https://www.faz.net/-gtl-381c

Konferenz : Horrorvision Gendoping

  • Aktualisiert am

Doping-Forscher Schänzer (Sport-Uni Köln): "Müssen mit allem rechnen" Bild: dpa

Um nicht wie so oft den Doping-Betrügern hinterherzuhecheln, treffen sich Anti-Doping-Forscher aus aller Welt derzeit zu einem Kongress in New York.

          Um gegen die neue Gefahr des Sports gewappnet zu sein, hat die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) in New York 40 renommierte Genforscher und Doping-Experten aus aller Welt zusammen gerufen. „Ich hoffe, wir kommen in eine Vorwärtsstrategie“, erklärt der Bundesbeauftragte für Dopinganalytik, Prof. Klaus Müller. Der Leipziger Gerichtsmediziner wird noch bis zum Mittwoch an der ersten Gendoping-Konferenz der WADA in New York teilnehmen. „Ich bin selten so auf eine Tagung gespannt gewesen wie auf diese, da wir uns erstmals fundiert sagen lassen können, worauf wir uns einstellen müssen“, so Müller.

          Monsterathleten sind „Utopie“

          Im Moment sei Vieles noch Zukunftsmusik, da trotz aller wissenschaftlicher Fortschritte nicht eine einzige Gentherapie zur in der Praxis anwendbaren Methode gereift sei. „Deshalb gibt es auch noch keine Indizien für Gendoping. Die Erwartungen in die Gentherapie haben sich bisher nicht erfüllt“, meint Müller, der auch Leiter des Doping-Kontrolllabors in Kreischa ist.

          Das Klonen von „Monsterathleten“, die über 1.500 m im Freistil-Schwimmen die 14-Minuten-Barriere durchbrechen oder den Diskus 90 Meter weit schleudern, sei Science Fiction. „Das ist Utopie“, meint Müller. Schließlich dauert die Entwicklungsphase eines Menschen bis ins Erwachsenenalter im Vergleich zu einem geklonten Schaf ungleich länger.

          Genmanipulation im Körper

          Eine größere Gefahr für den Sport und die Sportler ist nach seiner Ansicht die Einschleusung von Genen in den Körper, um zum Beispiel das Muskelwachstum oder die Aufnahme von Sauerstoff im Blut zu manipulieren. Das so genannte Myostatin-Gen, das eine Bedeutung für die Regulation des Muskelwachstums haben soll, wäre denkbares Ziel von solchen Eingriffen.

          Durch intramuskuläre Injektionen könnte womöglich auch die Produktion des Insulinlike Growth Factor (IGF-I), das die Regeneration von Nerven und Skelettmuskeln reguliert, gesteigert werden. Auch die Ausschüttung von Erythropoetin (EPO) im Körper, das besonders von Ausdauersportlern missbräuchlich verwendet wird, könnte durch eine Gentherapieform beeinflusst werden.

          Illusionen, dass Athleten wegen der unabwägbar großen Gesundheitsrisiken auf diese High-Tech-Formen des Dopings verzichten, macht sich Müller nicht: „Wenn Ruhm und Geld Ziele sind, gibt es keine Grenzen.“

          Weitere Themen

          Wachstum mit Gefahren

          FAZ Plus Artikel: Rugby-WM : Wachstum mit Gefahren

          Rugby treibt seine Entwicklung voran – und will mit der Weltmeisterschaft in Japan neue Märkte erobern. Auch das Spiel hat sich verändert. Die Aktiven sollen nun besser geschützt werden.

          Jagd auf Geister-Netze Video-Seite öffnen

          Gefahr für die Umwelt : Jagd auf Geister-Netze

          In Finnland läuft derzeit ein Pilotprojekt, bei dem alte Fischernetze aus Plastik aus der Ostsee geholt werden. Die absichtlich ins Meer geworfenen oder verloren gegangenen Netze bauen sich nicht nur sehr langsam ab, sondern sind auch eine Gefahr für die Tiere im Wasser.

          Topmeldungen

          Bsirskes Zeit bei Verdi : Immer wieder Frank

          Verdis Vorsitzender Frank Bsirske geht in Rente. 19 Jahre lang leitete er die größte Baustelle der Gewerkschaftsbewegung. Fertig ist sie noch nicht.
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.