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Leichtahtletik-WM : Das Thema Doping ist tabu und doch in aller Munde

  • Aktualisiert am

Mittendrin im Possenspiel vor der Presse: Michael Johnson und Nils Schumann Bild: dpa

Michael Johnson hatte Redeverbot. Fragen zum Thema Doping waren bei der Pressekonferenz vor der Leichtathletik-WM in Edmonton nicht zugelassen.

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          Warum über Doping reden? Tut nicht nötig, dachten die Organisatoren einer Pressekonferenz. Sportartikel-Gigant Nike hat kein Interesse an solchen Diskussionen. Bei Michael Johnson verschlechtert sich dann schlagartig die Laune.

          So war es auch in Edmonton. Rekordweltmeister und Sportartikel-Gigant haben mit einem Interviewverbot zur Dopingproblematik für einen Eklat gesorgt und ihre eigenwillige Auffassung von Pressefreiheit demonstriert. Journalisten wurden daran gehindert, Sportler zu dem ungeliebten Thema zu befragen. Die bei der Firma unter Vertrag stehenden Athleten, darunter 800-m-Olympiasieger Nils Schumann, erhielten einen Maulkorb.

          Michael Johnson mit ablehnender Handbewegung

          Zu der Pressekonferenz am Rande der Leichtathletik-WM hatte die Ausrüsterfirma selbst eingeladen. Superstar Michael Johnson, der in dieser Saison seine Karriere beendet, war von seinem Sponsor als Moderator gewonnen worden.

          Als einer der rund 200 Journalisten in der Fragerunde die britische Crosslauf-Weltmeisterin Paula Radcliffe um eine Stellungnahme zum aktuellen Fall der wegen EPO-Dopings suspendierten Russin Olga Jegorowa befragen wollte, reagierte zunächst Johnson mit einer ablehnenden Handbewegung.

          Nils Schumann: „Lasse mir den Mund nicht verbieten“

          Dann schritt ein Firmensprecher ein: „Im Interesse des Sports werden Fragen über Doping nicht beantwortet.“ Dabei hatte die Britin bereits zur Antwort angesetzt. Später wurde ein weiterer Frageversuch eines Journalisten abgebügelt. Nils Schumann meinte allerdings später: „Auch zum Thema Doping lasse ich mir von niemandem das Wort verbieten.“

          Sein Manager Klaus Kärcher erklärte: „Die Reaktion des Veranstalters war äußerst unprofessionell. Auf solche Fragen muss man doch vorbereitet sein, sonst darf man nicht zu einer Pressekonferenz einladen.“ Die diktatorische Vorgehensweise des Sportartikel-Giganten insbesondere im Zusammenhang mit seinem Werbeträger Michael Johnson ist keineswegs neu. Es passt aber irgendwie: Man redet nicht drüber, aber eigentlich muss drüber geredet werden.

          17 Fälle in den USA verschleiert?

          Denn die unendliche Auseinandersetzung im Anti-Doping-Kampf zwischen dem IAAF und dem US-Verband ist dagegen neu entflammt. Am Rande des IAAF-Kongresses in Edmonton wurde bekannt, dass bei den Olympischen Spielen in Sydney ein US-Athlet teilgenommen hat, der in den USA zuvor offenbar positiv auf eine anabole Substanz getestet worden war. „Diese Nachricht ist total neu für uns. Es kann jeder gewesen sein“, sagte der für Dopingfragen in der IAAF zuständige Vize-Präsident Prof. Arne Ljungqvist.

          Den Fall habe eine unabhängige Kommission enthüllt, sich aber trotz mehrfacher Nachfrage immer wieder geweigert, Namen zu nennen. „Wir waren deshalb machtlos und konnten unser Regelwerk nicht anwenden“, meinte der Schwede, der in einem Gespräch mit US-Offiziellen auf eine schnelle Klärung des Sachverhalts drängt. Im Vorfeld von Olympia waren bereits Gerüchte laut geworden, wonach gleich 17 positive Fälle seitens des nationalen Verbandes verschleiert worden waren.

          Bereits beim letzten Kongress in Sevilla hatte die IAAF bekannt gegeben, dass USATF nicht alle positiven Fälle seiner Athleten an den Weltverband weiterleiten würde. Die IAAF rügte damals ausdrücklich die „unkooperative Haltung“ der Amerikaner, die zudem Verfahren systematisch verzögern würden. Deshalb rechnet auch kaum einer der Experten mit einer kooperativen Haltung der USA bei der Umsetzung der jüngst beschlossenen Anti-Doping-Regeln.

          Fall Jegorowa vor dem Schiedsgericht?

          Unterdessen steht dem Internationalen Sportgerichtshof CAS ein paar Tage nach seiner Anerkennung durch die IAAF als letzte Instanz in Doping-Streitfragen vielleicht schon der erste Fall bevor. „Es könnte vielleicht passieren, obwohl die Angelegenheit bei einer positiven B-Probe relativ klar ist“, sagte DLV-Präsident Clemens Prokop und sprach damit den möglichen Gang von Russlands Hallen-Weltmeisterin Olga Jegorowa vor das Schiedsgericht an. In einer am 6. Juli in St. Denis abgenommenen Urinprobe waren bei der 5.000-m-Hoffnung Rückstände des die Ausdauer verbessernden Blutdopingmittels EPO nachgewiesen worden.

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