https://www.faz.net/-gtl-p8le

Lars Riedel : Ein Hüne humpelt aus dem Ring

  • Aktualisiert am

Trauriger Abgang: Lars Riedel Bild: AP

Die einmalige Karriere von Lars Riedel scheint ein trauriges Ende genommen zu haben. Daß der Diskus-Olympiasieger, der in Athen verletzt aufgeben mußte, mit 37 Jahren ein Comback versucht, erscheint unwahrscheinlich.

          2 Min.

          Er war der „Herr der Ringe“ und eine Medaille in Athen sein letztes großes Ziel, doch der finale Auftritt auf der olympischen Bühne endete für Lars Riedel vorzeitig mit großen Schmerzen.

          Nach Gold 1996 in Atlanta und Silber vier Jahre später in Sydney trat der fünfmalige Diskus-Weltmeister humpelnd von der Sportbühne ab. Leise sagte der 37jährige servus, gestoppt durch eine Verletzung am Oberschenkel, die vielleicht sogar seine Karriere ganz
          beenden könnte.

          Schock im dritten Durchgang

          Statt wie erhofft medaillengeschmückt das Olympiastadion zu verlassen, hinkte der Zwei-Meter-Mann nach dem dritten Durchgang am Montagabend mit einem dicken Eisbeutel am Bein aus dem Stadion. Minutenlang hatte er sich zuvor auf dem Boden liegend behandeln lassen müssen. Zwei Helfer stützten den Hünen und verfrachteten ihn in ein Auto Richtung Olympisches Dorf. Der mit 62,80 m erzielte achte Platz hatte keine Bedeutung.

          Noch einmal eine Medaille, mit diesem Ziel war Riedel nach Athen gereist

          Am Tag danach ließ sich Riedel vorerst entschuldigen. Rüdiger Nickel, Vizepräsident Leistungssport im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV), erklärte das Fehlen Riedels bei der täglichen Pressekonferenz. „Es stehen noch Untersuchungen aus, eine Kernspintomographie soll letzten Aufschluß über das Ausmaß der Verletzung bringen“, sagte Nickel am Dienstag im Deutschen Haus. Nach dem gegenwärtigen Stand soll es sich um eine Adduktorenverletzung handeln, nahe der Stelle, die Riedel schon zuvor Probleme bereitet hatte.

          Riedels Olympia-Start „gerechtfertigt“

          Der Chemnitzer, der über ein Jahrzehnt die Szene beherrschte und alles gewinnen konnte, was es zu gewinnen gab, war nicht fit in Athen angereist, wo er 1997 an gleicher Stelle seinen vierten WM-Titel hatte feiern können. Seit drei Monaten plagte ihn eine Adduktoren- und Schambeinentzündung, die man nach der Absage bei den deutschen Meisterschaften in Braunschweig im Griff zu haben glaubte. Vor dem Abschlußtraining vor der Abreise nach Athen mußte der Sachse in Kienbaum mit Kortison behandelt worden.

          Nickel verteidigte Riedels Olympia-Start als „gerechtfertigt“. Er habe in Zürich und München Weltklasseleistungen gezeigt. Daß die Verletzung in diesem Ausmaß wieder aufbricht, sei nicht vorauszusehen gewesen. „Der Verband hat keine Möglichkeiten, einem Athleten, der große Verdienste für die deutsche Leichtathletik errungen hat, zu sagen: Du bist alt, Deine Knochen sind brüchig, mach einem Jüngeren Platz. Entscheidend ist die Leistung“, sagte Nickel.

          Immer anfälliger für Verletzungen

          Schon beim Einwerfen merkte Riedel, daß es nicht richtig geht. „Aber das darf man dem Gegner nicht zeigen“, meinte er und biß die Zähne bis zum dritten Versuch zusammen. Ein gesunder Riedel hätte gute Chancen auf Rang drei gehabt, den der Ungar Zoltan Kovago mit 67,04 m belegte. Olympiasieger Robert Fazekas (Ungarn), der mit 70,93 m den olympischen Rekord von Riedel um 53 Zentimeter übertraf und der entthronte Olympiasieger Virgilijus Alekna (Litauen/69,89) waren schon außer Reichweite.

          Riedels Körper ist in den letzten Jahren immer anfälliger für Verletzungen geworden. Schulter, Rücken und Beine spielten nicht mehr richtig mit. 2002 mußte er völlig pausieren, kämpfte sich aber wieder zurück, blieb jedoch bei der WM in Paris nach sechs Medaillen seit 1991 als Vierter erstmals ohne Podestplatz. Ob der Chemnitzer seine Karriere unter diesen Umständen fortsetzt, muß er selbst entscheiden. Er hat noch ein Jahr Vertrag in Chemnitz und im Herbst ist er mit Trainer Karl-Heinz Steinmetz nach Peking eingeladen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der türkische Präsident mit seiner Ehefrau Emine in der Hagia Sophia

          Zukunft der Türkei : Kommt jetzt das Kalifat?

          Versperrte Wege: Wofür die Türkei dem Westen nicht mehr zur Verfügung steht und wohin sie unter dem „neuen Sultan“ treibt. Ein Gastbeitrag.
          Der Hauptangeklagte Stephan E. mit seinem Verteidiger.

          Geständnis von Stephan E. : „Es war falsch, feige und grausam“

          Eine schwere Kindheit, Jähzorn und Ausländerhass, der vom Vater übernommen sein soll. Nach dem Geständnis von Stephan E., Walter Lübcke erschossen zu haben, ist dessen Familie empört.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.