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Leichtathletik-EM : Ladies Night in Berlin

  • -Aktualisiert am

Christin Hussong setzt die deutsche Serie im Speerwurf fort. Bild: AFP

Die deutschen Frauen feiern im Berliner Olympiastadion: Christin Hussong gewinnt die dritte Goldmedaille, eine Teamkollegin setzt eine beeindruckende Serie für die deutsche Mannschaft fort.

          Am vierten Finalabend bei den Leichtathletik-Europameisterschaften haben gleich vier deutsche Sportlerinnen die 48.457 Zuschauer immer wieder von den Sitzen gerissen und vier weitere Medaillen für das deutsche Team gewonnen, darunter eine Goldene. Speerwerferin Christin Hussong wurde mit einem unglaublichen Hieb gleich im ersten Versuch neue Europameisterin, Dreispringerin Kristin Gierisch sprang zu Silber. Hochspringerin Marie-Laurence Jungfleisch gewann nach langer Führung schließlich Bronze, ebenso wie Siebenkämpferin Carolin Schäfer. Knapp 50.000 Zuschauer bedeuteten die bislang größte Kulisse bei dieser EM, dafür waren die Temperaturen nach der Hitze der Vortage auf nur noch gut 20 Grad abgekühlt. Doch weder Stimmung noch Leistungen litten darunter.

          Es war nicht nur eine persönliche Bestmarke, sondern auch EM-Rekord und europäische Jahresbestleistung, die Christin Hussong gleich mit dem ersten Wurf vorlegte: Mit einem außergewöhnlichen Versuch auf 67,90 Meter schockte die 24-Jährige die Konkurrenz und sorgte für einen Begeisterungsschrei auf den Rängen. Hussong legte nicht weniger als sechs Meter zwischen sich und den Rest des Feldes – und daran änderte sich an diesem Abend auch nichts mehr. Nikola Ogrodnikova aus Tschechien gewann mit 61,85 Metern Silber, die Litauerin Liveta Jasiunaite (61,59) holte Bronze. Hussong hätte auch mit ihren zweiten Wurf auf 62,53 Meter den Wettbewerb gewonnen. Nach ihrem abschließenden Versuch schlug sie die Hände vors Gesicht und ging in die Knie. Die deutsche Meisterin aus Zweibrücken, die bislang noch keine internationalen Medaillen vorweisen konnte, setzte mit ihrem EM-Titel die imposante Serie deutscher Erfolge im Speerwerfen fort. Schon in der Qualifikation hatte sie die größte Weite vorgelegt.

          Einen ähnlichen Wettkampfplan wie Christin Hussong verfolgte die Dreispringerin Kristin Gierisch. Auch sie legte alles in den ersten Versuch und erreichte auf Anhieb persönliche Bestmarke: 14,45 Meter. Die 27-Jährige zeigte ihre Freude mit einer lustigen Jubelpose – mit ausgestreckten Händen und einem anschließenden Kniehebelauf. Die Chemnitzerin war im vergangenen Jahr schon Hallen-Europameisterin. Nun durfte sie sich über ihre erste unter freiem Himmel errungene Medaille erfreuen. Da die Griechin Paraskevi Papahristou aber 14,60 Meter in den Sand setzte, gewann Gierisch Silber. Ana Peletreiro aus Spanien kam ihr im letzten Versuch auf 14,44 Meter zwar bis auf einen Zentimeter heran, aber eben nicht vorbei. Studenten-Weltmeisterin Neele Eckhardt aus Göttingen schaffte 14,01 Meter und belegte Rang zehn.

          Kristin Gierisch jubelt über ihre Silbermedaille im Dreisprung.

          Auch Marie-Laurence Jungfleisch aus Stuttgart gewann wie Hussong ihre erste internationale Medaille, sie hatte allerdings eine andere Farbe. Die 27 Jahre alte Hochspringerin zeigte eine sehr souveräne Serie, nahm alle Höhen bis 1,96 Meter jeweils im ersten Versuch und schien sogar auf Goldkurs. Erst bei 1,98 Meter, nahe an ihrer Bestleistung von zwei Metern, geriet sie ins Straucheln. Nach zwei ungültigen Versuchen kam sie im dritten Versuch mit dem Anlauf nicht klar, lief noch einmal zurück und sah wegen Zeitüberschreitung die Rote Fahne. Kurz sah es noch nach Silber für die Stuttgarterin aus, doch Mirela Demireva aus Bulgarien, die gleich zwei Höhen ausgelassen hatte, meisterte im dritten Versuch zwei Meter. Gold ging an die Russin Mariya Lasitskene, die ebenfalls zwei Meter sprang, aber weniger Fehlversuche aufwies. Imke Onnen (Hannover) schaffte schon ihre Anfangshöhe von 1,82 Meter erst im dritten Versuch und belegte nur den 14. Platz.

          Dicke Kopfhörer und verspiegelte Sonnenbrille: Betont lässig schottete sich Siebenkämpferin Carolin Schäfer vor dem abschließenden 800-Meter-Lauf ab. Doch auf der blauen Bahn zeigte sie dann ihr gewohntes Kämpferherz. Die WM-Zweite aus Frankfurt sicherte sich im Siebenkampf der Damen mit 6602 Punkten die Bronzemedaille. Die einmal mehr überragende Olympiasiegerin Nafissatou Thiam gewann nach WM-Gold nun auch den EM-Titel.

          Marie-Laurence Jungfleisch im Hochsprung-Finale

          Die Belgierin siegte mit 6816 Punkten vor der Britin Katarina Johnson-Thompson (6759). Die Saarländerin Louisa Grauvogel und Mareike Arndt (Leverkusen) konnten wegen eines Verkehrsunfalls bei der zwischenzeitlichen Fahrt nach der sechsten Disziplin ins Hotel den Wettkampf nicht beenden. Nach Aussage des Ärzteteams erlitten beide aber weder schwerwiegende noch nachhaltige Verletzungen. „Das Wichtigste ist jetzt, dass sie bald wieder gesund werden“, sagte Idriss Gonschinska, Chef-Bundestrainer beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV).

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