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Im Gespräch: Li Ning : „Wir wollen unsere Kultur nach Europa transportieren“

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Es hat Sie bestimmt einiges gekostet, dass ein Star wie Isinbajewa auf Ihre Marke umsteigt?

Billig ist sie nicht, das ist richtig. Aber sie ist es definitiv wert für uns. Ich hoffe, mehr und mehr Europäer werden ihrem Vorbild folgen, und unsere Kleidung und Schuhe tragen.

Warum sollten europäische Kunden denn zu chinesischen Marken wechseln?

Wir leben in einer sich verändernden Welt. Der chinesische Markt hat sich auch geändert, geöffnet. Wir möchten ein Teil dieser Veränderung sein und hoffen, dass wir unsere Kultur auch nach Europa transportieren können. Lasst den Wandel Wirklichkeit werden.

Aber glauben Sie denn, dass Bedarf besteht?

Europa hat eine lange Sporttradition. Nun wollen wir diesem Markt unsere Sicht des Sports mitteilen. Es wird sicherlich Zeit brauchen, bis die Konsumenten unsere Kleidung annehmen. Für Europa sind wir eine neue Marke. Deshalb werden wir Schritt für Schritt vorgehen. Wir haben uns drei bis fünf Jahre Zeit gegeben. Die „L-Fashion-Group“ ist erfahren, was Verkauf und Vermarktung angeht.

Vorbereitung auf London: Li (l.) durfte am 17. Mai die olympische Flamme entzünden

Wie soll die Zusammenarbeit aussehen?

Produziert wird in China, wir haben dort etwa 4000 Mitarbeiter. Und die Europäer übernehmen das Produkt-Design und die Vermarktung.

Zielen Sie langfristig auch auf den amerikanischen Markt?

Amerika ist auch interessant für uns, aber dort verfolgen wir eine andere Strategie. In Amerika zielen wir nur auf eine Sportart: Basketball. Und vertreiben das alles übers Internet. In Europa wollen wir in die Läden.

Warum haben Sie nach Ihrer Karriere überhaupt ein Unternehmen gegründet?

In den späten achtziger Jahren dachte ich, ich sollte etwas mit Sport machen. Ich gründete die Firma und hoffte, dass es klappt.

Und warum Sportbekleidung?

Als Athlet wollte ich immer wissen, wie die Trikots meinen Körper beim Turnen unterstützen, ausbalancieren könnten. Diese Idee forcierten wir dann als Unternehmen. Unsere Philosophie ist, dass wir uns einerseits herausfordern müssen, unsere Grenzen erkennen, andererseits aber auch im Gleichgewicht leben sollten.

Besser werden, aber zugleich in Harmonie leben?

Genau. Die Produkte sollen richtig passen. Wobei für den europäischen Markt hinzukommt, dass die Sachen auch noch schön oder ein bisschen verrückt aussehen müssen. Der Sportler soll sie auch gerne betrachten. Als ich ein Athlet war, habe ich sehr viel Unterstützung und Anfeuerung vom europäischen Publikum erhalten. Jetzt hoffe ich, dass die Leute auch meine Produkte mögen.

Sie sind einmal mit dem Slogan „anything is possible“ angetreten. Ist wirklich alles möglich?

Ja, ich glaube schon. Als ich ein kleiner Junge war, und die Leistungen der großen Athleten sah, da hatte ich den Traum, einmal China als Turner repräsentieren zu können. Dieser Traum wurde Wirklichkeit. Dann gründete ich vor zwanzig Jahren mein Unternehmen mit ein paar Leuten. Heute habe ich 7000 Läden in China. Wir sind eine der größten Sport-Companys in ganz China. Das ist auch ein Traum. Als Athlet und Unternehmer habe ich meine Ziele verfolgt, ich glaube, Träume können Wirklichkeit werden. Ja, alles ist möglich.

Das Gespräch führte Achim Dreis.
 

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