https://www.faz.net/-gtl-3qeb

Leichtathletik-EM : Krönender Abschied für Sabine Braun

  • -Aktualisiert am

"Jetzt werd ich alle Freizeit nachholen": Sabine Braun im Interview Bild: dpa

Nach zwanzig Jahren beendete Sabine Braun ihre Karriere mit EM-Silber im Siebenkampf. Gold ging an die 19-jährige Schwedin Carolina Kluft.

          2 Min.

          Mit einem Mannschafts-Wettkampf bei Kreismeisterschaften in Düsseldorf fing alles an, 65 Siebenkämpfe und 20 Jahre später endete die Karriere von Sabine Braun mit guten 6534 Punkten und der Silbermedaille bei den Europameisterschaften in München. „Einen besseren Abschluss kann man nicht finden“ sagte sie.

          Als Sabine Braun am 19. Juni 1982 im Trikot von TuSEM Essen ihren ersten Mehrkampf bestritt, stand ihre Mutter unter den wenigen Zuschauern und notierte in einem Vokabelheft die Ergebnisse. Caroline Klüft war da noch gar nicht geboren: diesmal gewann die 19-Jährige Junioren-Weltmeisterin aus Schweden mit Weltjahresbestzeit und einem neuen Junioren-Weltrekord von 6552 Punkten die Goldmedaille.

          Rührende Ehrenrunde zum Abschluss

          Jubelnd lief Sabine Braun am Samstag um 18:25 Uhr über die Ziellinie im Olympiastadion. Mit einer Zeit von 2:23,24 Sekunden im abschließenden 800 m-Lauf ihrer Siebenkampf-Laufbahn war für die 37 Jahre alte Wattenscheiderin definitiv Schluss: „Es gibt kein Zurück“, bekräftigte die zweimalige Welt- (1991, `97) und Europameisterin (`90, `94), obwohl sie noch einmal einen großartigen Wettkampf zeigte.

          Ein Höhepunkt war dabei der Weitsprung, bei dem sie 6,50 m schaffte - damit hätte sie bei den Spezialistinnen am Mittwoch Platz acht belegt. Und auch im Speerwerfen zeigte sie mit 51,23 m die größte Weite der Konkurrenz. Nach zwei Jahrzehnten Weltklasse fehlte ihr aber doch zunehmend die Spritzigkeit. In ihrer einstigen Paradedisziplin Hochsprung (1992 in Barcelona sprang sie 1,94) war Braun diesmal mit einem Ergebnis über 1,80 m froh. Und den abschließenden „Marathonlauf“ über 800 m hätte sie sowieso gerne aus dem Wettkampf gestrichen: „Das hat 20 Jahre nicht geklappt, warum hätte es heute besser klappen sollen.“

          Viele Schicksalsschläge abseits der Arena

          Bei fünf Olympischen Spielen war Sabine Braun dabei - das gelang noch keiner anderen deutschen Leichtathletin. Ein Olympiasieg war ihr jedoch nicht vergönnt, 1992 in Barcelona gewann sie Bronze. Ihre schönsten Erlebnisse waren Los Angeles 1984, meint sie heute, und die für sie goldene WM 1997 in Athen, „weil es sportlich gesehen ein perfektes Jahr war“.

          Dabei musste sie abseits der Arenen viele Schicksalsschläge verkraften. Ihre Mutter und ihre Schwester Birgit sind an Krebs gestorben: „Ich muss immer damit leben, mich regelmäßig untersuchen zu lassen“, sagt Braun: „Der Sport hat mir damals geholfen, nicht so abzugleiten.“

          Optimistischer Blick in die Zukunft

          Der passende Anlass zum Abtreten war in den beiden vergangenen Jahren nicht gegeben: In Sydney 2000 wurde die drittbeste Siebenkämpferin aller Zeiten, die 1992 in Götzis 6985 Punkte erzielt hatte, nur Fünfte. Bei der WM 2001 in Edmonton fehlte sie wegen einer Verletzung.

          „Es fällt mir überhaupt nicht schwer aufzuhören“, versicherte sie nun: „Ich habe viele Freunde außerhalb der Leichtathletik und die akzeptieren mich auch ohne den Sport. Es wird nur seltsam sein, nicht mehr so viel zu trainieren“, blickt sie optimistisch in die Zukunft.

          Publikumsliebling erst beim letzten Auftritt

          Die stets etwas spröde wirkende Sabine Braun war immer da, zeigte aber selten Emotionen. Respekt brachte ihr jeder entgegen, ein Publikumsliebling wurde sie erst bei ihrem letzten Wettkampf. „She's simply the best“ wurde über den Stadionlautsprecher eingespielt und fast 50.000 Zuschauer bereiteten der Leichtathletik-Legende einen gebührenden Abschied.

          Erst jetzt, wo sie aufhört, haben viele gemerkt, was die deutsche Leichtathletik an ihr hatte. Ihr Leben nach dem Sport hat schon Konturen angenommen. Sie kümmert sich am Olympiastützpunkt Bochum-Wattenscheid um die Talentsichtung und bringt dort ihren unglaublichen Erfahrungsschatz ein.

          Bleibt zu hoffen, dass ihre Arbeit Früchte trägt, denn ihr Abschied hinterlässt im deutschen Siebenkampf vorerst eine große Lücke. Die junge Sonja Kesselschläger (24) belegte nach gutem Beginn am Ende Platz neun. Kathleen Gutjahr (27) steigerte sich immerhin auf Platz sechs (6106 Punkte). Sabine Braun nahm beide mit auf die Ehrenrunde. „Es war ein traumhaftes Ende.“

          Weitere Themen

          Die Hertha macht Klinsmann froh

          1:0 gegen Freiburg : Die Hertha macht Klinsmann froh

          Gegen den SC Freiburg kommt Jürgen Klinsmann zu seinem ersten Bundesliga-Sieg als neuer Hertha-Trainer. Vladimir Darida glänzt als Torschütze und macht Hoffnung für die kommenden Wochen.

          Topmeldungen

          Ringen um Abschlusspapier : Scheitert die Klimakonferenz?

          Es geht um die Absichtserklärung für mehr Klimaschutz: Die fast 200 Staaten können sich nicht einigen. Die Verhandlungen, die Freitag enden sollten, gehen in die zweite Nacht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.