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Langlauf : Johann Mühlegg gewinnt Gold für Spanien

  • -Aktualisiert am

Allein auf dem Weg zu olympischem Gold: Johann Mühlegg Bild: AP

Der gebürtige Allgäuer deklassierte die Langlauf-Weltelite beim Massenstart über 30 Kilometer: „Das war heute mein Rennen.“

          2 Min.

          Wenn spanische Stiere Skilanglauf betreiben würden, hätten sie bei Johann Mühlegg wenig zu lachen. „Ich fühle mich wie ein Torero“, sagte der für Spanien startende Allgäuer nach seinem sensationell souveränen Sieg über 30 Kilometer Freistil im Massenstart-Wettbewerb.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Mit seiner unglaublichen Kraftausdauer rannte der Langläufer der Konkurrenz vom Start weg auf und davon und gewann überlegen und völlig unbeeindruckt von der schwierigen Strecke die erste Goldmedaille der Skilanglaufgeschichte für Spanien. „Ich wusste, dass ich bei diesem Rennen von Anfang an Druck machen muss. Also habe ich Druck gemacht“, erklärte er seine einfache, aber wirkungsvolle Taktik.

          Zwei Medaillen für Österreich

          Die beiden Österreicher Christian Hoffmann und Mikhail Botvinov erkämpften sich mit gut zwei Minuten Rückstand Kopf an Kopf Silber und Bronze. Bester für den deutschen Skiverband startender Deutscher war Rene Sommerfeldt, der nach zwei Stürzen Platz 17 belegte. Axel Teichmann wurde 20., Tobias Angerer kam auf Platz 34 ins Ziel.

          „Wir wollten einen unter den besten zehn und einen weiteren unter den besten 15“, sagte Trainer Jochen Behle: „also können wir nicht zufrieden sein.“ Sommerfeldt habe mit seinen beiden Stürzen Pech gehabt, deshalb sei sein Ergebnis okay. „Für Axel Teichmann lief es nicht optimal und Tobias Angerer hat sich bei der Skiwahl vergriffen. Er hatte nie eine Chance“, rsümierte Behle gegenüber FAZ.NET.

          Der Konkurrenz enteilt

          Aber im Grunde genommen hatte die gesamte Konkurrenz nie eine Chance. Schon bei 4,5 km löste sich Mühlegg, der mit seinem kraftvollen Laufstil eher an einen Stier, als an einen Torero erinnert, von seinem letzten Begleiter. Der Weltcupführende Per Elofsson aus Schweden gab kurz danach entnervt das Rennen auf. Alle anderen Favoriten liefen weiter und konzentrierten sich bald nur noch auf den Kampf um die Silbermedaille. „Es war unmöglich, Johann einzuholen“, sagte Christian Hoffmann.

          Mühlegg legte von Zwischenzeit zu Zwischenzeit mehr Abstand zwischen sich und den Rest. Zweifel, er könne sein hohes Tempo nicht halten, hatte keiner, am wenigsten Mühlegg selbst: „Ich habe einen Turbo-Diesel-Motor, ich verliere nie mein komplettes Tempo.“ Sein ehemaliger Mannschaftskamerad Jochen Behle zog nach dem Rennen „sämtliche Hüte vor Johann. Seine Leistung war phänomenal.“

          Rückkehr nach Deutschland kein Thema

          Eher langweilig fanden alle Beteiligten die Spekulationen, ob Mühlegg aus der spanischen Ski-Fiesta nicht mal wieder ein deutsches Volksfest machen könnte. „Ich war Weltcupsieger für Spanien, Weltmeister für Spanien und jetzt bin ich Olympiasieger für Spanien“, sagte Mühlegg klipp und klar.

          Auch Behle winkte ab: „Das Thema ist gegessen. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass es irgendeinen gibt, der Johann nicht in seinem Team haben will, aber es gibt auch keinen Grund für Johann, zu uns zurückzukehren.“ Dopinggerüchte angesichts der unerklärlichen Überlegenheit wies Behle vehement zurück: „Es gibt immer Sportler, die physisch einfach überlegen sind. Ich weiß ja was und wie er trainiert, man muss seine Leistung einfach neidlos anerkennen.“

          Einzelgänger mit eigener Taktik

          Warum der Allgäuer so weit voran rennen konnte, erklärte der mit seiner guten Vorbereitung. Zudem habe er im vergangenen Jahr die olympische Generalprobe gewonnen, die viele Skandinavier wegen der Reisestrapazen ausgelassen hatten. „Ich war damals zwar jet-laged und anschließend krank, aber es hat sich gelohnt“, freute sich Mühlegg über seinen eigenen Weg der Saisonplanung.

          Wobei er in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt ließ, im Grunde genomen kein Teamspieler zu sein. „Skilanglauf ist ein individueller Sport. Wenn Du Erfolg hast, hast Du individuellen Erfolg.“ So gesehen könnte er theoretisch auch für die Fiji-Inseln starten, denn die Spanier lassen ihn weitgehend autonom trainieren.

          Politisch im Allgäu verhaftet

          Dass er seine Wurzeln allerdings nicht wahllos versetzt, stellte Mühlegg klar: „Ich habe natürlich noch einen Lebensmittelpunkt in Grainau. Und ich bin auch politisch orientiert. Mein Favorit als Kanzlerkandidat ist Stoiber.“ Fragt sich nur, ob der im Falle einer Niederlage bei der Bundestagswahl, sich auch um das Ministerpräsidentenamt in Spanien bewerben würde.

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