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Leichtathletik : Angst vor dem Karriere-Ende: WM-Start von Busemann gefährdet

  • Aktualisiert am

Schmerzvolle Karriere: Frank Busemann Bild: dpa

Sportlich hat er knapp die WM-Qualifikation geschafft, doch wegen einer Ellbogenverletzung muss Frank Busemann mehr denn je um seine Zehnkampf-Karriere bangen.

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          Eine schwere Verletzung hat Frank Busemann erneut weit zurückgeworfen und stellt den WM-Start des 26-Jährigen stark in Frage.

          Nachdem er mit 8.192 Punkten bei der Mehrkampf-Qualifikation des DLV in Ratingen das WM-Ticket mit Ach und Krach gebucht hatte, erhielt der Olympiazweite von 1996 einen schweren Dämpfer in Form der ärztlichen Diagnose. „Bei seiner Ellenbogenverletzung handelt es sich um einen Muskeleinriss an der Innenseite des linken Unterarms mit starker Einblutung“, erklärte der behandelnde Arzt Dr. Karlheinz Graff (Essen) nach einer Kernspintomografie: „Seine Chancen auf die WM stehen damit maximal 50 zu 50.“

          Keine Kraft, sich zu ärgern

          Ende nächster Woche will Busemann entscheiden, ob eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft im August in Edmonton Sinn macht. „Mein Hauptziel ist es, gesund zu werden, und nicht, die WM vorzubereiten“, hat er klare Prioritäten gesetzt. Die niederschmetternde Diagnose nahm er relativ gelassen zur Kenntnis: „Ich habe keine Kraft mehr, mich darüber zu ärgern oder traurig zu sein.“

          Wie lange Frank Busemann ausfällt, konnte auch Graff nicht sagen. „Das wird sich innerhalb der nächsten 14 Tage am Heilverlauf entscheiden. Es ist eine relativ schwere Verletzung. Jetzt kommt es darauf an, wie schnell die Schwellung zurückgeht“, erklärte der Mediziner.

          Vater Busemann pessimistisch

          Vater Franz-Josef stellte angesichts des erneuten Rückschlags die Frage nach dem Sinn des sportlichen Tuns seines Sohnes. „Ich denke schon lange darüber nach, ob es richtig ist, was wir machen. Wenn es über so lange Zeit Probleme gibt, erreicht man diesen Punkt immer wieder“, gab er zu. Während der Junior „das Positive aus dem Wettkampf“ in den Vordergrund rückte, stand der Senior noch ganz unter dem Eindruck des Schockerlebnisses vom Sonntag: „Das war der Tropfen, der das Fass zum überlaufen gebracht hat.“

          Nach seiner Operation im Dezember hatte Busemann keine Sperr mehr angepackt, Ein technisch unsauberer Wurf gleich im ersten Versuch traf ihn dann wie ein Keulenschlag: „Ich hatte eigentlich totalen Schiss beim Speerwerfen, aber ich dachte, eine 58 schraubst du locker raus.“ Bei 51,11 m landete der Speer, es folgten „die totalen Schmerzen“.

          Auch der Freiburger Spezialist Dr. Heinz Birnesser gibt sich pessimistisch. „Die optimale Leistungsfähigkeit bei Frank wird wohl nie wieder richtig hergestellt. Trifft er den Speer unsauber, und das passiert oft, wird der Ellenbogen sofort in Mitleidenschaft gezogen“, sagt der Arzt der deutschen Mehrkämpfer.

          Der Körper rebelliert

          Gravierend erscheint nach den schmerzhaften Erfahrungen von Ratingen, dass der regelmäßig rebellierende Körper dem Leverkusener die hundertprozentige Leistungsbereitschaft wohl auf Dauer verweigern wird.

          Mittlerweile umfasst die Krankengeschichte von Frank Busemann mehr Kapitel als seine Erfolgsstory, die mit Olympia-Silber 1996 in Atlanta begann. Rücken, Hüfte, Knie, Oberschenkel, Ellenbogen - immer wieder verweigerte der Körper im Laufe der Jahre den Dienst. „Ich muss mich damit abfinden und habe mich daran gewöhnt, dass es nicht ohne Probleme läuft“, sagte der 26-jährige Leverkusener nach dem Wettkampf - und wirkte dabei sichtlich mitgenommen.

          „Wenn man sich die Statur eines Frank Busemann anschaut, dann ist es nur eine Frage der Zeit, wann er sich die nächste Verletzung einhandelt“, meinte Doppel-Weltmeister Tomas Dvorak vor wenigen Wochen in Götzis. Dass der Tscheche in seiner Ansicht so schnell bestätigt wurde, ist nur ein weiterer Beleg für die Anfälligkeit des besten deutschen Zehnkämpfers. „Er weiß, dass er nicht so trainieren kann wie andere Athleten. Aber er wollte immer seinen eigenen Weg finden“, meint der Vater.

          Busemann: „Habe noch Spaß am Zehnkampf“

          „Ich habe noch Großes vor Augen, aber im Moment weiß ich gar nichts. Weder, was die WM anbelangt, noch sonst was. Jetzt fehlt nur noch der Kolbenfresser über 1.500 m, dann hätte ich verletzungsmäßig alle Disziplinen durch“, haderte der skeptisch wirkende 26 Jahre alte Westfale.

          Doch aufgeben will er nicht: „Meine 8.706 Punkte will ich einfach noch knacken. Das kann nicht alles gewesen sein, ich habe doch eigentlich wieder so viel Spaß am Zehnkampf.“

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