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Krzysztof Nowak : Die Muskeln versagen, aber nicht die Freunde

  • -Aktualisiert am

Nowak und VfL-Trainer Wolfgang Wolf Bild: dpa

Rund 400.000 Euro für die "Krzysztof Nowak-Stiftung" kamen beim Benefizspiel des VfL Wolfsburg gegen den FC Bayern (1:0) zusammen.

          Es gibt ein Bild von Krzysztof Nowak, das je nach Gemütslage zum Weinen schön oder zum Heulen traurig ist. Es zeigt ihn, wie er warm eingepackt in seinem Rollstuhl sitzt und von Wolfgang Wolf vom Rasen geschoben wird. Die Aufnahme stammt vom November 2002; der VfL Wolfsburg spielte gegen Borussia Dortmund zum letzten Mal im alten Stadion. Nowak verfolgte die Abschiedsfeier von seinem Stammplatz aus - bei Heimspielen des VfL saß er in seinem Rollstuhl direkt neben der Trainerbank.

          Später holten ihn seine Kollegen auf den Rasen, und als alles vorbei war, entstand das besondere Bild aus der rauhen Männerwelt Fußball-Bundesliga: Der nach außen immer so harte Trainer rollt seinen ehemals hoffnungsvollsten Spieler vom Rasen. Eine schöne Geste des Dankes und der Verbundenheit. Wolf sieht sich auch als Freund Nowaks.

          "Ich hoffe weiter auf ein Wunder"

          Aber es ist natürlich auch ein trauriges Bild geworden. Denn es zeigt, wie sehr Nowaks Nerven in Gehirn und Rückenmark schon geschädigt sind. Er kann nicht mehr gehen. Der ehemalige Profi leidet aller Wahrscheinlichkeit nach an der schweren Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Es ist ein schleichender Verfall: Die Muskeln führen die Befehle des Kopfes immer weniger aus.

          Seit zwei Jahren kämpft der 27 Jahre alte Pole gegen die seltene Nervenkrankheit, an der drei von 100 000 Menschen erkranken. Die Muskeln in seinen Armen gehorchen ihm schon länger nicht mehr. Autogramme schreibt seine Frau Beata für ihn. ALS gilt als nicht heilbar. "Ich hoffe weiter auf ein Wunder, denn in der Neurologie ist noch nichts sicher", sagt Nowak. Untätig ist er aber längst nicht. Selten hat er soviel zu tun gehabt wie in diesen Wintertagen. Stundenlang hat er überlegt, welches Geschenk er welchem Spieler machen wollte, für welchen Gast er ein Hotelzimmer buchen mußte. Kurz nachdem Nowak im April 2002 beim letzten Saisonheimspiel gegen Bayern München als Profi verabschiedet wurde, sagte der Münchner Manager Uli Hoeneß ein Benefizspiel zu. Seitdem beschäftigte sich Nowak neben unzähligen Arztbesuchen fast nur mit dem großen Auftritt.

          "Ohne Freunde würden wir es nicht schaffen"

          Am Montag abend war es soweit. Nowak ist dankbar und glücklich für die Ehre, die ihm erwiesen wurde: Die Einnahmen in einer Höhe von rund 400.000 Euro aus dem Spiel zwischen dem VfL Wolfsburg und dem FC Bayern München fließen in die "Krzysztof Nowak-Stiftung". Dass der VfL die Partie nach einem Treffer von Martin Petrow (64. Minute) gewann, war an diesem Abend Nebensache. Die Stiftung wurde im Mai 2002 gegründet, um Menschen zu helfen, die durch die Nervenkrankheit in Not geraten sind.

          Wie Nowak, der bei aller Trauer froh ist, in Martin Wiesner einen Freund und Berater an der Seite zu wissen, der ihn und die Familie mit den beiden Kindern finanziell abgesichert hat. Der 44 Jahre alte Spielerberater hat einige Klienten in der Bundesliga. Besonders viel Zeit verbringt er mit Nowak. "Ohne unsere Freunde würden wir es nicht schaffen", sagt Beata Nowak.

          Mit Wehmut uns Stolz

          Lange hat Nowak sein Schicksal nicht annehmen wollen. Es begann unauffällig mit kalten Fingern. Er trainierte und spielte weiter, obwohl er sich ständig schlapp fühlte. Irgendwann wurden seine Arme taub. Das Ende seiner Laufbahn als Fußballprofi kam am 10. Februar 2001 beim 3:1 in Berlin. Nach 83 Spielen und zehn Toren für den VfL. Zehnmal spielte er für die polnische Nationalmannschaft. Im März 2001 erfuhr Nowak die Wahrheit über seine Krankheit. Vier Monate nach den ersten Anzeichen. Der VfL Wolfsburg hatte viel mit Nowak vor, als er ihn 1998 verpflichtete. "Krzysztof hatte das Zeug dazu, ein ganz Großer zu werden", sagt Wolf. "Er bleibt weiter Teil der Mannschaft."

          Das ist mehr als eine Floskel. Im alten Stadion hatte Nowak seinen Platz neben der Bank, in der Volkswagen Arena findet er zusammen mit der Familie Platz in einer Loge. Die Anteilnahme der Kollegen, die Gespräche mit ihnen in der Kabine, das gebe ihm ebensoviel Kraft wie die Familie und die Fans, sagt Nowak. Einmal in der Woche, zwischen den Therapien zur Stabilisierung der Muskulatur im 500 Kilometer entfernten Posen, fährt seine Frau ihn zum Trainingsgelände. Er schaut sich dann aus dem Auto heraus die Übungseinheiten der Kameraden an. Mit Wehmut, aber auch stolz, weiter dazuzugehören. Sein Stolz und seine Zuversicht rühren Beata Nowak manchmal zu Tränen. Sie könne bis heute nicht akzeptieren, daß er krank sei, sagt Frau Nowak. Er selbst hat es verstanden.

          "Es liegt allein an Gott"

          Seit die Karriere beendet ist, kämpft Nowak für seine Gesundheit. In Deutschland, Holland, den Vereinigten Staaten und Malaysia hat er Schulmediziner besucht, bald 100 an der Zahl. Sie alle haben ihn untersucht und am Ende den Kopf geschüttelt: "Es tut uns leid, wir können Ihnen nicht helfen." Demnächst möchte er einen Naturheilkundler in Peking aufsuchen. "Ich denke nicht darüber nach, warum es ausgerechnet mich getroffen hat", sagt Nowak, "es liegt allein an Gott, wie es mit mir weitergeht."

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