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Kühne gegen Meier : Machtkampf beim HSV

  • -Aktualisiert am

Investor Kühne verlangt einen „von mir befürworteten, unabhängigen und kompetenten Aufsichtsrat“ Bild: dpa

Die Ruhe in der Führung beim Hamburger SV war nur von kurzer Dauer. Investor und Präsident des eingetragenen Vereins kämpfen um Kandidaten für den Aufsichtsrat.

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          Es klingt wie die Suche nach geeigneten Mitgliedern für den Aufsichtsrat des Hamburger SV. Doch es ist ein Machtkampf zwischen Investor Klaus-Michael Kühne und dem Präsidenten des HSV e.V., Jens Meier. Am Donnerstag gab der HSV im Namen von Vorstand und Aufsichtsrat bekannt, dass die für den 18. Dezember geplante Hauptversammlung der Fußball AG nun ins erste Quartal 2018 geschoben werden müsse. Die Fahndung nach neuen Räten dauert nämlich länger als vorgesehen.

          Am Mittwochabend hatten sich die aktuellen Ratsmitglieder nicht auf sechs Konsens-Kandidaten einigen können. Deswegen muss die Hauptversammlung nachgeholt werden. Das ist schlecht, weil Vereinsboss Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt nun erst im neuen Jahr wissen, wer die Kontrolleure sein werden, mit denen sie zusammenarbeiten. Für Vertragsverlängerungen, die schon ausgehandelt (Nicolai Müller) oder noch zu verhandeln sind (Fiete Arp), braucht Todt die Zustimmung des Aufsichtsrates.

          Jens Meier, im Hauptberuf Chef der Hafenbehörde, hat als Präsident des Stammvereins das Vorschlagsrecht, die Aufsichtsräte zu benennen. Er verzichtete dabei auf einen Vertrauten Kühnes. Im jetzigen Gremium sitzt in Karl Gernandt ein Statthalter Kühnes. Doch Gernandt zieht sich auf eigenen Wunsch zurück. Jüngst knüpfte Kühne seine Zusagen für weitere Millionen daran, dass der Verein über einen „von mir befürworteten, unabhängigen und kompetenten Aufsichtsrat“ verfüge.

          Es ist verständlich, dass der 80 Jahre alte Milliardär über das Kontrollgremium Einfluss ausüben will. Aber seine jüngste Pressemitteilung empfanden viele als Erpressung. Von Meier wiederum war es ungeschickt, Kühnes Leute von vornherein aus dem Rat drängen zu wollen. Kühne hält 20,5 Prozent der Aktien an der HSV AG. 24,9 Prozent seiner Anteile darf der HSV veräußern. Viel wird von Kühne also auf diesem Wege nicht mehr kommen; Schenkungen sind für beide Seiten unattraktiv, weil der Staat rund die Hälfte an Steuern wegnimmt.

          Auf fünf Kandidaten hätten sich die Parteien am Mittwoch geeinigt, hieß es. Doch der sechste Mann, derjenige, der den kurzen Draht zu Kühne hat, wurde nicht gefunden. Bleibt die Frage, was Meier antreibt. Gerüchteweise soll er sich für Bruchhagens Job interessieren. Dessen Vertrag endet im Sommer 2019. Allerdings soll es auch den Plan geben, den aktuellen Finanzvorstand Frank Wettstein auf Bruchhagen folgen zu lassen. Wie auch immer – die Ruhe in der HSV-Führung war nur von kurzer Dauer. Sehr zum Ärger Bruchhagens.

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