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Jahresrückblick : Armstrong gewann die Tour, aber Zabel ist die Nummer eins

  • -Aktualisiert am

Duell des Jahres: Armstrong gegen Ullrich Bild: dpa

Lance Armstrong besiegte Jan Ullrich bei der Tour de France. Die Nummer eins in der Weltrangliste ist aber ein anderer: Erik Zabel.

          Lance Armstrong gegen Jan Ullrich - dieses Duell elektrisierte auch 2001 die Radsportwelt. Hier der Amerikaner: bestimmend, unbändiger Wille, eher agierend als reagierend. Da der Deutsche: bescheiden, zurückhaltend, eher abwartend veranlagt.

          Armstrong gewann wie schon im Vorjahr die Tour de France, Telekom-Kapitän Ullrich hielt sich mit dem WM-Titel im Zeitfahren schadlos. Überragender Akteur war aber ein anderer: der um einiges vielseitigere Erik Zabel.

          Zabel von Frühjahr bis Herbst in Hochform

          Der Co-Kapitän des Bonner Profi-Radrennstalls siegte zum vierten Mal beim Klassiker Mailand - San Remo, holte sich bei Deutschland-Tour, Tour de Suisse, Tour de France und Vuelta etliche Etappensiege, dazu zum sechsten Mal das Grüne Trikot in Frankreich - Rekord. Seine Saison vom Frühjahr bis in den späten Herbst hinein krönte Zabel mit Heimsiegen bei den Sechs-Tage-Rennen in Dortmund und München.

          Ein ereignis- und aus deutscher Sicht erfolgreiches Radsportjahr 2001 - FAZ.NET blickt zurück.

          Doping-Razzia in San Remo

          Für das wichtigste Rennen des Jahres, die Tour de France, hatte sich Ullrich vorgenommen, nach den Jahren 1996, 1998 und 2000, in denen er jeweils Zweiter geworden war, den Sieg von 1997 zu wiederholen. Mit dem Giro d´Italia Mitte Mai kam Ullrichs erster Belastungstest - ohne Siegambitionen und -chancen. Nichts sollte seinen kontinuierlichen Formaufbau stören.

          Gestört wurden der Olympiasieger von Sydney und seine radelnden Kollegen auf eine ganz andere Art. Bei einer groß angelegten Polizei-Razzia in San Remo durchsuchten Beamte der italienischen Drogenfahndung die Hotelzimmer der Fahrer auf Dopingmittel. Vergleichbares hatte es bis dahin bei Sportveranstaltungen nicht gegeben.

          Auch bei Ullrich wurden verschieden Medikamente beschlagnahmt. Darunter ein Asthmaspray, für das allerdings bei der Internationale Cycling Union (UCI) eine Genehmigung besteht. Dennoch wurde zwischenzeitlich gegen ihn ermittelt, zu befürchten hat er wahrscheinlich nichts.

          Alle für Ullrich in Frankreich

          Wie ernst es Team Telekom mit dem „Unternehmen Tour-Sieg" war, zeigte die Mannschaft, die schließlich nach Frankreich geschickt wurde. Ullrich war in einer so bestechenden Form, dass das Team nur auf ihn ausgerichtet wurde.

          Selbst Erik Zabel, der bis dahin von einem Sieg zum anderen gesprintet war, musste auf seinen Edelhelfer Gian-Matteo Fagnini verzichten. Somit schien „sein" grünes Trikot in weite Ferne gerückt - eine glatte Fehleinschätzung.

          Zusammen mit dem deutschen Jens Voigt prägte Zabel auch die erste Tour-Woche. Zunächst bewies Zabel seine Extraklasse und holte sich auf der dritten Etappe zum ersten Mal das Grüne Trikot. Dann nutzte Voigt die Gunst der Stunde, um sich dank beherzter Fahrweise nach der siebten Etappe das Gelben Trikot des Gesamtführenden überzustreifen. Später gewann er sogar seine erste Tour-Etappe.

          Armstrongs Schauspiel in Alpe d´Huez

          Bis zur zehnten Etappe tasteten sich Ullrich und Armstrong gegenseitig ab. Was „Schauspieler“ Armstrong dann auf dem schweren Alpen-Teilstück hinauf nach Alpe d´Huez bot, war bühnenreif.

          Immer wieder zog der Amerikaner Grimassen, als Zeichen angeblicher Schwäche. Team Telekom machte an der Spitze das Tempo, wollte Armstrong zermürben. Doch auf dem Schlussanstieg zeigte Armstrong sein wahres Gesicht. Ein kurzer Blick in die Augen von Ullrich - und dann dieser unvergleichliche Antritt, mit dem er den Deutschen einfach und nicht zum letzten Mal stehen ließ.

          Zabel überwintert als Weltranglistenerster

          Am Ende war der Vorsprung auf fast zwei Minuten angewachsen. Der Amerikaner hatte gepokert und gewonnen. Armstrong baute auch bei den schweren Pyrenäen-Etappen seine Führung immer weiter aus.

          Obwohl Ullrich eine starke Tour fuhr, blieb ihm am Ende wieder nur Platz zwei. Daher nahm er doch noch die Rad-WM in Lissabon ins Programm, wo er Anfang Oktober seinen Sieg im Zeitfahren von 1999 wiederholte.

          Auch Erik Zabel blieb nach der Tour unermüdlich im Einsatz. Bei der Spanien-Rundfahrt holte er drei Etappensiege, kam beim Straßenrennen in Lissabon fast aufs Siegertreppchen und verabschiedete sich schließlich nach zwei Sixdays-Siegen in den wohlverdienten Urlaub. Der Lohn: Erstmals in seiner Karriere überwintert Zabel als Weltranglistenerster.

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