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Kommentar Sport : Plumps und weg

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Auf die Plätze, fertig - plumps: Das ist der Stoff, aus dem die Albträume der Schwimmer sind. Es erwischt nur die wenigsten. Aber niemand ist gefeit dagegen, selbst erfahrene Athleten wie Antje Buschschulte nicht.

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          Auf die Plätze, fertig - plumps: Das ist der Stoff, aus dem die Albträume der Schwimmer sind. Es erwischt nur die wenigsten. Aber niemand ist gefeit dagegen, selbst erfahrene Athleten wie Antje Buschschulte nicht. Die 27 Jahre alte Vorschwimmerin aus Magdeburg hat in ihrer langen Laufbahn gewiß schon einige Reinfälle erlebt. Aber eben nicht vom Startblock, wie es ihr nun bei der EM in Budapest im Halbfinale über 50 Meter Schmetterling widerfuhr. Nach dem letzten Signal ("take your marks") nahm sie ihre Kauerhaltung ein; doch bevor der Startschuß fiel, verlor sie das Gleichgewicht und fiel kopfüber ins Wasser. Man kann sich vorstellen, welche Figur die Arme dabei abgab. Für die Sprungwettbewerbe im Nachbarbecken empfahl sie sich jedenfalls nicht.

          Antje Buschschulte kann von Glück reden, daß sie in der Neuzeit lebt. Sportler, die bei den Olympischen Spielen in der Antike einen Fehlstart fabrizierten, wurden mit Rutenhieben gezüchtigt. Doch auch ohne Prügel sind die Fehlstarter von heute genug gestraft. 1998 wurde im Schwimmen, nach langen Diskussionen, die sogenannte Ein-Start-Regel eingeführt. Anders als in der Leichtathletik wird seitdem jeder Fehlversuch gnadenlos bestraft. Das hat sich bewährt. Inzwischen gibt es kaum noch Fehlstarts im Schwimmen, gerade bei bedeutenden Wettbewerben. Um so erstaunlicher, daß die Leichtathleten bis heute nicht dem Vorbild der Schwimmer gefolgt sind. Bei ihnen hat man einen Fehlversuch frei; erst wer den zweiten verursacht, ist draußen.

          Natürlich gibt es manchmal Härtefälle, im Vergleich zu denen selbst Antje Buschschulte wie ein kleiner Fisch erscheint. Vor gut zwei Jahren plumpste der Australier Ian Thorpe beim 400-Meter-Rennen in der Olympia-Qualifikation ins Wasser. Der Fall ihres Schwimm-Gotts hielt so gut wie jeden der 19 732 000 Einwohner des Landes in Atem. Der Premierminister sah sich zu einer Art Regierungserklärung genötigt; er nannte den Fall "eine Tragödie". Allerdings endete sie eher wie eine Komödie. Weil der statt Thorpe qualifizierte Craig Stevens, ein viel schwächerer Schwimmer, seinen Verzicht auf den Olympiastart in dieser Disziplin verkündete, kamen die Australier und Thorpe mit dem Schrecken davon. Acht Jahre zuvor war seinem nicht minder berühmten Landsmann Kieren Perkins das gleiche Mißgeschick passiert. Doch er, der Weltmeister und Olympiasieger, mußte beim olympischen Finale über 400 Meter Freistil zusehen.

          Antje Buschschulte kann man nur wünschen, daß sie sich nicht zu lange ärgert über ihren Blackout. Sie hat ja noch ein paar Chancen bei den Europameisterschaften in Budapest. Vielleicht sollte sie sich, zur Schulung der Startkunst, möglichst bald das Video von den Vorläufen des 100-Meter-Freistilrennens bei Olympia 2000 in Sydney anschauen. Damals wurde ein gewisser Eric Moussambani aus Äquatorialguinea dank eines einzigen geglückten Starts zu einem berühmten Mann. "Eric der Aal" gewann den Vorlauf in 112,72 Sekunden. Es war ein einsames Rennen - seine beiden Gegner hatte man wegen Fehlstarts disqualifiziert.

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