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Leichtathletik-EM : Die Zeit lief weiter - die Zeiten sind nicht vergleichbar

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Die Generation Schielke hätte keine Chance. Die Läuferinnen, die 1972 in München Gold gewannen, wären auch 2002 noch die Nummer eins.

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          Ihr erfolgreiches Duell als Schlussläuferin der bundesdeutschen Staffel gegen 100- und 200-m-Olympiasiegerin Renate Stecher aus der DDR ist Legende.

          30 Jahre danach sagt Staffel- und Weitsprung-Olympiasiegerin Heide Ecker-Rosendahl: „Ich freue mich auf die Rückkehr und werde bestimmt noch mal die ein oder andere Gänsehaut kriegen, wenn ich im Stadion sitze.“ Ihr Sohn Danny Ecker hätte in ihre Fußstapfen treten wollen, musste seine Stabhochsprung-Teilnahme aber verletzt absagen.

          14 Goldmedaillen hüben und drüben

          Es waren 1972 - trotz der Schatten durch das Attentat auf die israelische Mannschaft - glanzvolle und fröhliche Spiele. Und die 14 Goldmedaillen bedeuteten für Deutschlands Leichtathleten aus Ost (8) und West (6) ein Rekord für alle Ewigkeit. In der Hälfte der Gold-Disziplinen von 1972 gehören die Deutschen auch 2002 zumindest zum Kreis der Medaillenkandidaten.

          Über manche Namen und Leistungen ging die Zeit in 30 Jahren hinweg. Keinen großen Stellenwert mehr haben jene 5,50 m, mit denen der Jenaer Wolfgang Nordwig zum bisher einzigen deutschen Stabhochsprung-Olympiasieger avancierte. Auch heute gehören die Deutschen Lobinger und Börgeling wieder zum Kreis der Medaillenkandidaten, springen aber an die sechs Meter heran.

          Vor 30 Jahren schneller als heute - wie ging das?

          In vielen anderen Disziplinen blieb die Zeit dagegen stehen - oder die Zeiten liefen im Zeitalter verstärkter Dopingkontrollen scheinbar rückwärts. Sieben der 14 Deutschen, die 1972 Gold gewannen, wären mit ihren Leistungen von damals auch heute noch die Nummer eins im Lande.

          Renate Stecher (Jena) schaffte mit 11,07 Sekunden über 100 und 22,40 über 200 m das Double. Für die 21-Jährige Sina Schielke (Dortmund) stehen 30 Jahre später als schnellste Frau Deutschlands 11,16 und 22,91 zu Buche.

          In allen Laufdisziplinen geht die Entwicklung rückwärts

          Die Ost-Berlinerin Monika Zehrt war damals über 400 m in 51,07 schneller als Grit Breuer (Magdeburg/51,12) in dieser Saison und mit der DDR-Staffel lief sie eine Zeit (3:23,0), die heute sicher für EM-Gold reichen würde.

          Hildegard Falck (Wolfsburg) lief mit der 800-m-Siegerzeit von 1:58,6 Minuten zwei Sekunden schneller als Yvonne Teichmann (Magdeburg) heute. Auch Annelie Ehrhardt (Magdeburg) würde mit ihren 12,59 Sekunden über 100 m Hürden Kirsten Bolm (Köln) hinter sich lassen.

          Kein Vergleich im Hochsprung der Frauen

          Im Weitsprung sprang Rosendahl 6,78 m, Heike Drechsler liegt derzeit bei 6,85 m. Im Speerwurf stehen den 63,68 m von Ruth Fuchs heute 64,55 m von Steffi Nerius gegenüber. Klaus Wolfermanns 90,48 m sind mit den 87,23 m von Raymond Hecht mit verändertem Gerät nicht vergleichbar.

          Am Weitesten vom Weltniveau entfernt ist heute der deutsche Frauen-Hochsprung: Während der damals von Sensations-Siegerin Ulrike Meyfarth bei 1,92 m verankerte Weltrekord längst bei 2,09 m steht, sprang die beste Deutsche im EM-Team für München mit Ach und Krach gerade mal einen Zentimeter höher als der damals 16-Jährige Teenager.

          Unvergleichbare Zeiten

          Die EM 2002 ist ein Intermezzo in einer Stadt, die seit den Spielen 1972 nur selten und seit dem Europacup 1997 gar nicht mehr im Blickpunkt der Leichtathletik stand. Die ungewöhnlichste Zeit auf der Münchner Kunststoffbahn wurde 1983 gelaufen: Jarmila Kratochvilova (CSSR) schaffte in 1:53,28 Minuten einen 800-m-Rekord, der nicht von dieser Welt war.

          Und Erwin Skamrahl (Groß-Ilsede) lief in 44,50 einen 400-m-Europarekord, der zusammen mit den 44,33 Sekunden seines Nachfolgers Thomas Schönlebe (Chemnitz) Orientierungspunkt für EM-Favorit Ingo Schultz sind.

          Man könnte aber auch einfach die alten Rekorde aus einer anderen Zeit streichen und so den Leichtathleten die unvergleichbaren Vergleiche ersparen.

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