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Kommentar zu Tim Wiese : Absolut vertragstreu

  • -Aktualisiert am

Denkt trotz Trainingsgruppe 2 nicht an rechtliche Schritte: Tim Wiese Bild: dpa

Obwohl Tim Wiese sportlich bei der TSG Hoffenheim keine Rolle mehr spielt, will er seinen Vertrag nicht vorzeitig auflösen. Ein Grund für neue Empörung? Nein. Der ehemalige Nationaltorwart ist nur absolut vertragstreu.

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          Tim Wiese werden von Kritikern einige unangenehme Eigenschaften zugeschrieben. Er sei selbstbezogen, abgehoben, einzelgängerisch, unberechenbar - und sportlich ohnehin ein Mann von gestern, so wie er sein Tor bewache und sich zwischen den Pfosten aufführe. Hau den Wiese, das ist ein beliebtes Spiel unter Tugendwächtern des Fußballs. Dabei hat dieser vermeintliche schnodderig-tumbe Profi eine Eigenschaft, die ihm nur besonders übelmeinende Empörungsprofis absprechen können: Er kann fehlerfrei lesen.

          Der wahre Wiese

          In Wieses Vertrag beim Bundesligaklub TSG Hoffenheim steht nämlich, vermutlich gut lesbar, eine Laufzeit bis 2016, und Wiese will sich daran halten. „Ich habe kein Interesse, meinen Vertrag aufzulösen“, sagte er der „Bild“. Dafür spricht ein Gehalt, das in einem beruhigenden siebenstelligen Bereich liegen dürfte. Dagegen, dass Wiese sportlich kaltgestellt ist, keine Perspektive in Hoffenheim mehr hat und in einer Trainingsgruppe von Geächteten Dienst ableisten muss. Wie schön, dass sich einer auch unter schwierigen Bedingungen korrekt und vertragstreu verhalten will. Rechtliche Schritte? Nicht mit ihm.

          Im Verein dürften einige kochen, aber ebendieser Verein hat ihm seinen Vertrag ja auch mal ganz freiwillig angeboten. So vergesslich kann doch keiner sein. Einen Vertrag absitzen, fürs Nichtstun kassieren - das klingt alles so negativ. Rechtsnormen hochhalten, nicht einknicken, Demütigungen erdulden - so ist der wahre Wiese.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

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