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Kommentar Sport : Hoppla, Schwyz

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Hopp, Schwyz? Wandeln wir es leicht ab, aus gegebenem Anlaß: Hoppla, die Schweiz, wieder einmal! Wieder einer erwischt vom Radrennstall Phonak, und aufs neue suspendiert Phonak, gesponsert von einem Hörgerätehersteller, einen Radprofi.

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          Hopp, Schwyz? Wandeln wir es leicht ab, aus gegebenem Anlaß: Hoppla, die Schweiz, wieder einmal! Wieder einer erwischt vom Radrennstall Phonak, und aufs neue suspendiert Phonak, gesponsert von einem Hörgerätehersteller, einen Radprofi. Diesmal hat es einen Mann namens Sascha Urweider getroffen, der Mitte Februar beim Training positiv auf Testosteron getestet worden ist; die B-Probe bestätigte nun diesen Befund. Bereits vor Bekanntwerden dieses Ergebnisses war Phonak konsequent von Urweider abgerückt. Keine Unschuldsvermutungen diesmal, statt dessen bescheinigte Teambesitzer Andy Rihs dem ertappten Profi, puren Blödsinn begangen zu haben.

          Trennungen wegen Dopingaffären sind bei Phonak inzwischen fast Pflichtübungen: In schöner, schauriger Regelmäßigkeit ist die Mannschaft in jüngerer Vergangenheit deswegen in die Schlagzeilen geraten. Ist Urweider nun der vierte Fall innerhalb weniger Jahre? Oder schon der fünfte? Vielleicht sogar der sechste? Man kann in dieser Angelegenheit leicht den Überblick verlieren. Da waren also der frühere Weltmeister Oscar Camenzind, der umgehend zurücktrat, nachdem er der Einnahme verbotener Substanzen überführt worden war, der Vuelta-Zweite Santiago Perez, Zeitfahr-Olympiasieger Tyler Hamilton aus den Vereinigten Staaten, es fallen einem auch noch Santos Gonzales und Fabrizio Guidi ein - ehe jetzt der Eidgenosse Urweider die unrühmliche Serie fortsetzte. Reiner Zufall? Oder ein besonderer Sündenpfuhl des Radsports? Selbst bei Experten in der Schweiz herrschen Ratlosigkeit und eine gewisse Fassungslosigkeit. Daß eine Equipe immer wieder ins Gerede kommt, macht stutzig, aber es ist natürlich kein Beleg dafür, daß es sich dabei um eine ewige Keimzelle übler Machenschaften handeln könnte. Phonak hält sich selbst zugute, seine Fahrer mittlerweile verschärft unter Beobachtung zu haben. Das funktioniert offensichtlich, zu sehen an Urweider, nicht gut genug.

          Auch wenn die Statistik Phonak in ein trübes Licht rückt und damit auch den Schweizer Profiradsport generell in die Bredouille bringt, kann nur dies festgestellt werden: Jede einzelne Nachricht über Arzneimittelmißbrauch und Betrug zeigt, losgelöst vom jeweiligen Arbeitsverhältnis des beteiligten Fahrers, die anhaltende Bereitschaft zumindest in Teilen der Branche, das Räderwerk zu manipulieren. Kaum eine Spur von mehr Sauberkeit im Radsport, so scheint es, trotz der Beteuerungen, im Metier habe grundsätzlich ein Umdenken eingesetzt.

          Auch die jüngsten Berichte aus Belgien, die sich um eine Razzia drehten und um brisante Funde bei Profis, verdeutlichen, wie verbreitet der Wille immer noch ist, sich auf krumme Touren einzulassen, den Kontrollen und Strafandrohungen zum Trotz. Drastisch beurteilte der italienische Dopingfahnder Alessandro Donati die Lage mit der Bemerkung, der Radsport sei in den Klauen des Dopings, wenn nicht zu 100 Prozent, dann fast zu 100 Prozent. Donati keinen Glauben zu schenken fällt nicht leicht. Wegen all der Camenzinds, Hamiltons, Urweiders, wegen all der Skandalmeldungen, aus der Schweiz und anderswoher.

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