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Leichtathletik-EM : Arthur Abele krönt sich zum König von Berlin

  • -Aktualisiert am

Der König von Berlin: Arthur Abele ist neuer Europameister im Zehnkampf Bild: EPA

Arthur Abele gewinnt bei der Leichtathletik-EM in Berlin die erste deutsche Goldmedaille und kürt sich zum ältesten Zehnkampf-Europameister der Geschichte. Zwei andere Deutsche gewinnen derweil Silber. Und Robert Harting sorgt für große Emotionen.

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          Beim großen Abschiedsabend für Robert Harting im Berliner Olympiastadion haben sich die deutschen Leichtathleten keineswegs damit begnügt, nur das Begleitprogramm für den langjährigen Dominator des Diskusrings zu liefern. Im Gegenteil: gleich drei seiner Teamkollegen präsentierten sich in so bestechender Form, dass sie dem alten Harting sogar ein bisschen die Show stahlen, zumindest in sportlicher Hinsicht. Drei Medaillengewinner an einem Abend, darunter ein völlig unerwartete Europameister im Zehnkampf: mit einer solch Ausbeute war nun wirklich nicht zu rechnen. Arthur Abele darf sich zumindest als Europas neuer König der Athleten fühlen.

          Christina Schwanitz gewann als „junge Zwillingsmutter“, wie sie sich seit ihrer Rückkehr aus der Babypause nennt, die Silbermedaille im Kugelstoßen. Und auch Fabian Heinle steuerte Silber im Weitsprung bei. Nicht zu vergessen: ein sensationelles EM-Debüt von Zehnkämpfer Niklas Kaul, der Vierter wurde, genau wie 10.000-Meter-Läuferin Alina Reh. Daztu gab es den überzeugenden fünften Rang von Kugelstoßerin Sara Gambetta.

          Die Faszination der Leichtathletik

          Abele gab die Richtung vor im Vorabendprogramm. Mit einem Hieb auf 68,10 Meter im Speerwerfen schaffte der Linkshänder die größte Weite der Konkurrenz. Und setzte sich damit an die Spitze der Bewegung vor dem abschließenden 1500-Meter-Lauf zum Ende des Abends. Dann übernahm Fabian Heinle das Staffelholz. Der 24-Jährige, wie Abele ein Schwabe, wuchs im zweiten Durchgang über sich hinaus, sprang mit 8,13 Metern Saisonbestleistung und übernahm die Führung im Weitsprung-Wettbewerb.

          Eine Viertelstunde später betrat in der gegenüber liegenden Kurve Christina Schwanitz zum ersten Mal die Arena: die zweimalige Europameisterin aus dem Erzgebirge setzte gleich mal eine Marke: 19,19 Meter ist für die Weltmeisterin von 2015 zwar keine Sensation – aber es reichte, um sogleich die Führung zu übernehmen.

          Den optischen Gegensatz boten gleich danach die 10.000-Meter-Läuferinnen, die gegen halb neun die Bühne zu ihrem Finale antraten und für eine gute halbe Stunde über die blaue Bahn kreisten. 26 Leichtgewichte, darunter mit Alina Reh eine aussichtsreiche Deutsche. An Tagen wie diesen, wenn sich die Ereignisse an den verschiedenen Brennpunkten innerhalb des Stadions überschlagen, vermag die Leichtathletik ihre Faszination voll auszuspielen – allerdings hat es der Zuschauer bisweilen auch schwer, den Überblick zu behalten. Weitspringer Heinle musste die Führung an den Ukrainer Serhii Nykyforow abgeben, der zwar ebenfalls 8,13 Meter sprang, aber eine größere zweite Weite anzubieten hatte. Dann sorgte Miltiadis Tentoglou für klare Verhältnisse. 8,25 Meter: Gold für den Griechen. Doch auch Heinle hatte noch eine Pointe anzubieten. Der 24-Jährige setzte seinen letzten Versuch abermals auf 8,13 Meter – und schob sich wegen der nun besseren zweiten Weite wieder auf den Silberrang.

          Auch im Kugelstoßring änderte sich im letzten Durchgang noch einmal die Reihenfolge: Die Polin Paulina Guba stieß die Kugel im letzten Versuch auf 19,33 Meter und verdarb Christina Schwanitz ein wenig die Party. Sie konnte nicht mehr kontern. Auch sie holte Silber, wusste aber nicht so genau, wie sie es einzuordnen hatte: „Auf der einen Seite: Wenn man weiterstoßen kann, und das nicht abrufen kann, ist das ärgerlich. Auf der anderen Seite: Wenn man gerade Zwillingsmama geworden ist, ist Silber ein tolles Ergebnis.“

          Der 10.000-Meter-Lauf entwickelte sich unterdessen zu einer verwirrenden Veranstaltung. Das Feld fiel in etliche Grüppchen auseinander, Überrundende und Überrundete mischten sich wild durcheinander. Auch Alina Reh musste die Spitzengruppe ziehen lassen, lief aber ein cooles Rennen und freute sich nach 32:28,48 Minuten über ihren guten vierten Rang.

          Aus und vorbei: Robert Harting verpasst bei seinem letzten großen Auftritt eine EM-Medaille. Bilderstrecke

          Und das Beste kam zum Schluss. Während Robert Harting auf seiner letzten Ehrenrunde die Ovationen des Publikums entgegen nahm, rannte Arthur Abele von der Spitze weg im 1500-Meter dem Zehnkampf-Gold entgegen. Flankiert vom jugendlichen Überflieger Niklas Kaul, getragen von 37.125 enthusiastischen Zuschauern. Angefeuert auch von Harting, der den beiden seine besten Wünsche hinterherrief. Auf den letzten Metern fiel Abele zwar zurück, nicht aber in der Gesamtwertung. Mit 8431 Punkten holte der 32-Jährige Gold. Mehrere Jahre seiner Karriere hatte er verletzungsbedingt aussetzen müssen, und zeigte er sich trotz seiner Krone auf dem Kopf im Ziel „völlig fassungslos“ über seine späte Belohnung. Sein zwölf Jahre jüngerer Teamkollege Niklas Kaul, vor Wochenfrist erst nachnominiert, steigerte sich auf 8220 Punkte und wurde sensationell Vierter. Die Stadionregie spielte „Heroes“ von David Bowie, als die Zehnkämpfer sich der Tradition folgend gemeinsam auf die Ehrenrunde schleppen. Das Lied, dass auch in London stets für die Olympiasieger gespielt wurde – auch für Robert Harting.

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