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Lebensmittel : „Ohne Konservierungsstoffe“

  • -Aktualisiert am

Alles frisch unter 20 Grad minus: Tiefkühlung vom Fleisch bis zur Sahnetorte. Bild: dpa

Einige Konservierungstoffe stehen unter dem Verdacht, krebserregend zu sein. Daher achten viele Verbraucher beim Einkaufen auf den Hinweis „Ohne Konservierungsmittel“. Zu recht?

          Der Hinweis „Ohne Konservierungsmittel“ steht fettgedruckt auf vielen Lebensmittelpackungen, als Kaufanreiz der gesunde Nahrung verspricht. Denn Konservierungsstoffe findet der Verbraucher gar nicht lecker. Sie stehen für Künstlichkeit und pure Chemie, angerührt um den Lebensmitteln alles Lebendige und damit alles Gesunde zu nehmen.

          Gäbe es aber keine Konservierungsmittel würde dieser Verbraucher vermutlich gar nicht alt genug, um sich solche Gedanken zu machen. Denn Konservieren heisst nicht nur vor Verderb bewahren, sondern auch vor Krankheit. Von Keimen und Bakterien befallene Lebensmittel können sogar tödlich sein. Konservierung ist also grundsätzlich eher von Vorteil. Aber man muss schon unterscheiden: es gibt harmlose und weniger harmlose Konservierungsmittel.

          Am Anfang war das Salz

          Der Mensch hat schon immer versucht seine Nahrung haltbarer zu machen. Eines der ersten Konservierungsmittel war das Salz, eine andere althergebrachte Methode das Räuchern. (Tief)Kühlung über die Eskimo-Iglus hinaus machten erst Kühlschränke möglich. Und dann gibt es biochemische Stoffe, ohne deren Konservierungs-Hilfe die Industrialisierung womöglich gescheitert wäre. Als die Bevölkerung vom Land in die Städte zog, wo es kaum Gemüseäcker und Viehställe für die Direktversorgung gab.

          Udo Pollmer, Leiter des Europäischen Instituts für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften berichtet, dass zu Beginn der Industrialisierung die antiseptischen Eigenschaften von Fluoriden und Chloraten für Lebensmittel genutzt wurden. Damals waren toxikologische Untersuchungen unbekannt. „Bor-, Salicyl- und Ameisensäure stellten dagegen schon einen Fortschritt dar.“

          Auch konservierte Ware verdirbt irgendwann“

          Die Benzoesäure kam Anfang des 20. Jahrhunderts dazu, die Propionsäure Ende der 30er Jahre. „Unsere heutigen Konservierungsmittel sind im Vergleich zu den Stoffen aus den Anfängen der Chemie relativ bekömmlich.“, beruhigt Pollmer. „Erst in den 50er Jahren wurde der harmloseste aller Konservierungsstoffe eingeführt, die Sorbinsäure“, klärt der Experte auf. „Natürlich gibt es gute Gründe auch dem Einsatz der heute erlaubten Mittel Grenzen zu setzen: Sie können beispielsweise einer nachlässigen Hygiene Vorschub leisten oder sogar der vermehrten Bildung von Schimmelpilzgiften. Denn auch konservierte Ware verdirbt irgendwann, beispielsweise durch aufkeimende Schimmelpilze.“

          Zur Zeit sind 47 Konservierungsstoffe innerhalb der EU zugelassen. Der Ratgeber der Verbraucherzentralen „Was bedeuten die E-Nummern“ listet nicht nur alle diese Zusatzstoffe auf, sondern bewertet sie auch. Und so erfährt der aufgeklärte Konsument, dass 33 der 47 zugelassenen Stoffe als problematisch zu betrachten sind - die Broschüre rät daher „vom häufigen Verzehr“ ab, zum Beispiel von Nitritpökelsalz, Benzoesäure und Natriumsulfit.

          Viele Konservierungsmittel machen krank

          Unter Schwefeldioxid (E220) heißt es dann: „Künstlich hergestellter Konservierungsstoff. Wird vorwiegend in Weißweinen, Trockenfrüchten und Kartoffelerzeugnissen eingesetzt. Behindert die Aufnahme von Vitamin B1 und kann bei empfindlichen Menschen zu Kopfschmerzen und Übelkeit führen, ab 25 mg pro Liter Wein. Bei Asthmatikern kann das sogenannte „Sulfit-Asthma“ hervorgerufen werden.“

          Auch Biphenyle fördern nicht unbedigt das Wohlbefinden, daher kommt es nur beschränkt zum Einsatz gegen Schimmel- und Pilzbefall für Schalen von Zitrusfrüchten oder für deren Einwickelpapier. Der Ratgeber warnt ausdrücklich vor Biphenylen: „Beim Schälen überträgt man mit den Fingern einen Teil des Mittels auf das Fruchtfleisch, daher Hände nach dem Schälen oder Berühren des Einwickelpapiers gründlich waschen. Im Tierversuch wurden bei hohen Konzentrationen innere Blutungen und Organveränderungen beobachtet.“

          Obst besser unbehandelt

          Mit Biphenylen behandelte Früchte müssen entsprechend gekennzeichnet sein. Also besser unbehandelte Orangen und Zitronen kaufen. Probionsäure - wieder zugelassen nach einem Verbot von 1988 - hat im Tierversuch Krebs ausgelöst.

          Wer den handlichen Ratgeber der Verbraucherzentralen eine zeitlang zum Einkaufen mitnimmt und die Zusatzstoffe auf den Zutatenlisten nachschlägt, weiß bald auswendig, welche Lebensmittel der Gesundheit zuliebe besser nicht gekauft werden sollten. Zum Beispiel Feinkostsalate aus dem Kühlkregal, fertige Fisch- und Fleischprodukte - solche Nahrungsmittel verderben schnell ohne Konservierung.

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