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Kugelstoßen : Bronze für Kleinert - Tränen bei Kumbernuss

  • Aktualisiert am

Enttäuschung für Astrid Kumbernuss Bild: dpa/dpaweb

Nadine Kleinert hat an historischer Stätte Bronze im Kugelstoßen gewonnen. Zuvor war Astrid Kumbernuss in der Qualifikation gescheitert. „Das ist eine ganz bittere Stunde für mich“, sagte die Olympiasiegerin.

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          Wo an historischer Stätte einst alles begann, nahm Astrid Kumbernuss für immer Abschied von Olympia. Als die Kugel auch im dritten Versuch nur bei 17,86 m aufschlug und der Sand vor der blauen Linie wegspritzte, flossen bei der Neubrandenburgerin die Tränen: „Das ist eine ganz bittere Stunde für mich. Ich wäre gern am Nachmittag noch dabei gewesen.“ Doch es sollte nicht sein.

          Nadine Kleinert machte es besser und erkämpfte in der ersten von 46 olympischen Leichtathletik-Entscheidungen überraschend die Bronzemedaille. Bei herrlichem Sonnenschein wuchtete sie die Eisenkugel im zweiten Versuch auf 19,55 m und konnte am Ende über ihren größten internationalen Erfolg jubeln. Zwei Mal, 1999 und 2001, war die 28jährige schon Vizeweltmeisterin. Gold gab es für die Russin Irina Korschanenko, die von 1999 bis 2001 wegen Dopings gesperrt war und mit der Jahresweltbestleistung von 21,06 m vor der Kubanerin Yumileidi Cumba (19,59 m) souverän siegte.

          Kleinert: „Jetzt ist einarmiges Reißen angesagt“

          „Ich fasse es nicht. Vor sechs Wochen wollte ich schon alles hinschmeißen, als ich im Trainingslager mit 18 Metern kämpfte“, sagte die 1,90 Meter lange 90 Kilo schwere Stoßerin und kündigte für den Abend ein Kampftrinken an: „Jetzt ist einarmiges Reißen angesagt.“

          Nadine Kleinert machte es besser, ihr gelang im wichtigsten Wettkampf des Jahres die Saisonbestleistung und Bronze

          Spannend bis zum letzten Stoß war das Männer-Finale, das Europameister Juri Bilonog (Ukraine) mit Nervenstärke und finalen 21,16 Meter für sich entschied. Der Amerikaner Adam Nelson führte zwar lange mit der gleichen Weite, das nächstbessere Resultat (21,15) sprach aber für Bilonog, weil Nelson ansonsten nur fünf ungültige Versuche hatte. Bronze erkämpfte der Däne Joachim Olsen (21,07). Der Neubrandenburger Ralf Bartels, in Paris noch WM-Sechster, wurde mit 20,26 Meter Achter.

          Die Enttäuschte und die Glückliche

          Astrid Kumbernuss war am Abend nicht nur engagierte Beobachterin des Spektakels vor 15.000 privilegierten Zuschauern, sie war auch die erste Gratulantin von Nadine Kleinert: Als sich der Neubrandenburger Ralf Bartels schon für das Finale warm machte, fielen sich die Enttäuschte und die Glückliche heulend in die Arme. „Ich werde jetzt mal versuchen, Astrid zu überreden, daß wir noch zwei Jahre gegen die Russinnen kämpfen“, meinte Kleinert.

          Am Vormittag reichten die 17,89 m aus dem ersten Versuch der 34jährigen aus Neubrandenburg nicht zum Finale der besten Zwölf. Bittere Tränen der Enttäuschung flossen - wie schon beim gleichen Szenario im Vorjahr bei den Weltmeisterschaften in Paris. Ebenso wie Kumbernuss verabschiedete sich Nadine Beckel mit dürftigen 17,11 m. Eine riesige Enttäuschung, denn die Schwerinerin blieb damit gleich 1,11 m unter ihrer Saisonbestleistung. Frustriert verließen auch ihre männlichen Kollegen Peter Sack (Leipzig/19,09) und Detlef Bock (Wolfsburg/18,89) den Ring - beide blieben deutlich hinter ihren Bestleistungen zurück und schieden aus.

          „Faszinierend und bezaubernd“

          Für Kumbernuss war nur die Atmosphäre „faszinierend und bezaubernd. Das ist der Hammer, was hier abgeht!“. Die Kugel flog nicht weit genug, eine Sehnenverletzung behinderte die deutsche Meisterin. Und so kommt Astrid Kumbernuss vielleicht nie wieder an jenen Schauplatz, wo im Jahr 776 v.Chr. die Spiele der ersten Olympiade stattgefunden haben sollen. Damals stand das Kugelstoßen nicht auf dem Programm - und Frauen durften sowieso nicht mitmachen.

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