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Kommentar Sport : Wachstumsprognose

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Man(n) rauft sich die Haare - wenn er noch welche hat. Falls nicht oder doch nur noch so viel, daß es ihm entschieden zuwenig ist, dann kann er den gezausten Kopfschmuck angeblich aufs neue sprießen lassen.

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          Man(n) rauft sich die Haare - wenn er noch welche hat. Falls nicht oder doch nur noch so viel, daß es ihm entschieden zuwenig ist, dann kann er den gezausten Kopfschmuck angeblich aufs neue sprießen lassen. Ein Wundermittel ist auf dem Markt. Wieder mal. Aber man zögert, ausgerechnet an dieser Stelle den Namen zu nennen: das Problem mit der Produktwerbung, Sie verstehen. Wir verzichten also aus gegebenem Anlaß auf den Abdruck der beliebten Vorher/Nachher-Bilder, weil die wuchernde Wirkung in Wirklichkeit sehr vage ist, und ziehen uns auf medizinisch gesichertes Terrain zurück.

          Der Wirkstoff heißt Finasterid, und es ist sicher purer Zufall, daß der Internationale Schwimmverband (Fina) mit diesem Mittel im Moment den größten Ärger hat. Denn Finasterid, dessen haarige Wirkung übrigens zufällig entdeckt wurde, weil es eigentlich zur Behandlung von gutartigen Prostatavergrößerungen verabreicht werden soll, steht seit fast einem Jahr als maskierendes Mittel auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur. Es dient dem Doper zur Verschleierung von harten Dopingdrogen. Die Website der Fina wimmelt nur so von Wassersportlern, die sich auf Haarausfall berufen, wenn sie mit Finasterid erwischt werden.

          Deutschland ist bei dieser Art Wachstum ausnahmsweise voll dabei. Erst war es der vom deutschen Verband flott freigesprochene Wasserball-Nationalspieler Tobias Kreuzmann, dessen Kontrollfall schon seit Monaten bei der Fina ruht. Dann hat das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes Falk Schindler vom Regionalligaklub Kickers Emden wegen Finasterid-Mißbrauchs für sechs Monate gesperrt. Als unangenehme Nebenwirkung wurde der 2:1-Sieg des Aufsteigers Emden bei Fortuna Düsseldorf in eine 0:2-Niederlage umgewandelt. Ähnliches dürfte dem Zweitliga-Tabellenführer TSV 1860 München mit dem 2:0 gegen Wacker Burghausen passieren, weil Nemanja Vucicevic seinen unübersehbaren Kahlschlag ebenfalls mit Finasterid stoppen wollte.

          Ein probates Mittel mithin, um auch ganz andere Wirkung zu erzielen. Professor Wilhelm Schänzer bestätigt die nützliche Nebenwirkung von Finasterid. Es macht unter Umständen, so der Kölner Dopingfahnder, den Nachweis von Hormondoping gegenstandslos. Das Beweismaterial im Urin könne von 20 Nanogramm, also etwa den Zahnpasta-Rückständen bei Dieter Baumann, unter die 2,0-Grenze gedrückt werden, an der sich in der Regel Doping von Nichtdoping scheidet.

          Haarausfall kann also hilfreich sein, aber nicht immer. Deshalb wird sich der Autor demnächst als Finasterid-Proband zur Verfügung stellen. Er betreibt nämlich, bislang leider vergeblich, unermüdliche Haarwuchsförderung - und ist kein Leistungssportler. Ehrenwort. Hans-Joachim Waldbröl

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