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Kommentar : Vielfalt

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Imposant, welche Zahlen die französischen Veranstalter und der Internationale Leichtathletikverband (IAAF) schon vor Beginn der Titelkämpfe vorlegen: nahezu 450 000 Karten sind für die neun WM-Tage verkauft; in 179 Ländern kann man ...

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          Imposant, welche Zahlen die französischen Veranstalter und der Internationale Leichtathletikverband (IAAF) schon vor Beginn der Titelkämpfe vorlegen: nahezu 450 000 Karten sind für die neun WM-Tage verkauft; in 179 Ländern kann man als Fernsehzuschauer an dem Spektakel teilnehmen; und 203 Länder sind mit Athleten vertreten. Länder? Der Weltverband betreibt einen schönen Etikettenschwindel. Manche IAAF-Mitglieder sind politische Gebilde, Territorien, die sich eine nationale Leichtathletik-Organisation halten und dann krampfhaft nach einem Aktiven Ausschau halten müssen: Gibraltar etwa schickt einen 800-Meter-Läufer. Aus Afghanistan kommen immerhin zwei Sprinter.

          Vielerorts, beileibe nicht nur in Entwicklungsländern, wird die Leichtathletik reduziert aufs Laufen. Zugegeben, die Rennen sind oft der spannendste Teil von Meisterschaften. Ein Endspurt, ein Zweikampf sind im Hammerwerfen oder im Hochsprung nicht zu bewerkstelligen. 46 Disziplinen stehen auf den WM-Programm; in den technisch aufwendigen beschränkt sich der Kreis der Interessenten auf wenige Dutzend Länder.

          Aus diesem Grund schauen Sieger in den Laufwettbewerben mitunter auf Gewinner in Wurf- oder Sprungdisziplinen herab, weil sie sich schließlich gegen viel mehr Konkurrenz haben durchsetzen müssen. Daß die Zahl der an der Medaillenausbeute beteiligten Länder von Mal zu Mal wächst, geht tatsächlich oft aufs Konto begabter Läufer. Bei der ersten WM in Helsinki 1983 teilten sich Gold, Silber, Bronze 25 verschiedene Mannschaften; in Paris rechnet Diack mit 50 ausgezeichneten Teams.

          Die Deutschen wollen natürlich dazugehören. Sie haben auch ein Zahlenspiel zu bieten. Unter den erfolgreichen Verbänden sei man derjenige, der die ganze Breite der Leichtathletik abdecke, Lauf, Wurf, Sprung. Was man davon hat? Im Zweifel mehr Enttäuschungen als Glücksmomente. Wenigstens Lamine Diack, der IAAF-Präsident, könnte einmal feststellen, was für ein athletisches Musterländle da existiert. Weltmeister der Vielfalt, diesen Titel kann und will den Deutschen kaum jemand streitig machen.

          jöh.

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