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Langlauf : Vom Winde verweht

  • Aktualisiert am

Langlauf am Rhein Bild: dpa

Der Weltcup-Auftakt der Skilangläufer am Rheinufer in Düsseldorf musste wegen Orkanböen bis zu 150 Stundenkilometern nach der Staffel-Qualifikation abgebrochen werden.

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          Winterliche Stimmung am Rhein, dazu die WM-Tickets für Claudia Künzel und Rene Sommerfeldt - das erste Weltcup-Rennen der Ski-Langläufer in einer deutschen Großstadt war an der Düsseldorfer Rheinuferpromenade sportlich und organisatorisch ein großer Erfolg.

          Obwohl Staffel-Olympiasiegerin Künzel als Achte und Sommerfeldt mit Platz sieben nur im kleinen Finale des 1,5-Kilometer-Sprints laufen durften, sorgten rund 150.000 Fans an der 750 Meter langen Piste für eine fantastische Atmosphäre. „Das Publikum war begeistert, das ist hervorragend was hier stattfindet“, meinte Bundestrainer Jochen Behle.

          Abbruch wegen Windwarnung

          Nachdem ein Sturmwind mit 120 Stundenkilometern TV-Kameras und Werbebanden durch die Luft gewirbelt hatte, musste das mit 2500 Kubikmeter Kunstschnee ermöglichte Megaevent am Sonntag allerdings vorzeitig abgebrochen werden.

          Evi Sachenbacher: „Zuviel Rummel”
          Evi Sachenbacher: „Zuviel Rummel” : Bild: dpa

          „Wir mussten abbrechen, weil eine akute Gesundheitsgefährdung bestand. Eine TV-Kamera ist direkt auf die Strecke gefallen“, erklärte Langlauf-Chef Bengt Erik Bengtsson vom Internationalen Skiverband FIS. „Es ist alles sehr glimpflich abgegangen, es wurden weder Sportler noch Zuschauer verletzt.“

          Die Ergebnisse der Sprint-Staffeln wurden annulliert. An einen Abbruch eines Weltcuprennens wegen Windes konnte sich Bengtsson nicht erinnern, bei der WM 2001 musste das 30-Kilometer-Rennen der Frauen wegen Kälte abgesagt werden.

          Wird Langlauf am Rhein zur Tradition?

          Trotz des unplanmäßigen Finales wurde die mit einem Etat von einer Million Euro organisierte Premiere eines Weltcupauftakts mitten im Herbst von den Organisatoren als Erfolg bezeichnet.

          „Wir haben bewiesen, dass man am Rhein Ski laufen kann. Und 350.000 Zuschauer sprechen für sich“, meinte OK-Präsident August Pollen. Doppel-Olympiasiegerin Rosi Mittermaier und Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle fanden unisono, dass „so eine Veranstaltung zur Tradition werden sollte“.

          Bundestrainer ist zufrieden

          Sportlich lief es für die Deutschen ebenfalls ordentlich. „Natürlich hätten wir gerne noch deutsche Starter im Finale gehabt“, so Behle, „aber insgesamt können wir mit dem Ergebnis, vier Damen und zwei Herren unter den besten 16, zufrieden sein.“

          Künzel und Sommerfeldt lösten gleich im ersten Weltcuprennen das Ticket für die Weltmeisterschaften im Februar 2003 in Val di Fiemme (Italien). Die ersten Siege der neuen Saison gingen an die Norwegerin Marit Bjoergen und den Schweden Peter Larsson, die jeweils zum ersten Mal im Weltcup ganz vorne waren.

          „Es war zuviel Rummel“

          Dagegen verpasste Evi Sachenbacher, die in Salt Lake City über diese Strecke Olympia-Silber gewonnen hatte, den Sprung unter die besten Acht und die direkte WM-Qualifikation. Die 21-Jährige war bereits im Viertelfinale ausgeschieden.

          „Ich war heute einfach nicht schnell genug“, so Sachenbacher. „Es war zuletzt einfach zu viel Rummel, mir ist das alles ein wenig über den Kopf gewachsen. Ich war nicht richtig heiß auf diesen Wettkampf.“

          Am Sonntag will sie gemeinsam mit Claudia Künzel in der Staffel aber einen neuen Anlauf nehmen: „Ich glaube, dass ich mehr kann.“ Auch Behle nahm die Bayerin in Schutz: „Sie war ein bisschen müde. Es war zuletzt alles ein bisschen viel für sie.“

          2500 Kubikmeter Schnee für 750 Meter Piste

          Die Stimmung an der Strecke hat die Olympia-Heldin aber fasziniert. „Es macht total viel Spaß, hier zu laufen“, sagte Sachenbacher. „Auch wenn mir ein paar Berge gefehlt haben. Aber das ist in der Stadt nun mal so.“

          Auch Claudia Künzel war in den letzten Läufen ein wenig die Kraft ausgegangen. „Ich wollte noch zusetzen, aber mehr war einfach nicht möglich“, sagte die Oberwiesenthalerin, die mit Platz acht allerdings ebenso zufrieden war wie Sommerfeldt mit seinem siebten Rang: „Das war mein bester Sprint seit eineinhalb Jahren. Ich habe gleich im ersten Rennen die WM-Qualifikation erfüllt und bin sehr zufrieden.“

          Wie für Evi Sachenbacher schieden in Düsseldorf auch Stefanie Boehler und Anke Reschwamm im Viertelfinale aus. Bei den Herren war dort für Tobias Angerer Endstation. Für den Auftakt des Langlaufweltcups war in den letzten Tagen mit 2500 Kubikmeter Schnee aus der Skihalle im benachbarten Neuss eine 750 Meter lange Piste mit zwei künstlichen Anstiegen präpariert worden.

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