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Kommentar : Sturz aus dem Himmel

  • Aktualisiert am

Es klingt so banal und ist doch so wahr: Im alpinen Skisport kann von einem Moment auf den anderen immer alles ganz anders aussehen. Ein Sturz, und aus Medaillenanwärtern werden Rekonvaleszenten, die um die Rückkehr in die Weltspitze kämpfen müssen.

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          Es klingt so banal und ist doch so wahr: Im alpinen Skisport kann von einem Moment auf den anderen immer alles ganz anders aussehen. Ein Sturz, und aus Medaillenanwärtern werden Rekonvaleszenten, die um die Rückkehr in die Weltspitze kämpfen müssen. "Wenn bei uns eine ausfällt, reißt das ein großes Loch. Ich wäre schon froh, wenn wir alle ohne Handikap zur WM bringen", hatte Damen-Cheftrainer Wolfgang Maier am Vorabend auf die Frage nach deutschen Medaillenchancen gesagt. Wie es andernfalls ausgehen kann, zeigten die letzten Titelkämpfe, als der mit zwei Siegen in die Saison gestarteten Hilde Gerg das Kreuzband gerissen war. Sie startete in St. Moritz trotzdem, blieb aber wie ihre Teamkolleginnen ohne Medaille. Darüber entspann sich eine langanhaltende Trainerdiskussion, die Maier nicht vergessen hat: "St. Moritz hat tiefe Kerben geschlagen." In etwas mehr als zwei Wochen beginnen die alpinen Titelkämpfe in Bormio und St. Caterina, und der plötzliche Formanstieg von Martina Ertl hat die deutschen Medaillenchancen nun nicht etwa sprunghaft erhöht. Gleichzeitig fällt nach ihrem Sturz von Cortina ausgerechnet Maria Riesch aus, die im vergangenen Winter rasant in die Weltspitze vorgefahren war. Platz drei in der Weltcup-Gesamtwertung, ein neuer Star war geboren - Sponsoren und Medien stürzten sich mit großem Vergnügen auf den Teenager aus Garmisch-Partenkirchen. Selbst die Schulterfraktur, die sie sich im November zugezogen hatte, schien Deutschlands Juniorsportlerin des vergangenen Jahres nicht stoppen zu können. Als sie im Dezember in St. Moritz in den Weltcup zurückkehrte, belegte sie auf Anhieb hinter der Siegerin Hilde Gerg Platz drei und zog wieder alle Aufmerksamkeit auf sich.

          In ihren Sturz auf der Tofana-Strecke wollte Maier nicht zuviel hineininterpretieren, was leicht möglich gewesen wäre. Ob sie etwa zuviel gewollt hatte, nachdem sie in der vergangenen Woche als Vierte nach dem ersten Slalomdurchgang im entscheidenden Lauf die falsche Richtung eingeschlagen hatte und an einem Tor vorbeigefahren war? Ist die Leichtigkeit dahin, die sie im vergangenen Jahr so beschwingt auftrumpfen ließ, der Druck zu groß? Stürze mit Verletzungsfolgen aber können eben noch gefeierte Siegfahrer ebenso treffen wie verunsicherte Athleten, die den Erfolg erzwingen wollen. Eine Faustregel, wann die Gefahr größer ist, gibt es nicht. Am Mittwoch erwischte es Maria Riesch, die sich nach dem Rennen an der Schulter der gleichaltrigen Amerikanerin Lindsey Kildow ausweinte. Die beiden sind Konkurrentinnen, aber auch beste Freundinnen. So schön es ist, daß so etwas immer noch möglich ist im Leistungssport: Lieber hätte man die beiden beim gemeinsamen Jubel gesehen.

          Peter Penders

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