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Kommentar Sport : Faustregel Geld

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Wladimir Klitschko? Ein Kleinverdiener! Nichts gegen den smarten Berufsboxer aus der Ukraine mit den guten Manieren und der Milchschnitte. Aber in den Vereinigten Staaten haben sie den Schwergewichtlern in aller Welt am Wochenende ...

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          De la Hoya und
          Mayweather jr. gebührt finanziell die Box-Krone.

          Wladimir Klitschko? Ein Kleinverdiener! Nichts gegen den smarten Berufsboxer aus der Ukraine mit den guten Manieren und der Milchschnitte. Aber in den Vereinigten Staaten haben sie den Schwergewichtlern in aller Welt am Wochenende mal gezeigt, wem momentan die Krone in diesem Gewerbe gebührt - wenn es ums Geld geht: Oscar de la Hoya und Floyd Mayweather jr. Die inzwischen öffentlich gemachten Zahlen stellen alles in den Schatten, was das Geschäft bisher abgeworfen hat. Sogar jene jeweils 35 Millionen Dollar pro Preisboxer im bislang einträglichsten Duell zwischen Mike Tyson und Evander Holyfield. Die Fernsehgemeinde erinnert sich: Damals, 1997, biss Tyson seinem amerikanischen Landsmann ein Stückchen vom Ohr ab. Hinterher war im Falle von Sieger Holyfield verständlicherweise auch von Schmerzensgeld die Rede. Nicht die Krankenkasse zahlte, sondern die Kundschaft vor dem Fernseher. Pay-TV nennt sich das Verfahren, sich exklusive Sportübertragungen auch exklusiv bezahlen zu lassen. Den WM-Kampf im Super-Weltergewicht zwischen dem alternden de la Hoya, einem Darling der Massen, und dem ungeschlagenen Mayweather jr. haben sich Millionen Haushalte via HBO in Amerika ins Wohnzimmer geholt. 2,15 Millionen Mal 50 Dollar ließen sich die Fans den Fight kosten. Rund 120 Millionen kamen auf diese Weise zusammen.

          Zur vorher ausgemachten Börse von 25 Millionen Dollar bekommt Verlierer de la Hoya als Titelverteidiger noch als Bonus anteilig 45 Millionen Dollar aus den Pay-TV-Einnahmen hinzu. Seit einem guten Jahrzehnt hat kein Boxkampf mehr Zahlende mobilisiert als die Herausforderung de la Hoyas durch Mayweather jr. Es ist ein Irrglaube, auf eine Renaissance des Berufsboxens zu schließen. Die Konstellation im Super-Weltergewicht führte tatsächlich die besten ihrer Gewichtsklasse zusammen. Die Ausnahme von der Regel im Boxbusiness. Im Wirrwarr der Weltverbände haben die meisten Weltmeister halt auch Nebenweltmeister - die Champions anderer Verbände. Diese Inflation an Meistergürteln ist längst von der Kundschaft durchschaut worden: als Geld- und Titelbeschaffungsmaßnahme von Veranstaltern, Promotern und den Fernsehanstalten in den Hauptrollen.

          Mayweather jr. hat nach dem Rekordkampf seine Ankündigung wahr gemacht und seinen Abschied vom Berufsboxen genommen. Mit 31 Jahren. De la Hoya, sein amerikanischer Landsmann, überlegt noch. Er habe niemandem mehr etwas zu beweisen, argumentiert Mayweather jr., noch mehr Millionen seien kein Motiv. Nur ein Rückkampf könnte ihn nochmals mobilisieren. Das ist die Faustformel. Auch Klitschko bestreitet demnächst einen Rückkampf - den gegen Lamon Brewster. Ein paar Nummern kleiner.

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