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Leichtathletik-EM : Viele Enttäuschungen in der Sprint-Kür

Nicht schnell genug in Zürich: Sprinter Julian Reus (rechts) scheitert im Halbfinale Bild: dpa

Nur einer kommt durch: Lucas Jakubczyk wird im Finale über 100 Meter Fünfter. Die anderen deutschen Sprinter wie Verena Sailer und Julian Reus erleben einen EM-Start mit teilweise zu hohen Hindernissen.

          Einer kam durch: Lucas Jakubczyk aus Berlin ist bei der Europameisterschaft im Endlauf über hundert Meter Fünfter geworden und sieht damit die Sprinter rehabilitiert. „Zielsetzung war das Finale“, sagte er nach seinem Lauf in 10,25 Sekunden. „Ich gehe stolz und zufrieden nach Hause.“ Europameister wurde in 10,06 Sekunden der Brite James Dasaolu vor Titelverteidiger Christophe Lemaitre aus Frankreich (10,13). „Ich habe mir nie eine Medaille vorgenommen, denn ich weiß, was in Europa los ist“, sagte der 29 Jahre alte Sportstudent.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Allen Kritikern, die auf den Sprintern herumgehackt haben, haben wir heute gezeigt, dass wir auch außerhalb von Ulm schnell laufen können.“ Cindy Roleder aus Halle gewann über 100 Meter Hürden in 12,82 Sekunden die Bronzemedaille hinter der Britin Tiffany Porter (12,76) und der Französin Cindy Billaud (12,79). Dabei hat die Polizistin aus Chemnitz im vergangenen Jahr die Konzentration auf diese Disziplin aufgegeben und trainiert in Halle an der Saale bei Bundestrainer Wolfgang Kühne in dessen Mehrkampf-Gruppe.

          Jakubczyk spielt mit dem Hinweis auf Ulm, dem Ort der deutschen Meisterschaft, auf die Erwartungen an, die er und Julian Reus mit ihren Ergebnissen dort geweckt haben. Zeitgleich mit Meister Julian Reus war er 10,01 Sekunden gelaufen; Rückenwind verhinderte die Anerkennung der Zeit als Rekord. Die beiden anderen deutschen Sprinter scheiterten ebenso wie die drei Sprinterinnen am Mittwochabend im Halbfinale. Den Sprint der Frauen gewann Dafne Schippers. Die niederländische Siebenkämpferin siegte überlegen in 11,12 Sekunden vor der Französin Myriam Soumaré (11,16) und der Britin Ashleigh Nelson (11,22).

          Haben die Sprinterinnen und Sprinter also enttäuscht? Die Einzelrennen sind, so groß die Erwartungen bei den Athleten wie beim Publikum waren, die Kür. Pflicht ist der Erfolg am Sonntag mit der Staffel. Sprint ist, so schön Erfolge wie der von Jakubczyk sind, für in Deutschland Mannschaftssport – und da gibt es keine Entschuldigungen. Im Quartett haben die Sprinterinnen am Sonntag ihren Titel von Helsinki zu verteidigen. Die Männer wollen am Schlusstag der Titelkämpfe nach Bronze 2010 und Silber 2012 in Zürich endlich Gold gewinnen.

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          Allen voran Verena Sailer, die Europameisterin von Barcelona 2010 mit einer persönlichen Bestleistung von 11,02 Sekunden, und Julian Reus, der gerade den deutschen Rekord auf 10,05 Sekunden verbessert hat, unterliefen die Sprinter in vollem Lauf die Erwartungen, die sie begleiten. Der bei Bundestrainer Valerij Bauer in Mannheim trainierende Verena Sailer, bei der deutschen Meisterschaft überraschend Tatjana Pinto unterlegen, fehlten vier Tausendstelsekunden: Das war, bei einer Zeit von 11,24 Sekunden, der Unterschied zu der Französin Céline Distel-Bonnet, die als Achte in den Endlauf rutschte und Sechste wurde.

          Auf Platz vier rannte in 11,30 Sekunden die Schweizerin Mujinga Kambundji. Seit einem Jahr ist die junge Frau aus Berlin Trainingspartnerin von Verena Sailer in Mannheim und verbesserte bei der EM zwei Mal den Schweizer Rekord auf schließlich 11,20 Sekunden. Während ihres Jahres bei Trainer Bauer hat sie sich damit um drei Zehntelsekunden verbessert. Rebekka Haase, in Chemnitz Vereinskameradin von Kugelstoß-Europameister David Storl und deutsche Meisterin über 200 Meter, kam bei Gegenwind auf 11,52 Sekunden.

          Tatjana Pinto, die deutsche Meisterin über 100 Meter aus Münster, erreichte bei starkem Rückenwind 11,48 Sekunden. Reus war in seinem Lauf achtzig Meter weit Weltklasse, dann zogen drei Konkurrenten an ihm vorbei. Das bedeutete Platz vier und raus in 10,35 Sekunden. „Es war einfach schlecht. Mehr braucht man da nicht zu sagen“, kommentierte er seine Leistung. „Man rennt 10,05 und jeder denkt: Der läuft sofort im nächsten Rennen unter zehn Sekunden.“

          Man dürfe nicht drei Zehntel, zwei Zehntel, nicht einmal eine Zehntel hinter seiner Bestleistung zurückbleiben, klagte er. Sein Abstand zum Endlauf: fünf Hundertstel. Sven Knipphals schied als Fünfter seines Laufes in 10,37 Sekunden aus. Er blickt optimistisch auf den Sonntag. „Die Staffel ist das Ding für uns. Da haben wir Chancen, darauf liegt unser Fokus“, sagte er. „Wechseln können wir nachts mit Licht aus.“

          Von Laufkrise im deutschen Verband kann trotz großer Enttäuschung nicht die Rede sein. Neben Cindy Roleder hatte Nadine Hildebrand den Endlauf im Hürdensprint erreicht; sie kam in 13,01 Sekunden auf Platz sechs. Kamghe Gaba qualifizierte sich erstmals bei einer EM für den Endlauf über 400 Meter. „Ich bin überwältigt“, sagte er und verriet, dass ihn besonders motiviert habe, dass sich kurz vor seinem Halbfinale Varg Königsmark und Felix Franz für das Finale über 400 Meter Hürden qualifizierten.

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