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Kommentar Sport : Wortspiele

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Mit 30 Millionen Euro kann man eine ganze Menge anstellen. Man könnte sich, zum Beispiel, das Gemälde "Berliner Straßenszene" des Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner ins Wohnzimmer hängen; oder eine sogenannte Gute-Laune-Kampagne ...

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          "Hargreaves unverkäuflich": eine typische Nebelkerze im Fußball

          Mit 30 Millionen Euro kann man eine ganze Menge anstellen. Man könnte sich, zum Beispiel, das Gemälde "Berliner Straßenszene" des Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner ins Wohnzimmer hängen; oder eine sogenannte Gute-Laune-Kampagne ("Du bist Deutschland") starten, mit der 25 Unternehmen im vergangenen Jahr die Republik beglückten; oder, wenn man zufällig Manager eines Fußballklubs ist, 25 Schlaudraffs kaufen. Da die Münchner Bayern seit ein paar Tagen den einen Jan Schlaudraff (zum Schnäppchenpreis von 1,2 Millionen) bekommen haben, können sie sich die anderen 24 sparen. Den Bayern-Oberen steht auch gar nicht der Sinn nach weiteren Kleininvestitionen. Sie wollen, in nicht allzu ferner Zukunft, wieder zu einem europäischen Schwergewicht werden. Also muss mal ein richtig dicker Fisch an die Angel - "ein Kracher", wie Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge unlängst verkündete: Man sei bereit, dafür 30 Millionen Euro auszugeben.

          Da trifft es sich gut, dass dies - zufällig? - genau jener Betrag ist, den Manchester United für den Münchner Owen Hargreaves zu zahlen bereit ist. Hargreaves? Niemals! schallt es aus München. Der Mittelfeldspieler sei - man achte auf die Wortwahl - "momentan unverkäuflich", so Manager Uli Hoeneß am Freitag auf dem Weg ins Wintertrainingslager nach Dubai. Auch Trainer Felix Magath dementierte, dass man über den Verkauf des 25 Jahre alten englischen Nationalspielers diskutiere: "Es gibt keine Personalie Hargreaves."

          Beim FC Schalke 04 gab es bis vor kurzem auch keine Personalie Frank Rost. Er spiele eine wichtige Rolle für die Zukunftsplanungen des Klubs, ließ Trainer Mirko Slomka mit treuherzigem Blick noch vor ein paar Wochen wissen. Jetzt steht der von ihm ausgemusterte Torhüter beim Hamburger SV in Lohn und Brot, am Freitag wurde der Vollzug gemeldet. Die in Wechselfällen wie diesen übliche Sprachregelung ("ein ganz wichtiger Spieler für uns") muss man nicht für bare Münze nehmen. Es sind verbale Nebelkerzen, eine marktübliche Masche.

          Franz Beckenbauer - wer sonst? - war unterdessen so frei und empfahl den lieben Kollegen beim FC Bayern via seiner Hauspostille Bild-Zeitung, im Fall Hargreaves "mal nachzudenken". Da muss er sich wohl keine Sorgen machen. Tatsächlich spricht alles dafür, dass Hargreaves im Sommer nach England wechselt. Für die Bayern wäre es ein Mega-Deal, schließlich stammt der Mittelfeldspieler aus dem eigenen Nachwuchs. Hargreaves selbst will unbedingt zu "ManU", daraus macht er auch keinen Hehl. Und warum sollten die Bayern ihn davon abhalten? Hargreaves ist ein sehr guter Spieler; aber er gehört weiß Gott nicht in die Kategorie jener Figuren, die im Weltfußball den Unterschied ausmachen. Sein Manager ist übrigens ein Mann namens Roman Grill, der bis vor kurzem noch in der Presseabteilung von Bayern München angestellt war. Grill wird selbstverständlich nur das Beste für seinen Mandanten wollen - aber es ist kaum vorstellbar, dass er Hargreaves von einem Wechsel abriete. Die übliche Provision liegt bei 15 Prozent. Auch mit 4,5 Millionen Euro kann man eine Menge anstellen.

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