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Leichtathletik-EM : Ein Bronze-Abend mit fadem Beigeschmack

  • -Aktualisiert am

Medaille verpasst: Annika Becker Bild: AP

Yvonne Buschbaum wurde Dritte im Stabhochspringen und bedauerte Annika Becker. Boris Henry wurde Dritter im Speerwerfen und hatte Mitgefühl mit Jan Zelezny.

          2 Min.

          Stabhochspringer und Speerwerfer sind die Lastesel unter den Leichtathleten. Während Läufer und Springer nur ihre Spikes einpacken müssen, reisen sie stets mit meterlangem Handgepäck zu ihren Wettkämpfen.

          Am vierten Wettkampfabend der EM lastete ihnen zudem der deutsche Medaillendruck auf den Schultern. Zunächst sprangen Annika Becker, Yvonne Buschbaum, anschließend warfen Boris Henry und Raymond Hecht. Zwei Plaketten sollten es insgesamt schon sein, und nach dem silbernen Donnerstag wurde insgeheim mit einer Goldenen am Stab gerechnet.

          Bronze für Buschbaum mit weinendem Auge

          Leider spitzte sich der Abend nicht wunschgemäß zu. Als Boris Henry seinen ersten Versuch auf starke 85,23 m schleuderte, war Annika Becker auf der Gegenseite gerade an vergleichsweise niedrigen 4,60 m gescheitert. Die Deutsche Meisterin, die sich in diesem Jahr auf 4,77 m gesteigert hatte, war danach völlig fertig und verließ wortlos das Stadion.

          Eine vertrackte Situation auch für Yvonne Buschbaum. Sie meisterte nach Schwierigkeiten an ihrer Einstiegshöhe (4,30 m) im ersten Versuch 4,50 m und war dann drei Mal an 4,55 m gescheitert - eine Höhe, die Becker ausgelassen hatte. „Ich wusste genau, wenn Annika reißt, hab' ich Bronze“, sagte sie später mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Bei uns zählt Teamgeist, und ich hätte Annika mehr gegönnt.“

          Wackliger Wettbewerb

          Der Stab von Annika Becker, die mit ihren feuerroten Zöpfen an Pipi Langstrumpf erinnerte, machte aber an diesem Abend nicht, was sie wollte. Im Gegensatz zur Qualifikation bot Becker einen unsicheren Wettbewerb und meisterte nur 4,20 m im ersten Versuch. Bei 4,40 m brauchte sie zwei, bei 4,50 m sogar drei, und über 4,60 m wäre wohl ein Vierter nötig gewesen.

          Ganz anders ihre Kontrahentin Swetlana Feofanowa. Die Europarekordhalterin (4,78 m) aus Russland trat insgesamt nur drei Mal an und meisterte 4,40 m, 4,50 m und 4,60 m locker im ersten Versuch. „Ich war bereit, 4,70 m zu springen, aber ich musste nicht“ sagte sie.

          Als neben Becker auch ihre Landsfrau Jelena Isinbajewa an 4,60 m scheiterte und mit übersprungenen 4,55 m Silber gewann, beendete Feofanowa den Wettkampf ohne einen weiteren Rekord-Versuch. Für die untröstliche Annika Becker, die wortlos aus der Arena rauschte, blieb dagegen nur Platz fünf hinter der dritten Russin, Jelena Beljakowa.

          Henry mit starkem erstem Zug

          Auf der Kopfseite des Stadions zeigte Boris Henry seine wiedergefundene Technik: 85,33 m im fünften Versuch brachten ihm endgültig den dritten Rang ein, den er sich aber schon mit 85,23 zum Auftakt gesichert hätte. Bronze für den Speer-„Schöngeist“, wie sein Kollege Raymond Hecht ihn gerne nennt: „Endlich mal nicht Fünfter, Sechster, Siebter“, atmete Henry auf, der zuletzt 1995 in Göteborg Bronze gewonnen hatte.

          Sein Kollege Hecht, der sich selbst als „brutalen und gewaltigen Werfer" bezeichnete, legte sein bestes Pfund gleich in den ersten Versuch. Der 800-Gramm-Speer flog auf 83,95 m. „Ich wollte eigentlich 85 m werfen“ sagte der Magdeburger, der schon 87,23 in dieser Saison als Marke stehen hat. Er schaffte es nicht: Platz fünf - „natürlich bin ich enttäuscht".

          Nur Backlay konnte nachlegen

          Überrascht war Hecht vom dreifachen Europameister Steve Backley (1990, '94 und '98). Trotz Nieselregen gelang dem Briten als einzigem Werfer noch eine nennenswerte Verbesserung im fünften Versuch: Sein Zug auf 88,54 m brachte ihm das vierte EM-Gold in Serie. Sergey Makarow aus Russland hatte mit dem ersten Wurf 88,05 vorgelegt und gewann damit Silber.

          Nicht richtig in den Wettkampf kam der an der Leiste verletzte Weltrekordler Jan Zelezny (Tschechien). Der dreifache Weltmeister und Olympiasieger brachte keinen gültigen Versuch zustande, und wird wohl mit einer einzigen EM-Bronzemedaille von 1994 abtreten.

          Fader Beigeschmack durch Zeleznys Verletzung

          „Das ist der kleine fade Beigeschmack an meiner Bronzemedaille, dass Jan nicht fit war“, sagte Boris Henry später: „Wenn er gesund gewesen und Vierter geworden wäre, könnte ich mich mehr über Bronze freuen.“

          So stand für die deutschen Leichtathleten am Ende ein doppelter Bronze-Abend, mit dem keiner so ganz glücklich war. Sie haben es eben schwer, die Speer- und Stab-Athleten.

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