https://www.faz.net/-gtl-v979
 

Kommentar Sport : Rudern nach dem großen Plan

  • Aktualisiert am

Wären die Ruder-Weltmeisterschaften nicht eine von friedlichem Wasserglucksen begleitete Massenveranstaltung, sondern etwas ähnlich Plakatives wie ein Profi-Boxkampf, hätten sie längst ein Motto. Für die deutsche Mannschaft wäre das auch leicht zu finden.

          2 Min.

          Für die Deutschen
          schlägt in München die
          Stunde der Wahrheit.

          Wären die Ruder-Weltmeisterschaften nicht eine von friedlichem Wasserglucksen begleitete Massenveranstaltung, sondern etwas ähnlich Plakatives wie ein Profi-Boxkampf, hätten sie längst ein Motto. Für die deutsche Mannschaft wäre das auch leicht zu finden. In München-Oberschleißheim schlägt von Sonntag an für sie die "Stunde der Wahrheit". Die Strategie-Erklärungen der vergangenen Monate haben nun ein Ende: Es wird bitter ernst, denn es geht nicht nur um Weltmeistertitel, sondern bereits um die Startplätze bei den Olympischen Spielen nächstes Jahr in Peking. Es wird also noch härter gekämpft werden an den Skulls und Riemen als in anderen Jahren. Wo aber stehen die deutschen Recken von Hacker über Heidicker bis Boron?

          Betrachtet man ausschließlich die statistischen Vorleistungen der deutschen Boote, gibt es keinen großen Anlass zum Optimismus: Erstmals seit Erfindung des Ruder-Weltcups hat Deutschland nicht die Nationenwertung gewonnen. Historisch dürfte auch das diesjährige Ergebnis vom Weltcupfinale, der Rotsee-Regatta in Luzern, sein: Kein einziger Sieg für ein deutsches Boot. Die Leistungsplaner des Deutschen Ruderverbandes allerdings geben sich gelassen: Man habe es diesmal nicht auf "Tagesergebnisse" abgesehen, sagen sie, erst in München werde ernsthaft abgerechnet. Man habe diesmal länger experimentiert, den rudernden Studenten die Chance eingeräumt, wichtige Arbeiten abzuschließen, und deutliche Leistungsschwerpunkte gesetzt. Einer-Ruderer Marcel Hacker etwa durfte auf Luzern verzichten und ging stattdessen ins Höhentrainingslager nach St. Moritz. Alles Teil eines großen Plans, kein Grund, nervös zu werden, findet etwa Sportdirektor Michael Müller.

          Ausgerechnet Roland Baar, mit fünf Weltmeistertiteln der erfolgreichste Achter-Schlagmann der Welt, wollte sich nicht so einfach abspeisen lassen. Auf die Kraft der Frauen, etwa mit der Altmeisterin Kathrin Boron im Doppelvierer, vertraut er ja noch. Doch um sein Spezialgebiet, das Flaggschiff, macht er sich Sorgen, nicht nur wegen der Rückenbeschwerden von Schlagmann Bernd Heidicker. "Es ist nicht die Zeit, sich etwas vorzumachen", hat er jüngst in der Verbandszeitschrift angemahnt. "Die Zeichen stehen nicht gut." Der promovierte Ingenieur hat an die Besetzung des Deutschland-Achters einen spitzen Bleistift angelegt und rechnet vor: Nur die wenigsten der Achter-Ruderer haben mit Spitzenplazierung im Frühjahrstest - wie es sich eigentlich gehört - ihre Position legitimiert. Stattdessen hat sich Cheftrainer Dieter Grahn auf sieben Positionen an die Besetzung aus dem Vorjahr gehalten, die Mannschaft also, die in Eton Weltmeister wurde: Der Star ist die Mannschaft. Zu viel Risiko? Der alte Recke Baar findet: Ja. Aber am liebsten würde er sich natürlich irren.

          Weitere Themen

          Lochte weint

          Schwimmen für Tokio : Lochte weint

          Olympiasieger Ryan Lochte hat vergeblich versucht, die Uhr noch einmal zurück zudrehen. Nachdem in Rio nur mit einem fingierten Überfall Aufsehen erregte, verpasst er nun die Qualifikation für Tokio.

          Moskau schließt EM-Fanzone Video-Seite öffnen

          Steigende Corona-Zahlen : Moskau schließt EM-Fanzone

          Wegen wieder stark steigender Corona-Infektionszahlen schließt Moskau seine Fanzone zur Fußball-EM und verbietet alle Freizeitveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern. Als Grund für den starken Anstieg vermuten die Behörden neue Virusvarianten.

          Der Alpin-Pate tritt ab

          Ski-Chef Schröcksnadel : Der Alpin-Pate tritt ab

          Klimawandel, Corona-Krise, Doping-Skandale: Alles keine Themen für Peter Schröcksnadel. Ihm ging es um Erfolg im Skisport. Nach 31 Jahren an der Spitze des ÖSV regelt er auch die Nachfolgefrage auf seine Art.

          Topmeldungen

          Läuft es für Deutschland und Thomas Müller diesmal besser? Es spricht einiges dafür.

          EM-Prognose : Vorteil für Deutschland gegen Portugal

          Nach dem 0:1 gegen Frankreich steht die DFB-Elf unter Druck. Doch die Aussicht auf einen Sieg über Portugal ist laut EM-Prognose gut. Noch bessere Chancen haben Frankreich und Spanien in ihren Partien.
          Schwieriges Terrain für die grüne Parteichefin: Annalena Baerbock am Freitag im Stahlwerk von ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt

          Besuch im Stahlwerk : Baerbocks Auswärtsspiel

          Ausgerechnet in einem Stahlwerk in Eisenhüttenstadt präsentiert die Kanzlerkandidatin der Grünen ihre Pläne für eine klimafreundliche Wirtschaftpolitik. Wie kommt das an?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.