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Leichtathletik : Busemann quält sich über WM-Hürde

  • Aktualisiert am

Noch viel Kraft für Kanada: Stefan Schmid Bild: Foto AP

Zehnkämpfer Frank Busemann qualifizierte sich in Ratingen trotz einer Verletzung am Ellbogen für die Leichtathletik-WM in Edmonton. Stefan Schmid siegte souverän.

          2 Min.

          Ausgerechnet im 13. Zehnkampf seiner Karriere wurde der Olympia-Zweite von 1996 durch eine schwere Ellbogenverletzung beim Speerwerfen vom vorher sicheren WM-Kurs abgebracht, feierte aber am Ende mit erhobener Faust ein nicht mehr für möglich gehaltenes Happyend. Mit Platz zwei und 8.192 Punkten beendete der Leverkusener seine Zitterpartie nur zwölf Zähler über dem WM-Richtwert und buchte damit das Ticket zu den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Edmonton.

          Angesichts der dramatischen Minuten um Busemann rückte die WM-Fahrkarte für die Siebenkampf-Zweite Karin Ertl nach deutscher Jahresbestleistung von 6.433 Punkten ein wenig in den Schatten. Der junge Aufsteiger Sebastian Knabe (8.151) qualifizierte sich über die B-Norm für die WM.

          Busemann hat noch große Reserven

          „Alles lief so schön rund. Ich war locker und ohne Druck. Das war zunächst das Erfolgsgeheimnis“, meinte Busemann, der nach dem dritten Versuch des Speerwurfs vom Schmerz gepeinigt zusammenbrach und erst nach ärztlicher Behandlung zum abschließenden Lauf antreten konnte. „Es ist eine schwerwiegende Sache. Erst ein Kernspin wird Aufschluss darüber geben, wie stark die Sehne im Ellbogen betroffen ist.“, sagte der deutsche Mehrkampf-Arzt Dr. Heinz Birnesser. Zuvor war für Busemann fast alles nach Plan verlaufen. „Jetzt kann es bald wieder abgehen“, hatte der 26-Jährige noch vor dem verhängnisvollen Speerwurf erklärt. Nach dem späten Einstieg in die Vorbereitung und einem Muskelfaserriss im März meisterte er vor allen Dingen den „Knackpunkt“ Diskuswurf mit Bravour.

          Dort, wo ihm bei Olympia in Sydney (8.351) mit 33,71 m total die Nerven versagten, führte er mit dem zweitbesten Wurf innerhalb eines Zehnkampfs (44,37) vor knapp 8.000 Zuschauern an beiden Tagen die Vorentscheidung im Kampf um die WM-Fahrkarte herbei. Zwar waren seine angekündigten Defizite im konditionellen Bereich vornehmlich über 400 m (50,62) und in seiner einstigen Paradedisziplin 110 m Hürden (14,21) unübersehbar, doch sowohl im Hochsprung (2,04 m) als auch mit dem Stab (4,96 m) deutete er große Reserven an.

          Ertl trotzte widrigen Bedingungen

          Der 30 Jahre alte Stefan Schmid legte trotz einer erst Anfang März begonnen Vorbereitung eine guten Mehrkampf hin und lag noch bis zum Stabhochsprung fast ständig im Bereich seiner persönlichen Bestleistung aus dem Vorjahr (8.485). Da er sich der WM-Norm sicher wähnte, waren nur 4,76 kein Beinbruch. „Es klingt zwar komisch, aber dieses Jahr sollte eigentlich nur ein Aufbaujahr für die EM sein“, sagte der Olympia-Neunte.

          Die große Sensation war auch nach dem von Regen beeinträchtigten Stabhochsprung Sebastian Knabe, der mit 4,76 m auch nach der achten Disziplin die Führung behauptete und aus dem erwarteten Zweikampf einen Dreikampf machte. Als Trost blieb dem Youngster die Tatsache, dass er als 51. deutscher Zehnkämpfer die 8.000-Punkte-Barriere durchbrach. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Estlands Olympiasieger Erki Nool bereits wieder auf dem Rückweg in einem roten Ferrari, nachdem er im 400-m-Lauf wegen einer Verletzung hatte aufgeben müssen.

          Auch Karin Ertl trotzte den widrigen Bedingungen. Bei strömendem Regen setzte sie einen guten Weitsprung mit 6,36 m in die Grube, legte 44,16 m mit dem Speer nach und spulte die 800 m in 2:18,19 Minuten herunter. Nach Sitzbeinproblemen war ihr Start noch vor zwei Wochen fraglich. „Ich bin einfach nur happy“, sagte Ertl. Sie wird wohl allein die deutschen Siebenkampf-Farben in Kanada vertreten, da ein WM-Verzicht der zweimaligen Weltmeisterin Sabine Braun nach Verletzungsproblemen wahrscheinlich ist.

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