https://www.faz.net/-gtl-9d2kk

Leichtathletik-EM in Berlin : Olympiasieger Christoph Harting scheidet schon aus

  • Aktualisiert am

Christoph Harting leistet sich drei Fehlversuche – das Aus. Bild: dpa

Die Leichtathletik-EM beginnt mit Überraschungen. In Berlin scheidet Christoph Harting im Diskuswurf früh aus. Sein Bruder macht es besser. Auch im Zehnkampf leidet der Topfavorit.

          3 Min.

          Verhaltene Freude bei Diskus-Ass Robert Harting, große Enttäuschung für Bruder Christoph. Der Routinier kann bei seiner letzten Leichtathletik-Europameisterschaft noch einmal um eine Medaille kämpfen. 63,29 Meter reichten Robert Harting am Dienstagvormittag im Berliner Olympiastadion dafür - in seinem Wohnzimmer wird der 33-Jährige am Mittwochabend im Finale (20.20 Uhr) noch einmal wie ein Star gefeiert. Beim Berliner Istaf will sich der dreimalige Weltmeister und zweimalige Europameister am 2. September mit dem letzten Wurf von seinen Fans verabschieden.

          Christoph Harting konnte kaum begreifen, dass er raus war - nach drei Fehlversuchen in der Quali war EM-Schluss für ihn. „Ich kann es mir selbst noch nicht erklären“, sagte der 28 Jahre alte Berliner. Mit einer dezenten Verbeugung und schelmischem Grinsen verabschiedete sich der Rio-Olympiasieger von den Zuschauern. „Er hat dreimal denselben Fehler gemacht, dreimal ins Netz. Das ist jetzt erst mal ein kleiner Schock“, sagte sein Trainer Torsten Lönnfors und prophezeite: „Vermutlich wird hier kein Deutscher im Diskuswurf eine Medaille holen.“

          Zeitplan der Leichtathletik-EM 2018 in Berlin

          Robert Harting hat diesen Traum aber noch nicht aufgegeben, obwohl er mit der Probe nicht zufrieden war. „Die Würfe waren alle ein bisschen zu brav, ein bisschen zu viel wie ein Trainingswurf. Und dann ist es schwer, den Schalter noch umzulegen“, erklärte der Publikumsliebling. Dabei war Harting früh auf und guter Dinge. „Ich habe meinen Wecker auf 6.01 Uhr gestellt, punkt 6.00 Uhr war mir zu früh“, scherzte der Schützling von Trainer Marko Badura. Und er hat sich ein Brett ins Bett gelegt, um nicht zu weich zu liegen und den Rücken zu entlasten.

          „Klar war ich auch nervös“, gab der gebürtige Lausitzer zu. Erst 62,69 Meter, dann 63,29 - als sein Diskus beim dritten Versuch im Wurfkäfig hängen blieb, hielt sich Harting enttäuscht die Hände vors Gesicht. „Ich hoffe, ich hab’ noch eine Idee fürs Finale.“ Der Druck mit dem Diskus sei da, „ich kann locker über 65 Meter werfen“. Genau 64 Meter hätten wir die direkte Qualifikation schon gereicht, richtig zittern musste der Altstar aber nicht mehr. Robert Harting geht nun als siebtbester Werfer am Mittwochabend in sein letztes großes Finale. Der Olympia-Dritte Daniel Jasinski (Wattenscheid) verpasste dagegen mit schwachen 60,10 Metern den Kampf um die Medaillen.

          In der Hitze erreichte Carl Dohmann das beste Ergebnis für deutsche Geher über 50 Kilometer bei einer Leichtathletik-EM seit der Wiedervereinigung. Der 28-Jährige von der SCL-Heel Baden-Baden kam am Dienstag bei der ersten Entscheidung in 3:50,27 Stunden auf einen starken fünften Platz. Auch Nathaniel Seiler lieferte als Achter bei Temperaturen von mehr als 30 Grad im Schatten eine gute Leistung. Der dritte deutsche Starter Karl Junghannß wurde in der Spitzengruppe liegend nach 24 Kilometern wegen unsauberer Technik disqualifiziert. Das Premieren-Gold der EM von Berlin sicherte sich der Ukrainer Marjan Sakalnyzki.

