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Leichtathletik : Die „fliegende Hausfrau“ Fanny Blankers-Koen ist tot

  • Aktualisiert am

Fanny Blankers-Koen 1948 in London Bild: AP

Fanny Blankers-Koen, viermalige Olympiasiegerin von 1948 und „Leichtathletin des Jahrhunderts“ ist in Amsterdam im Alter von 85 Jahren gestorben.

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          Die „fliegende Hausfrau“ ist tot. Fanny Blankers-Koen, vierfache Olympiasiegerin von 1948, starb in der Nacht zum Sonntag im Alter von 85 Jahren in einem Pflegeheim in Hoofdorp bei Amsterdam, wo sie am kommenden Donnerstag auch beerdigt werden soll. Die Niederländerin litt an Altersdemenz und war zeitweise depressiv. Als eine der erfolgreichsten Leichtathletinnen überhaupt hatte Blankers-Koen in ihrer Karriere 21 Weltrekorde in sechs verschiedenen Disziplinen aufgestellt.

          „Der Einbruch kam ganz plötzlich“

          Noch zur Jahrtausendwende hatte die Ausnahmesportlerin in Monte Carlo die Auszeichnung zur Leichtathletin des Jahrhunderts durch den Internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) genossen. Ihr schlechter Gesundheitszustand erschreckte zuletzt. „Damit haben wir nicht gerechnet. Der Einbruch kam ganz plötzlich“, berichtete Tochter Fanny im vergangenen April anläßlich des 85. Geburtstags ihrer Mutter.

          Zum Sport war Fanny Blankers-Koen durch ihren Vater gekommen. Sie zeigte Talent als Schwimmerin, Turnerin und Leichtathletin. Ihren ersten niederländischen Rekord stellte sie über 800 Meter auf. Bei dieser Veranstaltung entdeckte sie der Sportjournalist Jan Blankers. Er fand, daß sie besser sprinten sollte. 1940 heirateten die beiden. 1941 wurde sie Mutter eines Sohnes, 1946 einer Tochter.

          Ihr olympisches Debüt gab Fanny Blankers-Koen 1936 in Berlin (Sechste im Hochsprung und Fünfte mit der Staffel). Die EM 1946 in Oslo bedeutete das Schlüsselerlebnis für ihre weitere Karriere. Mit fünf Starts hatte sie sich total überfordert und gewann nur über 80 Meter Hürden.

          Lebertran und braune Bohnen

          Sorgfältig suchte sie sich das Programm in London 1948 aus. Für ihre vier Starts und Siege - 100 Meter, 200 Meter, 80 Meter Hürden und die vier mal 100 Meter Staffel - trainierte sie unter der Leitung ihres Mannes dreimal in der Woche. Lebertran und braune Bohnen waren Fannys „Doping“, hieß es.

          Einen Babysitter hatte sie nicht. Die beiden Kinder mußten immer mit ins Stadion - sie spielten am Rande. Der Zeitplan im Wembley-Stadion verhinderte die fünfte Goldmedaille. Parallel mit Finale über 80 Meter Hürden fand der Weitsprung statt. Als Weltrekordhalterin (6,25 Meter) mußte sie zusehen, wie ein Sprung auf 5,69 Meter zur Goldmedaille reichte. Ihre außergewöhnlichen Leistungen machten Fanny Blankers-Koen nicht zur Millionärin, obwohl das Oranje-Königreich Kopf stand.

          1953 beendete „die fliegende Hausfrau“ ihre 20 Jahre währende Karriere. Als Vorreiterin für den Frauensport hat sie sich selbst nie gesehen. Emanzipation war ein Fremdwort für sie.

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