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Kugelstoßer David Storl : Der Chef im Ring

Storls Erfolgsrezept: „Mittagessen, Mittagsschlaf, Kaffee und Kuchen“ Bild: AFP

Schmerz lass’ nach: Mit vollem Einsatz wird David Storl in Zürich wieder Europameister im Kugelstoßen. Die Gegner hat er im Griff – nur an der 22-Meter-Marke scheitert er.

          Gold musste ihm genügen. Kugelstoß-Weltmeister David Storl hat zum Auftakt der Leichtathletik-Europameisterschaft in Zürich seinen Titel erfolgreich verteidigt und den ersten Sieg der deutschen Mannschaft geschafft. Doch deutlich sah man dem Athleten aus Chemnitz an, wie enttäuscht er davon war, nicht auch noch die 22-Meter-Marke übertroffen zu haben, erstmals in seiner Karriere. Just dieses Ziel, seine Bestleistung von 21,97 Meter um mindestens drei Zentimeter zu übertreffen, hatte Storl vor den Titelkämpfen als noch wichtiger bezeichnet als den Gewinn der Goldmedaille. Dann musste er realisieren, dass am allerwichtigsten Gesundheit und körperliche Unversehrtheit sind.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Diese riskierte Storl, weil er mit dem Ergebnis seines ersten Versuchs, der Siegweite von 21,41 Meter, nicht recht zufrieden war. Dabei hatte er mit diesem ersten Stoß alle Leistungen seiner europäischen Konkurrenten in diesem Jahr deutlich übertroffen und den Spanier Borja Vivas sowie den zweimaligen Olympiasieger Tomasz Majewski aus Polen um mehr als einen halben Meter hinter sich gelassen. Es war seine Überlegenheit, die ihn übermütig machte. „Das war auch der Tatsache geschuldet, dass es ein wenig einsam war an der Spitze“, sagte Storl ironisch. Ein Spitzenathlet, den zumindest in Europa nur noch er selbst herausfordern kann.

          Storl änderte seine Technik im dritten Versuch und sprang am Ende seines Stoßes erstmals seit Monaten um; das ist eine abrupte Beinbewegung, die den Schwung des Stoßes verstärken soll. Seit mehr als einem halben Jahr hatte Storl in Training und Wettkampf darauf verzichtet und aus dem Stütz gestoßen, um die entzündete und schmerzende Patellasehne im linken Knie zu schonen. Nach der Saison wird er sich dort einem chirurgischen Eingriff unterziehen müssen.

          Erfolgreicher Griff nach Gold: David Storl ist und bleibt Europameister im Kugelstoßen

          Nun raubte der plötzliche Schlag im Knie Storl den Atem, der Stoß war ungültig, sein erster Wettbewerb im Stadion Letzigrund von da an eine Qual für den Sachsen. „Ich wollte nach dem ersten Stoß noch was draufpacken und habe dadurch total die Linie verloren“, sagte er. „Das war der alte Fehler, dass ich es überhaupt versucht habe. Nun zwickt und zieht es ein bisschen.“

          „Er versucht es mit der Brechstange“

          Welches Risiko er eingegangen war, zeigte er dadurch, dass er sich – Schmerz lass’ nach – während des Wettkampfs auf eine Matte legte. Seine Schonhaltung bei den letzten Versuchen begründete er damit, dass er seine Gesundheit auch für die nächsten Jahre bewahren müsse. Stets hatte Storl in den vergangenen Jahren seine Bestleistung bei den großen Meisterschaften erzielt: als er in Daegu (Südkorea) und Moskau Weltmeister wurde, als er in London die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen gewann, als er in Helsinki zum ersten Mal Europameister wurde. Die Enttäuschung schwand erst aus seinem Gesicht, als seine Lebensgefährtin ihn auf der Tribüne in die Arme schloss.

          „Er versucht es mit der Brechstange“, hatte sein Trainer Sven Lang auf der Tribüne den dritten Versuch Storls kritisiert. Seinem Rat, auf weitere Experimente zu verzichten und den Wettbewerb mit Stößen aus dem Stütz solide, aber ohne Triumph zu Ende zu bringen, folgte der lädierte Athlet. Er ließ Stöße von 20,75 Meter und 20,98 Meter folgen.

          Mit Kaffee und Kuchen zum Titel

          Wie gewiss Storl sich seiner Sache war, zeigte der 24 Jahre alte Beamte der Bundespolizei in und nach der Qualifikation am Vormittag. Im ersten Versuch stieß er 20,76 Meter und nahm den Bus ins Mannschaftsquartier am Flughafen. Es galt, sich mit einem Mittagessen zu stärken und mit einem Mittagsschläfchen zu erfrischen. Nach Kaffee und Kuchen war er dann bereit für den Titel.

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