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Langlauf : Historische Medaille für deutsches Quartett

  • Aktualisiert am

Historischer Erfolg: die deutsche Langlauf-Staffel Bild: dpa

Nach 26 Jahren ohne Ski-Langlaufmedaille hat die deutsche Männer-Staffel über 4x10 Kilometer Bronze gewonnen.

          2 Min.

          Das deutsche Männer-Quartett hat bei den Winterspielen von Salt Lake City die erste olympische Medaille in einer Langlauf-Staffel seit 1976 gewonnen. „Das ist historisch", jubelte Bundestrainer Jochen Behle. „Super, wie souverän wir die Medaille herausgelaufen haben. Es war gar nicht knapp, wir haben uns sogar noch nach vorne orientiert."

          Am Ende reichte es zu Bronze über 4x10 Kilometer. Jens Filbrich, Andreas Schlütter, Tobias Angerer und Schlussläufer Rene Sommerfeldt belegten in der Loipe von Soldier Hollow überraschend den dritten Platz. Gold holte sich wie schon 1998 in Nagano Norwegen im Sprint vor Italien.

          „Das ist Wahnsinn"

          Als René Sommerfeldt die deutsche Staffel ins Ziel gelaufen hatte, brachen im Innenraum alle Dämme. Während sich das Quartett vor Freude ausgelassen im Schnee wälzte, spielten sich im deutschen Langlauflager unbeschreibliche Jubelszenen ab.

          Auf dem Weg zu Bronze: die deutsche Staffel mit Andreas Schlütter (vorn)
          Auf dem Weg zu Bronze: die deutsche Staffel mit Andreas Schlütter (vorn) : Bild: dpa

          „Das ist Wahnsinn. Wir sind überglücklich. Es hat einfach alles gepasst“, sagte Langlauf-Koordinator Jochen Behle. „Wir sind total happy. Das ist das i-Tüpfelchen“, meinte Sommerfeldt, der mit gen Himmel gestreckten Armen das Ziel durchquerte und sofort von seinen Teamkameraden zu Boden gerissen wurde.

          Wenige Sekunden zuvor hatte Thomas Alsgaard unter den Augen seines Königs Harald in einem dramatischen Finish den Italiener Cristian Zorzi um 3/100 distanziert und damit erfolgreich Revanche für die bittere Niederlage vor acht Jahren in Lillehammer genommen.

          Vorläufige Krönung der guten Arbeit

          „Das ist einfach geil“, beschrieb Angerer seine Gefühle nach dem Rennen der Deutschen. 1980 in Lake Placid und 1994 in Lillehammer hatten die Herren-Staffeln mit jeweils vierten Plätzen ihre bislang beste Platzierung bei Olympischen Winterspielen erreicht.

          In Salt Lake City wurde die gute Arbeit der letzten Jahre vorläufig gekrönt. Die letzte Männer-Medaille im Langlauf hatte Gert-Dietmar Klause 1976 in Innsbruck mit Silber über 50 Kilometer gewonnen.

          Vor einem Jahr hatten die DSV-Läufer bereits den Gewinn von WM-Bronze feiern können. Dabei profitierten sie allerdings von der nachträglichen Disqualifikation der gedopten Finnen. Die Plaketten wurden erst vier Monate später im Juni verteilt. In Soldier Hollow konnte das Quartett den größten Erfolg sofort auskosten. „Diese Medaille ist die erste Richtige, die zählt“, meinte Schlütter, der auf seinem Abschnitt die drittbeste Zeit lief.

          Die klassischen Läufer legten vor

          Startläufer Jens Filbrich war nach einem starken Auftritt als Vierter hinter Norwegen, Italien und Kasachstan zur Wechselmarke gekommen und rechtfertigte damit das ihm entgegengebrachte Vertrauen. Der 22-jährige Sportsoldat hatte erst zwei Tage vor der Entscheidung von seinem Einsatz an Stelle des formschwachen Axel Teichmann erfahren. „Für mich ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen, die deutsche Staffel bei Olympia anzulaufen“, meinte Filbrich, dessen Mutter Sigrun Krause vor 26 Jahren mit der DDR-Langlauf-Staffel Olympia-Bronze gewonnen hatte.

          Auf der zweiten Schleife lief Andreas Schlütter das deutsche Quartett erstmals auf einen Medaillenrang. Der 29-Jährige setzte sich sofort an die Spitze der Verfolgergruppe hinter den dominierenden Norwegern und zur Hälfte gemeinsam mit Olympiasieger Andrus Veerpalu aus Estland ab: „Ich hatte damit gerechnet, dass Veerpalu von hinten kommt. Ich habe mich gleich ran gehängt und gedacht: Er ist zwar Olympiasieger, aber auch nur ein Mensch.“

          Teichmann fehlte erneut

          Tobias Angerer lief in einer sich formierenden Dreier-Gruppe mit dem Olympiadritten Jaak Mae und dem Italiener Pietro Piller Cottrer ein großes Rennen. „Erst einmal ein Kompliment an die beiden Klassiker. Das war phänomenal“, meinte Angerer. „Ich habe schon im Jagdrennen vor zwei Tagen gemerkt, dass es bei mir gut läuft“.

          René Sommerfeldt hatte danach wenig Mühe, den estnischen Schlussläufer abzuhängen. „Dennoch habe ich erst auf der letzten Runde daran geglaubt, dass es heute klappt. Eine Medaille war unser Ziel“, meinte der WM-Zweite von Lahti über 50 Kilometer.

          In der Stunde des Erfolges dachte Sommerfeldt aber auch an Axel Teichmann, der wie im Vorjahr - damals wegen einer Armverletzung - kurzfristig aus der Staffel genommen worden war: „Die Medaille ist auch für ihn.“

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