nach seiner Qualifikationsrunde über die Bedingungen gesagt. „Deshalb die vielen komischen Würfe. Der Ring ist so stumpf, dass man keine Drehenergie in die Füße bekommt.“ Weltmeister Pjotr Malachowski, sein alter Rivale aus Polen, schied wie in der zweiten Gruppe Christoph Harting ohne einen gültigen Versuch aus. Daniel Jasinski aus Wattenscheid, Olympia-Dritter von Rio, konnte sich mit 60,10 Metern ebenfalls nicht qualifizieren.

          Das Ausscheiden von Christoph Harting wirkt, als wollte er die Schlagzeilen der vergangenen Tage bestätigen. „Rational betrachtet, bedeutet mir eine EM gar nichts“, war er aus einem Interview mit der „Berliner Morgenpost“ zitiert worden. „Für mich zählen nur Olympische Spiele. Wir haben in diesem Jahr angefangen, uns langfristig auf Tokio 2020 vorzubereiten.“ Im selben Gespräch hatte er allerdings auch gesagt, dass die EM emotional betrachtet der nächste Höhepunkt der Leichtathletik in seiner Heimatstadt sei. Auf die Frage, ob er nun womöglich einen neuen Blick auf die Weltmeisterschaft des nächsten Jahres habe, Titelkämpfe, auf die er zugunsten der Olympia-Vorbereitung 2020 verzichten will, brach er das Gespräch mit den Journalisten im Olympiastadion ab. „Vielen Dank“, sagte er und ging davon.

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