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Läuferin Gesa Felicitas Krause : „Bist du wieder im Urlaub?“

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Und das nicht etwa dank eines glorreichen Sieges, sondern wegen eines tragischen Sturzes – und vor allem wegen ihrer anschließenden Haltung. Krause war unverschuldet zu Fall gekommen und hatte noch einen Tritt gegen den Kopf bekommen. Sie gab das aussichtslose Rennen aber nicht auf, sondern lief tapfer hinterher. Und zeigte im Ziel, das sie immerhin noch als Neunte erreichte, sportliche Größe. Bei aller Enttäuschung, den Tränen nah, beschwerte sie sich nicht und lieferte auch keine Schuldzuweisungen ab, sondern war einfach nur unfassbar traurig. Danach konnte die unglückliche Gesa Felicitas erst mal gar nicht verstehen, warum sie plötzlich zum Vorbild für Fairplay stilisiert wurde. Sie wollte keinen Trostpreis, sondern eine WM-Medaille. Doch mittlerweile freut sie sich darüber, wie ihre Haltung interpretiert wurde. In diesem Fall hat sie die Sicht von außen übernommen und der eigenen Perspektive angepasst. „Dieses Rennen ist Teil meiner sportlichen Geschichte“, sagt sie heute. „Ich kann damit leben.“

Vor den Europameisterschaften in Berlin ist sie wieder eigene Wege gegangen. Erst am Tag vor dem Vorlauf reiste sie aus dem Trainingslager in Davos an. Von den Schweizer Bergen direkt auf die Berliner Bahn, das kann klappen, muss aber nicht. „Ich hatte keine Zweifel“, beschwichtigte sie mahnende Stimmen, bekannte aber, „dass das auch immer mal schiefgehen kann“. Krause lief ein kontrolliertes Rennen und kam als Dritte ihres Vorlaufs in 9:33,51 locker ins Finale. Dass sie das blaue Oval deutlich schneller bezwingen kann, hatte sie just vor einem Jahr bewiesen, als sie beim Istaf in 9:11,85 deutschen Rekord aufstellte. Wenn sie im Endlauf an diesem Sonntag (20.55 Uhr in der ARD und bei Eurosport) nun eine Medaille gewönne, wäre es übrigens schon die zweite in diesem Jahr. Denn erst im Winter bekam sie EM-Bronze von 2012 nachgereicht. Eine vor ihr plazierte Ukrainerin war nachträglich des Dopings überführt worden. Eine späte Genugtuung im Kampf für den sauberen Laufsport, doch so recht freuen konnte sie sich nicht. Die Zeitspanne von sechs Jahren zwischen Rennen und Ehrung seien für sie „nicht nachvollziehbar“. Und die Emotionen beim Überlaufen der Ziellinie sowieso nicht reproduzierbar.

Dann doch lieber gleich gewinnen und nicht auf ferne Doping-Kontrollen hoffen. Die Titelverteidigerin lässt keinen Zweifel daran, dass sie die EM im eigenen Land nicht so nebenbei bestreiten möchte, sondern abermals einen Platz auf dem Siegerpodest mit Hymnen und Fahnen und Freudentränen anstrebt. Gleichwohl räumt sie ein, dass die Meisterschaft nicht oberste Priorität für sie besitze. Im Hinblick auf ihr Traumziel Olympia 2020 hatten sie und ihr Coach Wolfgang Heinig die Trainingssteuerung schon langfristig umgestellt. Das soll in Tokio Ertrag bringen, war aber anstrengender als gedacht. Die Hälfte des Jahres verbringt sie mittlerweile in Trainingslagern überall auf der Welt. Oft im Hochland von Kenia. Zuletzt in den Schweizer Bergen rund um Davos. „Bist du wieder im Urlaub“, bekommt sie dann zu hören. Auch so ein Satz, der die Diskrepanz zwischen eigenem Erleben und öffentlicher Anschauung illustriert. Dann muss sie immer schmunzeln, „weil Ausland für viele gleich Urlaub bedeutet“. Wobei sie das Reisen durchaus genießt. „Es ist aufregend, es macht Spaß – aber es ist gleichzeitig harte Arbeit und nicht nur Vergnügen.“

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