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Leichtathletik-EM : Ingo Schultz ist Goldkandidat Nummer eins

Freund klarer Ansagen: Ingo Schultz Bild: dpa

Mit zwölf Medaillen und zwei Europameistern müsste das 92-köpfige deutsche Team bei der Leichtathletik- EM in München schon zufrieden sein.

          3 Min.

          Acht Siege und insgesamt 23 Medaillen verzeichneten die deutschen Leichtathleten bei den optimal verlaufenen Europameisterschaften 1998 in Budapest. Mit der Hälfte an Edelmetall und vielleicht zwei Goldmedaillen müsste das 92-köpfige Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) bei der EM in München schon zufrieden sein.

          Topfavorit in seiner Disziplin ist einzig 400-m-Vizeweltmeister Ingo Schultz (Dortmund), der bei den deutschen Meisterschaften zum dritten Mal unter der magischen Grenze von 45 Sekunden blieb (44,97): „Ich will Europameister werden“, setzte sich der 27-Jährige daraufhin selbst unter Druck: „Die Form ist da, das Selbstvertrauen auch.“ Die europäische Jahres-Bestenliste führt er allerdings nur mit einer Hunderstel vor dem Briten Daniel Caines (44,98) an.

          Stabhochspringer wollen Titel holen

          Ebenfalls ganz oben in der Hierarchie seiner Zunft steht Stabhochspringer Tim Lobinger (Frankfurt), der vor allem Konkurrenz aus den eigenen Reihen spürt. Mit der Steigerung auf 5,85 m kam Lars Börgeling (Leverkusen) bis auf fünf Zentimeter an die europäische Jahresbestmarke Lobingers (5,90) heran.

          Dritter Kandidat mit Medaillenchancen könnte Richard Spiegelburg (5,70 m) sein, der als Ersatzmann für seinen an der Schulter verletzten Leverkusener Klubkameraden Danny Ecker einspringt. Der WM-Vierte Michael Stolle spielt verletzungsbedingt keine Rolle in diesem Jahr.

          Becker und Buschbaum als Medailenchancen

          Für DLV-Präsident Clemens Prokop sind die Stabhochspringer Vorreiter für kommende Strukturen im DLV: „Wir müssen verstärkt diesen Weg der Bündelung von Kräften gehen.“ Ein EM-Doppelsieg vor eigenem Publikum wäre die Krönung für die Stabartisten. Doch die Titeltauglichkeit sind sie im Freien noch schuldig geblieben.

          Auch bei den Stab-Frauen fliegen die Träume hoch. Annika Becker (4,77) hielt für neun Tage sogar den Europarekord, ehe Swetlana Feofanowa (Russland) ihn um einen Zentimeter steigerte. Zudem gilt Yvonne Buschbaum (Stuttgart / 4,64) als Medaillentipp.

          Schumann und Drechsler zuversichtlich

          „Jetzt kommt es nur noch darauf an, die richtige Form für die letzten 100 m zu kriegen“, meinte Nils Schumann, der sich bei seinem ersten 800-m-Saisonsieg am Samstag in Leverkusen in 1:45,11 Minuten an die vierte Stelle der Europa-Rangliste setzte. Der Olympiasieger und Titelverteidiger von '98 dürfte allerdings kaum an dem dänischen Kenianer Wilson Kipketer vorbei kommen.

          Die vierfache Europameisterin Heike Drechsler versprühte nach ihrem späten Sprung auf 6,85 m und Platz 5 der europäischen Weitsprung-Bestenleiste Zuversicht. „Jetzt freue ich mich auf München. Da will ich Tatjana Kotowa Paroli bieten“, meinte sie mit Blick auf Russlands in diesem Jahr allerdings deutlich bessere Weltranglisten-Erste (7,42 m).

          Breuer und Baumann in Medaillenform

          Die dritte deutsche Titelverteidigerin, die in München antritt, Grit Breuer, setzte sich nach neunwöchiger Zwangspause im ersten 400-m-Einzelrennen der Saison in 51,12 gleich an die dritte Position in Europa und könnte bei weiteren Fortschritten nach Medaillen greifen: „Jetzt bin ich dankbar für jeden Tag, der mir bis zur EM noch an Vorbereitung bleibt“, sagt die 29 Jahre alte Magdeburgerin nach überstandenen Achillessehnen-Problemen.

          Ein Einzelgänger mit Medaillenchancen ist der 5000m-Olympiasieger von 1992: Dieter Baumann tritt nach seiner Dopingsperre auf der doppelten Distanz an, und liegt mit 27:38,52 auf Rang zwei der europäischen Rangliste. Von Laufmüdigkeit ist bei dem 37 Jahre alten Tübinger nichts zu spüren, er will noch bis Olympia 2004 weitermachen.

          Brauns letzter Wettkampf

          „Für mich gibt es kein Zurück mehr. In München werde ich den letzten Siebenkampf meiner Laufbahn bestreiten“, sagt dagegen die ebenfalls 37 Jahre alte Wattenscheiderin Sabine Braun. Die zweimalige Welt- und Europameisterin, nach 18 Karriere-Jahren noch immer Zweite der Europarangliste 2002, träumte laut: „Eine Medaille - das wäre ein Happyend.“

          Nummer drei in Europa ist die Speerwurf-Olympiavierte Steffi Nerius (Leverkusen) mit 64,55 m. „Bei der EM will ich 67 m werfen“, meinte sie mutig. Ebenfalls Medaillen-Chancen rechnen sich die dreifache Kugelstoß-Weltmeisterin Astrid Kumbernuss (Neubrandenburg), Diskuswerfer Michael Möllenbeck (Wattenscheid) und Speerwerfer Raymond Hecht (Magdeburg) aus.

          Digel traut den Deutschen Überraschungen zu

          Auch Hochsprung-Weltmeister Martin Buß (Leverkusen/2,21 m ) glaubt weiter an eine Medaille, obwohl bisher noch keine seiner Saisonleistungen dazu Hoffnung gab. „Der Knoten kann jederzeit platzen“, sagt der 26-Jährige.

          Helmut Digel, Präsident des EM-Organisationskomitees, macht den Deutschen Mut: „Sie werden zeigen, dass sie in Europa jederzeit konkurrenzfähig mit Russland und Großbritannien sind. Es wird eine Reihe von Überraschungssiegern geben, mit denen jetzt noch niemand rechnet - aber auch erfahrene Athleten, die noch einmal beweisen, dass sie die Nummer eins sind.“

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