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Länderspiel : „Entschuldigung“: Peinliches 1:5 gegen Rumänien

  • Aktualisiert am

Deutsche Fußball-Tristesse Bild: dpa/dpaweb

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat knapp sieben Wochen vor Beginn der Europameisterschaft die höchste Niederlage unter Teamchef Rudi Völler hinnehmen müssen. In Rumänien stand es schon zur Halbzeit 0:4.

          4 Min.

          48 Tage vor dem Ernstfall gegen die Niederlande hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft eines der größten Debakel ihrer Geschichte erlebt und die Zuversicht auf eine erfolgreiche Europameisterschaft zerstört. Nach einer Flut von kurzfristigen Absagen wurde die Elf von Rudi Völler am Mittwoch abend beim 1:5 (0:4) gegen Rumänien in Bukarest regelrecht vorgeführt und erlitt die höchste Niederlage in der Amtszeit des Teamchefs seit dem 1:5 gegen England am 1. September 2001.

          Vor 15.000 Zuschauern im Stadion Stanescu betrieb der WM-Zweite beim letzten Test vor der Nominierung des EM-Kaders 45 Minuten lang Rufschädigung und kam durch Tore von Mihaita Plesan (21.), Razvan Rat (23.) und Ionel Danciulescu (36./43.) und Gabriel Caramarin (84.) hochverdient unter die Räder. Erst zwei Minuten vor Schluß gelang dem Stuttgarter Philipp Lahm mit seinem ersten Länderspiel-Tor eine Ergebnisverbesserung. Nur zwei Mal in ihrer Länderspiel-Historie (1909 gegen England und 1913 gegen Belgien) hatte eine DFB-Elf bis zur Pause vier Gegentore hinnehmen müssen. Die Erklärungen und Entschuldigungen klangen hinterher so:

          „Das war eine Katastrophe“

          Teamchef Rudi Völler: „Das Ergebnis tut natürlich weh. Für die erste Halbzeit müssen wir uns entschuldigen. In der Formation wie heute werden wir sicher nie mehr spielen, aber trotzdem waren das alles gestandene Profis. Wir haben einfache, amateurhafte Fehler gemacht und sind brutal bestraft worden. Für die erste Hälfte kann man sich nur bei allen entschuldigen. Mir selbst muß ich zum Vorwurf machen, daß ich schon zu Beginn auf Dreierkette hätte umstellen müssen. Man hat schon nach 20 Minuten gemerkt, daß es hinten Unordnung gab, das muß ich auf meine Kappe nehmen.“

          Deutsche Spezialität gegen Rumänien, demonstriert von Hamann

          DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder: „Das war eine Katastrophe. Rudi Völler tut mir leid, aber ich tue mir selbst auch leid. Das waren keine Einstellungsprobleme, sondern individuelle Fehler und Abstimmungsprobleme in der Innenverteidigung.“

          Kapitän Oliver Kahn: „Für diese Niederlage gibt es überhaupt keine Entschuldigung. Es ist völlig egal, daß die Mannschaft so noch nie zusammen gespielt hat. Es spielt auch keine Rolle, daß viele Spieler sich vor dem Spiel noch verletzt haben. Das ist eine absolute Blamage und ein sehr, sehr großer Rückschlag. Ich habe keine Worte mehr. Wir haben uns in der ersten Halbzeit
          richtiggehend abschlachten lassen. Hier braucht keiner nach Ausreden zu suchen.“

          Carsten Ramelow: „Ich hatte heute meine Probleme. Wir sahen insgesamt schlecht aus. In der zweiten Halbzeit war es ein Stück besser, aber das Spiel sollten wir schnell vergessen.“

          Notelf nach Verletzungen und Absagen

          Der viertletzte EM-Test war durch eine Serie von Verletzungen und Absagen schon vor dem Anstoß zum Muster ohne Wert geworden. Statt wie ursprünglich geplant eine Formation für die EURO einzuspielen, mußte Völler in der rumänischen Hauptstadt eine Notelf ins Rennen schicken, für die die Aufgabe vor allem zum Charaktertest wurde.

          Doch wie sich dieses Team gegen die im Umbruch befindlichen Rumänen beinahe ohne Gegenwehr in sein Schicksal ergab, brachte nicht nur den Teamchef auf die Palme. Konsterniert mußten Völler sowie DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und Bundesinnenminister Otto Schily auf der Tribüne mitverfolgen, wie das Team in seine Einzelteile zerfiel und erstmals in der Ära Völler vier Gegentore bis zur Halbzeit schluckte.

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