          Eine Überraschung gab es im Zehnkampf. Weltmeister und Topfavorit Kévin Mayer aus Frankreich ist nach drei ungültigen Versuchen im Weitsprung aus dem Medaillen-Rennen. Der 26 Jahre alte Olympia-Zweite hatte in diesem Jahr noch keinen kompletten Zehnkampf bestritten und scheiterte offensichtlich an seinen technischen Schwierigkeiten. Offen war am Dienstag im Olympiastadion von Berlin, ob Mayer den Wettkampf fortsetzt. Das gleiche Schicksal ereilte Mathias Brugger. Der Ulmer konnte ebenfalls keine gültige Weite vorweisen. Die weiteren deutschen Starter Arthur Abele (Ulm) und Niklas Kaul (Mainz) sind noch im Wettbewerb.

          Als Titelverteidigerin Christina Schwanitz dagegen souverän ins EM-Finale der Kugelstoßerinnen einzog, waren auch ihre beiden „Krümel“ live im Olympiastadion mit dabei. „Es ging nicht anders. Aus dem Freundes- und Bekanntenkreis war keiner mehr da, der gesagt hat, ich nehme die Kinder auf. Deshalb sind die beiden hier mit dem Papa“, sagte Schwanitz über ihre Zwillinge, die sie liebevoll Krümel nennt. Ungeachtet der Babysitter-Probleme untermauerte die frühere Weltmeisterin am Dienstagmorgen in Berlin mit Platz eins in der Qualifikation (18,83 Meter) ihren Anspruch auf Gold. Am Mittwoch im Finale (20.09 Uhr) will sich die junge Mutter nun zum dritten Mal in Folge zur Europameisterin krönen.

          „Ich war ja hier zum Arbeiten. Ich mache meinen Job, dafür bin ich ja hier“, sagte sie. Auch Alina Kenzel (Waiblingen/17,46) und Sara Gambetta (Halle/17,23) qualifizierten sich direkt für das Finale. Kenzel war nach der Qualifikation Siebte, Gambetta landete auf Rang elf. „Keine supertolle Leistung, aber es hat gereicht. Damit ist es okay“, sagte Schwanitz nach ihrem Auftritt. Auf die Frage, ob sie sich nun als Favoritin sehe, meinte die 32-Jährige: „Ich denke schon. Das Problem ist nur, wenn man gejagt wird, ist es schwieriger, als wenn man selber jagt.“

          Schwanitz war gehandicapt in den Wettbewerb gegangen, nachdem sie vor zwei Wochen auf dem Weg ins Aktuelle Sportstudio in einen Autounfall verwickelt war. Vor allem eine Gehirnerschütterung und ein Schleudertrauma machten ihr zu schaffen. „Es ist okay“, sagte Schwanitz über ihre Verletzungen. „Ich muss den Daumen noch tapen. Ansonsten bin ich einsatzfähig.“ Bei ihrem Versuch sah sie noch Luft nach oben. „Ich werde jetzt noch mal mit dem Trainer reden, der wird nicht so begeistert sein von meiner Technik, aber das geht schon“, sagte Schwanitz. Bei den deutschen Meisterschaften vor zwei Wochen in Nürnberg hatte sie erstmals seit der Geburt ihrer Zwillinge und der anschließenden Babypause über 20 Meter gestoßen. Nun sieht es ganz danach aus, als sollte das Comeback mit einer EM-Medaille gekrönt werden.

          Robert Harting machte es in Berlin besser.

          Weitere Themen

          München in Not

          Frust beim Eishockey-Topklub : München in Not

          Eine solche Dominanz hat die DEL in ihren 25 Jahren noch nicht erlebt. Doch auch wenn der EHC weiter an der Spitze der deutschen Eishockey-Liga steht: Die alte Souveränität ist dahin. Das Problem der Münchener ist offensichtlich.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.