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Leichtathletik-EM : Silber und Bronze für Börgeling und Lobinger

  • -Aktualisiert am

Nur einer kann sich wirklich freuen: Lars Börgeling und Tim Lobinger Bild: AP

Alexander Averbuch gewann Gold für Israel im Münchner Olympiastadion. Lars Börgeling und Tim Lobinger wurden Zweiter und Dritter.

          2 Min.

          „Stabhochspringen hat für mich den Charakter einer Fun-Sportart“ ist die Devise von Lars Börgeling. Doch am Samstag Nachmittag machte dem coolen Stabhochspringer der Erwartungsdruck mehr zu schaffen, als er im Vorfeld geglaubt hätte. Der gerade mal 23-Jährige EM-Debütant fand erst nach einigen Mühen in den Wettkampf.

          Trotzdem sicherte sich der Zweitbeste der europäischen Jahresbestenliste nach einigem Zittern mit übersprungenen 5,80 Meter die ersehnte Silbermedaille. Noch mehr Mühe hatte der 29 Jahre alte Vorzeige-Stabhochspringer Tim Lobinger, aber auch er kämpfte sich durch den dreistündigen Wettbewerb und gewann Bronze (5,80 m). Die Goldmedaille ging an den ursprünglich aus Russland stammende Israeli Alexander Averbuch (5,85 m), der schon 2001 WM-Silber gewonnen hatte.

          Mehr als das Minimalziel

          Es wurde zwar wieder nichts mit dem lang ersehnten Titel für einen der vielen deutschen Weltklasse-Stabhochspringer. Aber nach den harten vierten Plätzen bei den letzten Großereignissen waren sie letztlich dennoch zufrieden. „'Nur' Zweiter und Dritter kann man sicher nicht sagen“, meinte Lobinger, der schon 1998 EM-Silber gewonnen hatte: „Mit zwei Medaillen haben wir mehr als unser Minimalziel erreicht.“

          Der Weltjahresbeste hatte einen Zitterwettkampf der besonderen Art gezeigt. Lobinger riss bereits bei 5,70 m zweimal und hob sich den dritten Versuch für 5,75 auf. Der extrovertierte Stabhochsprung-Unternehmer in eigener Sache behielt dennoch die blaue Sonnenbrille auf und die Nerven im Griff. Er zitterte sich über 5,75 m zurück in den Wettbewerb.

          Börgeling dachte an Gold

          Börgeling, der Mann mit der vielsagenden Nummer 600, war anschließend der erste, der über 5,80 m sprang. Zuvor hatte er auf seinen zweiten Versuch über 5,75 m verzichtet - und sich so an die erste Stelle katapultiert. Danach vermittelte er den Eindruck eines Rodeoreiters ohne Stier, so wild tanzte er der Hochsprung-Matte: „Ich glaube, dass man mit 5,80 m schon eine Medaille holen kann“, hatte er am morgen prognostiziert: „Vielleicht sogar schon Gold.“

          Doch noch waren vier weitere Springer im Wettbewerb. Börgeling folgten neben Alexander Averbuch und dem Schweden Patrik Kristiansson auch Tim Lobinger. Dazu hatte sich der Tscheche Stepan Janacek noch einen Versuch über 5,85 aufgehoben. Als er scheiterte, stand für die beiden Deutschen fest: die Plätze drei und vier sind sicher.

          Averbuch war bärenstark

          Bei 5,85 m änderte sich das Bild: Averbuch schaffte die Höhe im ersten Versuch und übernahm die Spitze. Gold war greifbar für den Israeli im Münchner Olympiastadion. Tim Lobinger war dann der erste, der 5,85 m auch im dritten Versuch nicht schaffte. Vorher hatte er prophezeit, es werde „leichter sein, sechs Meter zu springen, als Europameister zu werden“. Damit nahm er den Mund wohl zu voll. Doch er hatte Glück. Kristiansson riss ebenfalls zum dritten Mal und sicherte Lobinger Bronze.

          Gleichzeitig hatte Börgeling Silber sicher. Der Junioren-Europameister griff noch einmal nach Gold, ließ seinen letzten Versuch bei 5,90 m auflegen, doch er schaffte es nicht. Damit stand der Europameister fest. Lars Börgeling sagte über Averbuch: „Alex war bärenstark heute, der hätte sicherlich auch '90 oder '95 gesprungen.“ Tim Lobinger meinte: „Das Publikum hatte heute mehr Ausdauer als die beiden Athleten Lobinger und Börgeling. Das Publikum hätte Gold verdient gehabt.“

          Eklat durch Lobinger

          Lobinger wohl weniger, denn auf der anschließenden offiziellen Pressekonferenz sorgte er für einen Eklat, als er nach drei Fragen an Averbuch den Saal vorzeitig verlassen wollte. Dass der 27-Jährige Israeli bei der Pressekonferenz im Münchner Olympiastadion zwangsläufig im Mittelpunkt stand, konnte er überhaupt nicht nachvollziehen. „Wenn hier nur die Sieger gefragt werden, kann ich ja gehen“, sagte der Verlierer beleidigt.

          Für Averbuch, der aus dem sibirischen Irkutsk stammt, 1999 in Israel eingebürgert wurde, und sich „zu 50 Prozent als Russe, zu 50 Prozent als Israeli“ fühlt, war es „ein besonderer Tag“. Die „historische“ Medaille widmete er seinem Vater, der im Dezember vorigen Jahres gestorben war.

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