https://www.faz.net/-gtl-t55z

Leichtathletik-EM : „Bei Gewitter Lebensgefahr“

  • Aktualisiert am

Der Regenkönig: Geher Johan Diniz Bild: AP

Bei Blitz und Donner flüchteten sie aus dem Stadion, bei Kaffee und Kuchen zogen sie ins Finale ein: die deutschen Stabhochspringer trotzten dem Unwetter. Der Franzose Johan Diniz gewann im Regen Gold über 50 Kilometer Gehen.

          2 Min.

          Bei Blitz und Donner flüchteten sie aus dem Stadion, bei Kaffee und Kuchen zogen sie ins Finale ein: Das deutsche Stabhochspringer-Trio hat sich bei der kuriosen Regen-Qualifikation wacker geschlagen und kämpft am Sonntag bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Göteborg um die Medaillen.

          „Wir saßen schon alle ganz gemütlich bei Kaffee und Kuchen in dem engen Mannschafts-Kabuff, als die Entscheidung fiel: Alle noch im Wettkampf verbliebenen Springer sind im Finale“, beschrieb Tim Lobinger die kuriose Situation. Wer zumindest 5,45 Meter gemeistert hatte, ist am Sonntag dabei. 18 Springer werden sich dann auf der Anlage tummeln. „Das gab es bei internationalen Meisterschaften noch nie“, meinte der EM-Dritte von 2002, der mit 33 Jahren schon viel erlebt hat.

          Blitz schlug ins Stadion ein

          „Es wäre sinnlos gewesen, hier heute weiter zu springen. Der Abbruch war also die richtige Entscheidung“, sagte Lobinger nach der kurzen, aber heftigen Regenschlacht im Ullevi-Stadion. Bester DLV-Athlet in der Qualifikation war der Leverkusener Lars Börgeling, der 5,60 Meter gleich im ersten Versuch übersprang. Lobinger meisterte 5,55 Meter und packte dann seine sieben Sachen ein. Richard Spiegelburg hatte 5,45 übersprungen und versuchte sich an 5,60, als der Regen kam.

          Der Regenkönig: Geher Johan Diniz Bilderstrecke

          „Angst hatte ich nicht, aber als der Blitz am Stadion einschlug, mußte ich an den Warnaufkleber auf meinem Stab denken“, meinte der deutsche Rekordmann. Lobinger springt mit Carbonstäben: „Achtung - bei Gewitter Lebensgefahr“, ist dort aufgedruckt. „Die Anlaufbahn stand total unter Wasser. Deshalb war es richtig abzubrechen“, sagte auch Börgeling: „Ich muß mir jetzt erst mal einen Regenschirm kaufen. Direkt im Wettkampf hat man hier leider kaum eine Möglichkeit, sich mal unterzustellen.“

          Geher mußten weiter gehen

          Während die Stabhochspringer flüchteten, mußten die Zehnkämpfer ihren Weitsprung gegen den Regen durchziehen. Und auch die Geher gingen weiter. Hier setzte sich Johan Diniz bei Blitz und Donner über 50 Kilometer durch und holte das dritte französische EM-Gold binnen 18 Stunden.

          Der 28jährige überholte bei sintflutartigem Regen im letzten Teil der Strecke den über 40 Kilometer an der Spitze gehenden Norweger Trond Nymark und gewann in 3:41:39 Stunden. Zweiter wurde der Spanier Jesus Angel Garcia (3:42:48), Dritter der Russe Juri Andronow (3:43:26). Nymark blieb wie bei der WM vor einem Jahr in Helsinki in 3:44:17 nur Rang vier.

          Riedel und Möllenbeck sind dabei

          Noch bei trockenem Wetter hat das deutsche Diskus-Duo Lars Riedel aus Chemnitz und Michael Möllenbeck aus Wattenscheid die Qualifikation überstanden. Riedel warf im ersten Versuch 63,36, Möllenbeck reichten im Dritten 60,62 Meter. Robert Harting (Berlin/59,67) schied als 13. aus.

          Weitere Themen

          „Der Junge macht mich wahnsinnig“

          Box-Champion Bösel : „Der Junge macht mich wahnsinnig“

          Dominic Bösel geht mit einem hochriskanten Plan in seinen Kampf – und hat Erfolg. Am Ende gelingt ihm ein spektakulärer K.o.-Sieg. Die Taktik findet selbst sein großes Idol Henry Maske „beängstigend“.

          Emotionaler Abschied von Uli Hoeneß Video-Seite öffnen

          „Ich habe fertig“ : Emotionaler Abschied von Uli Hoeneß

          Seit 1970 war Hoeneß als Spieler, Manager oder Präsident beim FC Bayern tätig und wurde in dieser Zeit zu einer polarisierenden Persönlichkeit des deutschen und internationalen Fußballs. Am Freitag war es für den Weltmeister von 1974 an der Zeit, zu gehen.

          Topmeldungen

          Yasmina Reza

          Yasmina Reza im Gespräch : Wörter sind nichts Festes

          Sprache als Heimat, Übersetzungen als Tragödie, eine Frauenrolle für einen Mann: Die französische Schriftstellerin Yasmina Reza hat einen neuen Monolog geschrieben – „Anne-Marie die Schönheit“

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.