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Kugelstoßer Storl bei EM : Heavy Metal – mit Booster

Kugelstoßer David Storl will bei der Leichathletik-EM vorne mitmischen. Bild: dpa

Eine langwierige Verletzung hat David Storl lange gebremst. Jetzt hat der frühere Kugelstoß-Weltmeister wieder seine volle Bewegungsfreiheit im Ring und gehört bei der EM zu den Favoriten.

          Ist es ein kleiner Freudensprung, als den man die allerletzte Bewegung von David Storl beim Kugelstoßen betrachten muss. Da ist er durch den Ring geglitten und mit dem linken Fuß an die hölzerne Begrenzung gestoßen, ist aus seiner tiefen einbeinigen Hocke hochgeschnellt und just dabei, die mehr als sieben Kilo schwere Eisenkugel in ihre hohe Flugkurve zu katapultieren. Da wechselt er, wie ein Tänzer, der von der Bewegung mitgerissen wird, in einer eleganten, kraftvollen Drehung den rechten Fuß von hinten nach vorn.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Endlich springe er wieder um, sagt David Storl im Trainingslager Kienbaum; endlich bestehe Kugelstoßen für ihn wieder aus der vollständigen Bewegung. Der Riese von fast zwei Meter Größe und gut 120 Kilo Gewicht strahlt die Zufriedenheit eines Menschen aus, der tut, was er am besten kann, und der weiß, dass er das sehr gut kann. „Das große Ziel ist Gold“, sagt er. Die Ansage hat durchaus einen Horizont. Im nächsten Jahr sind Weltmeisterschaften in Doha am Persischen Golf, im Jahr darauf finden in Tokio die Olympischen Spiele statt.

          Zunächst aber beginnt an diesem Montag mit der Qualifikation (17.35 Uhr in der ARD) die Leichtathletik-Europameisterschaft in Berlin. Für Storl, 28 Jahre alt und schon zweimal Weltmeister sowie dreimal Europameister, haben die Veranstalter ein kleines Stadion mit 3000 Sitzplätze zwischen Europa-Center und Gedächtniskirche gebaut. Hier müssen sich er und diejenigen Konkurrenten qualifizieren, die am Dienstagabend im Olympiastadion um die Medaillen kämpfen. Der Auftritt von Storl im Zentrum der City West ist der Paukenschlag, mit dem die Veranstaltung beginnt: Heavy Metal für die Titelkämpfe.

          Bilderstrecke

          In den letzten Jahren wirkte Storl wie auf verlorenem Posten in der Disziplin, für die er geboren schien. 2011 in Daegu in Südkorea wurde der Sachse aus Rochlitz an der Mulde mit gerade 21 Jahren jüngster Kugelstoß-Weltmeister der Sportgeschichte. Das war nicht mal eine Überraschung, sondern die Fortsetzung einer jahrelangen Überlegenheit. Mit siebzehn war er Jugend-Weltmeister geworden, mit achtzehn gewann er den Titel bei den Junioren. Wettkämpfe gegen Gleichaltrige gewann er meist mit mehreren Metern Vorsprung. Seinen Status als Jahrhunderttalent belegte er, als er (mit der 6-Kilo-Kugel) als erster Junior 22 Meter übertraf – mehrmals. Der einzige Erfolg, der Storl bis heute fehlt, ist der Olympiasieg. So nahe wie er in London 2012 dran war, mit gerade 22, kommt kaum jemand einer olympischen Goldmedaille. Storl stieß 21,86 Meter, so weit wie nie zuvor – und der Pole Tomasz Majewski übertraf ihn mit 21,89; zwei Fingerbreit, drei Zentimeter.

          Zeitplan der Leichtathletik-EM 2018 in Berlin

          Den ersten Höhepunkt seiner Karriere erreichte Storl vor drei Jahren beim Diamond-League-Sportfest in Lausanne. 22,20 Meter stieß er die Kugel. Bis heute ist das seine Bestleistung. Wenige Wochen später, bei der Weltmeisterschaft von Peking 2015, musste er sich mit 21,74 Meter dem Amerikaner Joe Kovacs geschlagen geben. Seitdem ist er durch ein tiefes Tal gegangen. Eine chronische Knieentzündung und erfolglose Operationen verursachten solche Schmerzen, dass Storl seine Bewegung reduzierte und auf das Umspringen verzichtete – den Booster, der die Kugel ein paar Zentimeter weiter fliegen ließ. So schmerzhaft war die Verletzung, dass Storl sogar vom Aufhören sprach.

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