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Leichathletik-DM : "Oldies" wehren Angriff der "jungen Wilden" ab

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Deutsche Leichtathleten zeigten, was sie können Bild: dpa/dpaweb

Der Deutsche Leichtathletik-Verband muß zwei Monate vor den WM in Paris weiter auf seine Routiniers setzen und bei den „jungen Wilden“ noch kräftig Aufbauhilfe leisten.

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          Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) muß zwei Monate vor den Weltmeisterschaften in Paris weiter auf seine Routiniers setzen und bei den „jungen Wilden“ noch kräftig Aufbauhilfe leisten. Bei den 103. nationalen Titelkämpfen in Ulm wehrten die „Oldies“ wie Dieter Baumann, Lars Riedel, Astrid Kumbernuss und Melanie Paschke am Wochenende die oft nur halbherzigen Angriffe aus der zweiten Reihe locker ab. Geduld braucht der DLV auch noch mit Vize-Europameisterin Grit Breuer, die bei ihrem Saisondebüt über 400 m der Berlinerin Claudia Marx (52,00 Sekunden) unterlag und mit 52,26 deutlich die WM-Norm von 51,37 verpaßte. Über die gleiche Distanz setzte sich Europameister Ingo Schultz vor 13.000 Zuschauern souverän in 45,29 Sekunden durch.

          Für dieses Jahr abschreiben muß der Verband hingegen 800-m- Olympiasieger Nils Schumann, der an der Ferse operiert wird. „Die Alten haben noch ein Leistungsvermögen, daß zum Teil Weltklasse ist“, bilanzierte Rüdiger Nickel. Der DLV-Vizepräsident für Leistungssport bemängelte am Sonntag aber auch, „daß dahinter zu wenig gemacht wurde. Das war teilweise erschreckend“.

          Leistungslücken

          Nachdem bereits im Vorfeld 57 Athleten - die Staffeln eingeschlossen - die Normen für Paris (23. bis 31. August) erfüllt hatten, rechnete Nickel ohnehin nicht mehr mit einem großen Leistungsschub. Zumal das WM-Team erst am 5. August nominiert wird und die Kandidaten bis dahin noch nachlegen können. Im Donaustadion kamen nur noch 400-m-Hürden-Meisterin Stephanie Kampf (Sindelfingen), Stabhochspringer Björn Otto (Uerdingen/Dormagen) und Speerwerfer Peter Blank (Frankfurt/Main) als A-Norm-Erfüller hinzu. Ansonsten klafften in einigen Disziplinen große Leistungslücken.

          Ingo Schultz startete durch

          So lief Olympiasieger Baumann über 5.000 Meter nach 13:41,22 Minuten unbehelligt ins Ziel und wurde für seinen insgesamt 40. deutschen Meistertitel stürmisch gefeiert. „Ich hatte mehr mit einer Niederlage als mit einem Sieg gerechnet. Aber die Konkurrenz war überraschend schwach“, meinte der 38-jährige Schwabe.

          Riedel schenkt sich Titel zum Geburtstag

          An seinem 36. Geburtstag entschied der fünfmalige Weltmeister Lars Riedel das Diskus-Duell mit seinem ungeliebten Dauerrivalen Michael Möllenbeck (Wattenscheid) deutlich für sich und holte mit 66,60 seinen zehnten Titel. Das halbe Dutzend an ersten Plätzen voll machten Ex-Weltmeister Karsten Kobs (Leverkusen) mit 77,98 Meter im Hammerwerfen und Kugelstoß-Olympiasiegerin Astrid Kumbernuß aus Neubrandenburg mit ebenso mäßigen 19,36 Meter.

          Einen Wettkampf von internationaler Klasse zeigten die Stabartisten. Hallen-Weltmeister Tim Lobinger scheiterte nach übersprungenen 5,75 Metern erst an der Jahresweltbestleistung von 5,91 Metern. „Ich bin traurig drüber, daß wir nur Randfiguren gewesen sind“, ärgerte sich der Kölner jedoch über die geringe Beachtung. Bei den Frauen lieferten sich Annika Becker (Erfurt) und Ivonne Buschbaum (Stuttgart) einen packenden Zweikampf. Die gebürtige Ulmerin Buschbaum übertrumpfte dabei mit der DLV-Jahresbestleistung und Weltklasse-Höhe von 4,70 m Ex-Europarekordlerin Becker (4,65).

          Speerwerfer als Medaillenhoffnungen

          Eine heiße Medaillenkandidatin für Paris ist ebenso wie Stabhochsprung-Asse Speerwerferin Steffi Nerius. Die Vize- Europameisterin aus Leverkusen warf mit der deutschen Jahresbestleistung von 64,42 Metern gleich neun Meter weiter als die Zweite Mareike Rittweg (Thum). Auch die Frankfurterin Hammerwerferin Susanne Keil zeigte mit der Siegesweite von 71,15 Metern ihre Klasse.

          Grit Breuer hat nach ihrer scheinbar überstandenen Achillessehnenverletzung wieder einen Rückschlag erlitten. „Ich habe 60, 70 Meter vor dem Ziel das Tempo rausgenommen, weil ich Schmerzen an der alten Stelle bekommen habe“, klagte die Magdeburgerin. Schultz blieb zwar eine Zehntelsekunde über seiner Saisonbestzeit, war aber zufrieden: „Die Form ist ansteigend. Ich will bei der WM unter 45 laufen, damit kann man schon was machen.“ Die schnellste deutsche Sprinterin war „Mama“ Melanie Paschke (33): Die Wattenscheiderin gewann zum fünften Mal über 100 Meter in mäßigen 11,41 Sekunden. Bei den Männern unterbot ihr Vereinskollege Alexander Kosenkow mit der DLV-Saisonbestzeit von 10,25 Sekunden wenigstens die B-Norm für die WM und dürfte somit der einzige deutsche WM-Teilnehmer über 100 Meter sein.

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