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Leichtathletik-EM in Berlin : Das letzte große Finale des Robert Harting

Ob Christoph Harting in Doha antritt oder nicht – die letzte Chance auf ein Duell der Brüder bei einer großen Meisterschaft ist verpasst. Noch sechs Würfe Robert Hartings an diesem Abend, weitere sechs beim Istaf am 2. September und das wird es gewesen sein mit dieser bemerkenswerten sportlichen Laufbahn. Bei der Weltmeisterschaft von London im vergangenen Jahr fehlte Christoph, weil er sich nicht hatte qualifizieren können. Auf die Europameisterschaft 2016 in Amsterdam, bei der Christoph Vierter wurde, hatte Robert verzichtet. Bei den Olympischen Spielen von Rio wenige Wochen später schied Robert in der Qualifikation aus, weil er, im Olympischen Dorf im Bett liegend, das Licht mit dem Fuß ausgeschaltet und sich dabei einen Hexenschuss zugezogen hatte. In Anspielung auf die kuriose Verletzung erzählte Robert nun, dass er nun mit einer Bohle unter der Matratze des Hotelbetts schlafe. „Wenn ich zu weich liege, wache ich nachts mit brennenden Sehnen auf, weil ich so durchhänge“, erzählte er. „Ich habe ein Bettbrett.“

Die beiden Brüder teilten sich vor Jahr und Tag noch das Kinderzimmer in Cottbus; dann ging zuerst Robert an die Eliteschule Sport in Berlin. Christoph folgte ihm und schloss sich der Trainingsgruppe seines Bruders an. Vor etwa drei Jahren zerbrach ihr Verhältnis. Nun behaupten sie, nicht zerstritten zu sein, sondern einfach kein Verhältnis zueinander zu haben; sie sprechen nicht miteinander und schon gar nicht übereinander – auch, um ihre Eltern zu schonen.

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Leichtathletik-EM 2018 : Die deutschen Hoffnungen von Berlin

Als ihr Verhältnis noch ungetrübt war, pries Robert gern die überlegenen körperlichen Voraussetzungen seines kleinen Bruders, der mit 2,07 Metern sechs Zentimeter länger ist und neben dem er, Robert, wie ein T-Rex wirke, mächtig mit kurzen Armen. Das machte den Unterschied in der Haltung umso deutlicher. Christoph Harting sagt, er sei lediglich Diskuswerfer, weil er Erfolg habe und sich und seine Familie so ernähren könne. Das sei seine Arbeit, mache glücklicherweise Spaß, das sei es aber auch. Robert verfolgt seinen Sport, wie sich am Mittwoch bis zur letzten Sekunde zeigen wird, mit Leidenschaft. Sieg oder Niederlage, Erfolg oder Scheitern sind für ihn elementar. Er hat sein Glück gemacht mit dem Diskuswerfen.

In die Herzen des Publikums und nicht zuletzt der Sportler in der Nationalmannschaft der Leichtathleten wie der Olympiamannschaften Deutschlands hat er sich mit seinem furchtlosen Engagement gebracht. Er klagte über dopende Russen und die korrupte Führung des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF), bevor deren Manipulationen aufflogen, und kämpfte vergeblich gegen das Anti-Doping-Gesetz. Er attackierte Thomas Bach, den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, wegen dessen mangelnden Engagements gegen Doping, und er war dabei, als zur Unterstützung der Athleten eine Lotterie gegründet wurde. Seit er forderte, aus der Auswahl für den „Leichtathleten des Jahres“ gestrichen zu werden, da auch des Dopings überführte Sportler auf der Liste standen, schließt die IAAF solche Kandidaten von der Wahl aus.

In Berlin zählt für ihn, zunächst, nur das Hier und Jetzt. „Ich bin in der Verfassung, einen guten Wettkampf zu machen, ohne zu überlegen, was war und was kommen wird“, sagte er am Dienstag im Olympiastadion. „Es war aufbauend, am Morgen hier reinzukommen. Sonst ist man immer nervös, aber hier kommt eine Glücksebene dazu. Ich hoffe, das hilft, am Mittwoch ein, zwei Meter weiter zu werfen.“ Gut möglich, dass Robert Harting am Mittwochabend nur um die Bronzemedaille kämpfen wird. Er wird das so leidenschaftlich tun wie immer.

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